Progressive Rock

Jethro Tulls Lokomotive pfeift und drechselt wieder

Mit ihrem Album "Aqualung" gelang Flötenmeister Ian Anderson und Jethro Tull 1971 ein Klassiker. Viele Hysterien später erscheint nun die Geburtstagsedition.

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Ian Anderson und Jethro Tull gingen nicht nur als huckebeinige Barockkapelle in die Rockgeschichte ein. Vor allem zählten sie als Babyboomer zu den ersten demoskopischen Propheten. 1968, während sich die unter 30-jährigen auf Festwiesen und Straßen auf die ewige Jugend einschworen, veröffentlichten Jethro Tull „This Was“.

Ein Bluesalbum, auf dem sie sich als Greise präsentierten. Anschließend sangen sie Songs wie „Living In The Past“ oder „Too Old To Rock’n’Roll: Too Young To Die“.

Sie waren schon vor 40 Jahren alt, als 1971 ihre Platte „Aqualung“ erschien, und seither sind sie ihren Zeitgenossen immer um ein weißes Haar voraus. Für „Aqualung“ hat Ian Anderson sich malen lassen im Stil spätromantischer Sozialrealisten. Als betagter Landstreicher. Und wenn er dazu sang, dass er auf einer Parkband sitze und die kleinen Mädchen mit den schlechten Absichten betrachte, hat man das damals so hingenommen.

Viele Hysterien später , wird die Platte vor den Kindern weggeschlossen. Aber auch, weil Ian Anderson darauf so aussieht wie die späten Eltern heute und der Progrock allen Älteren etwas peinlich ist. Auf der Geburtstagsedition sind weitere Songs zu hören, die damals geflötet und gedrechselt wurden und entsprechend würdevoll gealtert sind. (vier von fünf Punkten)

Jethro Tull: Aqualung – 40th Anniversary Special Edition (Chrysalis)