"Emotionalste TV-Momente"

Sarah im Dschungel, Kösters Comeback, Kates Kuss

Wann haben TV-Zuschauer 2011 am meisten geweint, gelacht oder geflucht? Sonja Zietlow zeigte die 25 emotionalsten Momente. Auf Platz 1: die "Hochzeit des Jahrhunderts".

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Nach den häufig kalorienreichen und bewegungsarmen Weihnachtsfeiertagen sehnt sich Otto Normalverbraucher in der Regel nach anregenden Nährstoffen, seien sie nun wirklich essbar oder geistiger Natur.

Zum Titel "Die 25 emotionalsten TV-Momente des Jahres" kommen dem Zuschauer dagegen eher Bilder von rosa Zuckerwatte und Marzipan in den Sinn, die schließlich zum endgültigen Völlegefühl führen. Sollte sich diese Vorahnung bestätigen und gar in Brechreiz münden?

Fakt ist, dass RTL nicht nur am Jahresende Programmplätze für diverse Ranking-Shows reserviert, seien es "Die 10...", "Die 25..." oder auch "Die ultimative Chartshow", von der inzwischen über 100 Ausgaben gesendet und zahlreiche zugehörige CDs erschienen sind.

Während bei Letzterer die Auswertung nach einem mehr oder weniger durchschaubarem Punkteschema erfolgt, erscheint bei "Die 10..." und "Die 25..." die Auswertung völlig willkürlich und kein Titel zu blöd. Mal geht es um die "ergreifendsten Schicksale", mal um "Glückspilze und Pechvögel" oder um "spektakulärste TV-Momente der Welt".

Man kann an dieser Stelle durchaus von einer Übersättigung sprechen, vielleicht wird es irgendwann auch "Die 25 sinnlosesten Ranking-Shows" geben.

Gemeinsam ist jedenfalls allen, dass in der Regel in erster Linie RTL-TV-Momente und die entsprechenden Formate beworben und außerdem von diversen Moderatoren, Schauspielern und weiteren RTL-Figuren kommentiert werden – und so hatte man im Fall von "Die 25 emotionalsten TV-Momente des Jahres" schon eine dunkle Vorahnung.

Dschungeldrama um Sarah, echter "Slumdog Millionaire"

In der Tat wiesen bei den 25 Plätzen mindestens die Hälfte gezielt und penetrant auf Sendungen bei RTL oder einem Schwestersender hin. Natürlich gab es dabei unterhaltsame Momente, wie zum Beispiel Rückblicke auf "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!", wo sich dieses Jahr dank Sarah "My air is away!" Knappik das Dschungelcamp für den Betrachter zu einer wahren Psycho-Studie entwickelte.

Oder auf die indische Version von "Wer wird Millionär?", wo Sushil Kumar als erster Teilnehmer den Hauptgewinn in Höhe von 50 Millionen Rupien erspielte und damit nahezu die Geschichte vom preisgekrönten Film "Slumdog Millionaire" wahr machte. Oder auch die immer wieder oft kopierten bzw. parodierten und doch nie erreichten Englischkenntnisse von Lothar Matthäus .

Andere Platzierungen konnte man getrost als ärgerlich oder lächerlich beschreiben. So zum Beispiel die Beiträge zum australischen "X-Factor" oder zur amerikanischen Version von "Deutschland sucht den Superstar". Wer hatte diese wirklich vor der Sendung wahrgenommen? Der Großteil der deutschen Zuschauer wohl nicht und auch kaum die nun plötzlich begeisterten Promi-Kommentatoren aus den Einspielern.

Wenigstens gab es auch ein paar Mutmacher. So blieben Monica Lierhaus und Gaby Köster , beide Medienprofis und zu ihren erfolgreichsten Zeiten nahezu dauerpräsent im Fernsehen, nicht unerwähnt. Beide Frauen kehrten von langer schwerer Krankheit gezeichnet zurück ins Rampenlicht und berichteten der Öffentlichkeit über ihre Krankheiten und den nicht immer einfachen Kampf mit den Folgen.

Gleiches gilt für den gelähmten Samuel Koch, der sich nach seinem schweren Unfall bei "Wetten, dass..?" ebenso seinen Lebensmut in bewundernswerter Weise bewahrte. Hier waren die emotionalen Reaktionen der Kommentatoren deutlich glaubwürdiger.

Freispruch für Amanda Knox, Bambi für Bushido

Dass das Format durchaus interessantes Potenzial bietet, zeigte sich an den Beiträgen zum Freispruch von Amanda Knox , die ursprünglich wegen Mordes zu 26 Jahren Haft verurteilt worden war, an der Bambi-Verleihung an Skandalrapper Bushido und der Rücktritts-Affäre von CDU-Politiker Christian von Boetticher .

Hier überschlugen sich die Kommentatoren geradezu ("Wir werden die Wahrheit wahrscheinlich nie erfahren!", "Geht gar nicht!", "Das kann man nicht ernst nehmen!"), und auch Moderatorin Sonja Zietlow würzte das Ganze mit bissigen Bemerkungen.

Dem banalen Rahmen entsprechend gab es keine Rückblicke auf die größten Tragödien des Jahres, das Atomunglück in Japan und der Amoklauf in Norwegen. Dafür wurde über das Luftschiffunglück beim Hessentag berichtet, bei dem der Kapitän die übrigen drei Insassen rettete und selbst zu Tode kam.

Wäre dies auch in der Sendung geblieben, wenn unter den drei besagten Überlebenden kein RTL-Reporter gewesen wäre? Ein fahler Nachgeschmack bleibt.

Unsäglich einfallslos auf Platz 1: die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton. Hierbei wurde erwartungsgemäß noch einmal deutlich: Die Braut ließ sich ausgerechnet bei ihrer Hochzeit optisch von ihrer Schwester ausstechen – und zwar vor allem in der Rückansicht .

Eins wird unterm Strich klar: Zietlow hat mehr Potential als nur Ranking-Shows herunterzumoderieren. Im Januar wird sie als "Dschungelcamp"-Moderatorin gemeinsam mit Dirk Bach wieder viel Gelegenheit zu mehr bissigem Witz haben.