Trödel-Funde

Postkarten zeigen Berlin, wie es nicht mehr ist

"So sah das früher dort mal aus": Ein neues Buch versammelt Berlin-Postkarten aus vier Jahrzehnten. Sie bieten Einblicke in eine andere Welt.

Die Pan American ist in das Bild vom Platz der Luftbrücke hineinmontiert. "Sie hätte in dieser knappen Höhe nicht fliegen können", sagt Christian Wagner. "Nicht mit diesen Flugzeugproportionen." Die Ansicht vom Flughafen Tempelhof ist eine von 100 alten Postkarten, die das neue "BerlinBilderBuch" zeigt.

Darunter sind Aufnahmen von der Gedächtniskirche, vom Müggelturm in Schwarz-Weiß, vom Grenzverlauf und vom Brandenburger Tor, mit dem Schild "Achtung! Sie verlassen nach 70 Metern West-Berlin". Das Buch haben Christian Wagner, Chef der Scantinental Business-Kontakt-Agentur, und seine Frau Nasrin Khan-Wagner herausgegeben.

Bilder aus den 50er- bis 80er-Jahren

Beide sind gebürtige Zehlendorfer. Beide leben jetzt in Lichterfelde. Und haben nach dem Fall der Mauer begonnen, auch den Osten der Stadt zu erkunden. "Mit diesem Buch wollen wir zeigen, wie sehr sich Berlin verändert hat ", sagt der 51-Jahre alte Wagner. "Das, was optisch in Vergessenheit gerät."

Wagner ist ausgebildeter Kommunikationswirt, hat als Journalist und Pressesprecher gearbeitet. Mehrere Hundert Postkarten sammelte das Ehepaar in den vergangenen zwei Jahren, auf Flohmärkten und Sammlerbörsen. Und zeigte die Ansichten im Bekanntenkreis herum.

Die Reaktionen seien ähnlich gewesen, so Wagner. "Wer die Zeit erlebt hat, hüben wie drüben, sagte – Ach ja, so sah das mal aus", erzählt er. Die Jüngeren staunten bei den alten Bildern: "Ach ja, so sah das früher dort mal aus?" Die Postkarten stammen aus den 50er- bis 80er-Jahren. Einige in Schwarz-Weiß, viele in Farbe.

Kartenuntersuchung mit Lupe

Alle Karten sind geschrieben und verschickt worden. "Die Farben in den DDR-Motiven wirken anders als in den West-Berliner Bildern", sagt der Herausgeber. Und: Je älter die Karte, desto künstlicher sei die Farbgebung. "In den frühen Jahren hat man oft nachkoloriert, bei Kleidern und Blumen."

Damals habe man noch keine Computer und keine Grafikprogramme benutzt, sagt Christian Wagner. Viele Ansichten seien von oben aufgenommen worden, aus Gebäuden heraus fotografiert oder von einer Leiter aus. Für Karten mit mehreren Ansichten seien die Motive ausgeschnitten, aufgeklebt und reproduziert worden. "Man sieht das, wenn man mit der Lupe hinguckt."

Als es noch keine Staus gab

Die Karten seien noch im Offset-Verfahren hergestellt worden. "Heute werden weniger Karten verkauft als früher, weil viele Menschen selbst mit ihrem Handy Fotos machen und ausdrucken." Postkarten werde es immer geben, meint Wagner, "aber nicht mehr in dieser leicht antiquierten Art und Weise." Zu seinen Lieblingsbildern gehört eine Aufnahme von der Stadtautobahn in Halensee. "Sie ist putzig", sagt Wagner, "nur wenige Autos sind auf der Fahrbahn zu sehen, aber auch ein Doppelstockbus".

Was im Buch fehlt, ist eine Liste mit den Namen der abgebildeten Orte. "Das werden wir in einer neuen Auflage nachholen", so Wagner. "Auf Wunsch schicken wir diese Liste auch zu." Informationen gibt es auch unter www.berlinbilderbuch.com .

Christian Wagner/Nasrin Khan-Wagner: Berlinbilderbuch: Berlin in 100 Postkarten aus der Zeit vor 1989. (Scantinental, 104 S., 9,90 Euro. ISBN: 978-3000356735) .