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Soul-Diva Dusty Springfield in rosa Schrein geehrt

Als "White Queen of Soul" machte Sängerin Dusty Springfield Karriere. 1999 starb sie an Brustkrebs. Jetzt versammelt ein Gesamtpaket alle Songs.

Bevor sie 1999 starb, verfügte Dusty Springfield, eine Handvoll ihrer Asche in der Londoner Themse zu entsorgen, eine weitere Prise vor den Klippen Irlands in die See zu streuen und den Rest neben der Pfarrkirche der Heiligen Jungfrau Maria in der Kleinstadt Henley zu bestatten.

Sie war nicht nur die schneeweiße Seelenkönigin des BritPop. Sie war eine vorbildliche Diva, die nichts ausließ: Prügeleien mit Schlagzeugern, missglückte Selbstmorde und überschwängliche Comebacks, die anspruchsvollsten Drogen und eine nach allen Seiten offene Sexualität. Geheimnisvoll und großartig gesungen hat sie auch.

Sie war nicht schön, aber sehenswert

Das alles wird nun in einem Gesamtpaket gewürdigt, einem rosa Schrein mit vier CDs für Hits und Seltenheiten und drei DVDs, weil Dusty Springfield zwar nicht schön war aber sehenswert. Da steht sie mitten in den Sechzigern auf einer Fernsehbühne, im gerüschten Gouvernantenkleid, als wollte sie sich lustig machen über ihre plötzlich lockeren Landsleute. Über die Beatlemania, den Minirock, das Swinging London.

Und am Ende, in den Neunzigern, schminkte sie ihr Gesicht zu einer Stammesmaske, um die Geister ihrer eigenen Geschichte zu vertreiben. Auch zwei Bücher liegen bei: Das eine heißt „Complete“ und katalogisiert ihr Werk. Im anderen, „Definitive“, erscheinen glühende Aufsätze.

Annie Lennox bedichtet sie. Die Pet Shop Boys verneigen sich. „Ich glaubte ihr, wenn sie sang“, erklärt Burt Bacharach. „Sie war sehr starrsinnig“, lobt Tom Jones . „Was sie für mich vollkommen machte, waren ihre Mängel", schriebt Marc Almond. Es wird Weihnachten.

Dusty Springfield: Goin’ Back – The Definitive Dusty Springfield (Mercury) – 5 Punkte .