Rate-Show

Jauch versagt gegen fünf blondierte Glossy-Duftdüsen

Immerhin bei Hobbygärtner-Fragen wusste Jauch etwas. Doch ansonsten waren die Kosmetikerinnen überraschend überlegen und gewannen bei "Fünf gegen Jauch" 150.000 Euro.

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Die letzten Tage vor Weihnachten sind für Parfümerien die Goldensten: In Scharen fallen sie dort ein, die Männer, die mal wieder in allerletzter Minute auf der Suche nach dem passenden Geschenk für ihre Liebste sind, vor lauter schlechtem Gewissen dann auch gern ein teures Produkt erstehen, Hauptsache es riecht edel und ist hübsch verpackt.

Auch Günther Jauch zählt zu diesen Last-Minute-Käufern, wie wir seit der Vorweihnachtsausgabe von „5 gegen Jauch“ wissen – eine goldene Weihnachtszeit bescherte er fünf Duftdamen aus Freiburg nun aber aus anderem Grund: Er wusste einfach zu wenig. Das Hobbygärtnerwissen, was der Moderator zum Ende der Sendung noch hervorzauberte, war einfach zu wenig, um die fünf Damen im Ratespiel abzuhängen.

„Jeder denkt, wir wären Tussis – wir beweisen Ihnen das Gegenteil“, hatten die Freiburger „Duftdüsen“ in ihrem Vorstellungsfilm angekündigt – beides traf zu: Ganz in schwarz gekleidet, dafür mit knallig lackierten Fingernägeln, leuchtend geschminkten Lippen und blondierten Haaren strotzte das Quintett nur so vor schriller Weiblichkeit, wirkte bei ersten Kicherattacken und bemüht witzigen Antworten wenig souverän.

Voreilig, wer sie deshalb als „hohle Kosmetikerinnen“ abtat: Linksverkehr in Nepal, Gammelhai in Island, Dialekte in Friesland – scheinbar gab es kein Thema, von dem die Damen noch nicht gehört oder gelesen hatten. Da traf ein Twilight-Fan auf eine Hobby-Köchin, schwaches Yellow-Press-Wissen auf Schlagzeugspieler im Freundeskreis. Kurz: Die Ladies schlugen sich wacker.

Jauchs Souveränität wie weggeblasen

Ganz anders ihr Gegenspieler Günther Jauch. Es mag an der schlechten Weihnachtsmusik auf den Kopfhörern, den dummen Sprüchen von Oliver Pocher oder dem Stück gammeligen Haifischfleisch, das der Herausforderer in einer der Runden testen musste, gelegen haben, aber Jauch kam einfach nicht in Schwung. Donald Ducks Mutter war ihm da ebenso unbekannt wie die Strähnchenhaube beim Friseur, die Souveränität des Millionär-Moderators wie weggeblasen.

Was Jauch zweifellos mit Humor nahm, Pochers Sprüche lachend kassierte und den Damen am Ende anständig gratulierte. Statt sich über seine Niederlage zu grämen, holte er sich letzte Geschenketipps bei den Gegnerinnen, ließ sich deren Lippenstiftmünder auf die Wange küssen und für die nächste Show von Marktschreiern anbrüllen – ein herrliches Bild.

Allein: Es scheint so wenig zum Konzept der Sendung zu passen. Fünf gegen Jauch, das klingt nach unschlagbarem Übermensch. Es braucht das Wissen von fünf Köpfen um gegen diesen einen Mann anzukommen – das suggeriert schon der Titel. Unschlagbar aber war Jauch wieder einmal nicht. „Sie verlieren ja schon wieder“, bemerkte selbst die eingeladene Friseurin, die Jauch die Funktionsweise einer Strähnchenhaube nahe bringen sollte.

Überwindbarer als Raab

Der Vergleich mag oft gezogen worden sein und doch muss auch jetzt noch einmal gesagt werden: Stefan Raab gewann am vergangenen Wochenende zu Null . „Schlag den Raab“ gilt seit langem als rätselhaftes, unüberwindliches Hindernis. Als eine Herausforderung, an der selbst die Schlausten und Stärksten des Landes scheitern. Günther Jauch zu schlagen schien gestern ein Kinderspiel.

Vielleicht auch, weil Jauch einfach keinerlei sportlichen Ehrgeiz ins Gewinnen setzte. Stattdessen blödelte er mit Oliver Pocher über seinen nervösen Magen, schnitt dem Ulk-Moderator blonde Strähnchen aus der Frisur oder ließ sich von den Damen mit Styling-Tipps versorgen. Das hatte durchaus unterhaltsame Momente, vor allem das Duo Pocher Jauch harmonierte auf eine frotzelige Art sehr gut.

Spannung kam in der zweistündigen Show dabei aber leider überhaupt nicht auf. Die Fragen schienen wahllos und nebensächlich, die Showeinlagen lahm und kreativlos. Da durfte ein kleiner Schlagzeuger Schlagzeug spielen und eine Friseurin frisieren – Alltäglicheres ist kaum vorstellbar.

So bleiben am Ende 150.000 Euro für fünf muntere Kolleginnen, die jetzt sicherlich eine schöne Weihnachtszeit haben werden. Und ein Gegner Jauch, der nun immerhin weiß, was er seiner Frau zum Fest schenken soll. Besinnlicher hätte ein Vorweihnachtsabend wohl nicht enden können.

Verschnarchter leider auch nicht.