John de Mol über Casting-Shows

"Affenzirkus will keiner mehr sehen"

Eine gute Nachricht für das Publikum. Sendungen, in denen die Kandidaten vorgeführt werden, sind nach Meinung eines der größten TV-Produzenten Europas definitiv am Ende.

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Fernsehproduzent John de Mol sieht die alten Castingshows „am Ende“. Der Erfinder und Produzent der Musikshow „The Voice of Germany" sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“:

„Der Trick, Menschen vor die Kamera zu zerren, die dann musikalisch umgebracht werden, funktioniert nicht mehr.“ Das Publikum wolle Leute, die wirklich etwas könnten. „Affenzirkus will keiner mehr sehen.“

Auf die Idee zu der Show kam der Niederländer bei den Vorbereitungen für die Sendung „Ich liebe Holland“. Er habe Prominente gesucht und sei dabei auch die Castingshow-Gewinner durchgegangen, mit dem Ergebnis: „Die kennt kein Mensch.“

Daraufhin habe er ein Format entworfen, in dem Image kein Thema sei, das pure Talent zähle und „die besten Leute sitzen und langfristige Karrieren im Auge haben.“

Am Samstagabend ging der fünfte RTL-Wettbewerb „Das Supertalent“ mit dem Sieg des Panflötenspielers Leo Rojas zu Ende. Der aus Ecuador stammende, in Berlin lebende 27-jährige Straßenmusiker erhielt unter den zehn Finalisten die meisten Stimmen der Zuschauer und damit Titel und Siegprämie von 100.000 Euro. Zweiter wurde der 34-jährige Pop-Sänger Sven Müller aus Baden-Württemberg und Dritter der sechsjährige Klavierspieler Ricky Kam aus Bern.

„Das Supertalent“ war am Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag die meist gesehene Sendung im deutschen Fernsehen. Im Durchschnitt sahen 6,45 Millionen ab 20.15 Uhr zu, das ist ein Marktanteil von 20,8 Prozent. Die ZDF-Show „Ein Herz für Kinder“ schalteten 4,45 Millionen Menschen ein und den ARD-Spielfilm „Wolfsfährte“ 4,48 Millionen.

Laut RTL verfolgten bis zu 7,94 Millionen Zuschauer in der Spitze das Finale. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen waren es im Durchschnitt 3,34 Millionen und 28,2 Prozent Marktanteil. Die Entscheidung nach Mitternacht sahen 4,74 Millionen (24,5 Prozent aller Zuschauer und 27 Prozent der 14- bis 49-Jährigen).