Mötley Crüe

"Ich sehe, wie ich eine Linie Koks ziehe"

Mick Mars ist Gitarrist der chaotischen Glam-Rock-Gruppe Mötley Crüe. Ein Gespräch über verschwommene Erinnerungen und Elefanten auf der Bühne.

In den 80er-Jahren galten Mötley Crüe als größte Band der Welt. Der Glam Rock war auf dem Höhepunkt seiner Existenz und lebte den Rock’n’Roll-Lifestyle in Vollendung. Ein Interview mit Mick Mars.

Morgenpost Online : Sie touren im Moment mit Def Leppard durch England. Wie läuft die Rock’n’Roll-Zeitreise?

Mick Mars : Die Leute sind total crazy drauf und treten ordentlich Arsch. Wir haben aber auch mit den Jungs von Def Leppard riesigen Spaß.

Morgenpost Online : Wie verbringen Sie die Zeit zwischen den Shows? Party den ganzen Tag oder gehört das der Vergangenheit an?

Mars : Nein, so aufregend, wie man sich das vorstellt, ist es schon lange nicht mehr. Auch auf Tour dreht sich vieles um unsere Familien. Wenn wir 30 Jahre lang nur Party machen würden, wären wir heute sicherlich nicht mehr hier.

Morgenpost Online : Etliche Biografien zeichnen ein Bild einer Band, die sich privat nur wenig zu sagen hat…

Mars : Klar haben wir alle untereinander mal unsere kleinen Problemchen. Aber insgesamt kommen wir gut miteinander aus. Wir sind alt genug, um uns über die ganzen Klischees zu erheben.

Morgenpost Online : Vor wenigen Wochen haben Sie ihre komplette Discografie erneut veröffentlicht. An was müssen Sie denken, wie sie die alten Songs hören?

Mars : Das deutlichste Bild, welches ich vor Augen habe, ist wie ich im Studio hocke, Jack Daniels trinke und mir eine Linie Koks reinziehe.

Morgenpost Online : Und was sagt das Gefühl?

Mars : Das erinnert sich oft an das Business, welches manchmal keinen Spaß machte. Aber ich denke gerne an die Tourneen zurück, an die gemeinsame Arbeit im Studio. Die Zeiten waren viel wilder als heute.

Morgenpost Online : Warum faszinieren die alten Mötley Crüe-Songs die Menschen genauso wie vor 25 Jahren?

Mars : Ein richtig guter Song wird niemals seinen Blues verlieren. Für jeden wird ein starker Song etwas anderes bedeuten – dabei ist gleichgültig, um welche Musikrichtung es sich dabei handelt. Wenn ein Song eine permanente Quelle der Inspiration ist, dann wird er unsterblich.

Morgenpost Online : Mit „Dr. Feelgood“ erzielten Sie 1989 ihr erstes Nummer-1-Album. Wie viel Kompromisse waren dafür nötig?

Mars : Es gab jede Menge Songs für das Album, und zum ersten Mal sollte Bob Rock uns produzieren. Das war die gute Seite. Auf der anderen Seite wurde uns von Seiten der Plattenfirma stark reingeredet, welche Songs auf dem Album erscheinen sollten. Das gibt es zum Glück heutzutage nicht mehr.

Morgenpost Online : Es gibt Gerüchte, die besagen, dass Mötley Crüe 2012 ein neues Album veröffentlichen werden.

Mars : Ja, das ist unser Plan. Ob wir dies jedoch schaffen, ist eine ganz andere Frage. Nach der Tour werden wir uns erst einmal alle sammeln und ausruhen. Unklar, ob wir schnell genug die Energie finden werden, ein vollständiges Album auf die Reihe zu bekommen.

Morgenpost Online : März 2012 werden Sie 16 Tage lang in einem Casino in Las Vegas spielen. Haben Sie sich schon Tipps von Celine Dion geholt?

Mars : Nein, noch nicht (lacht). Noch haben wir alle keine Ahnung, in welche Richtung diese Shows gehen werden. Vielleicht sollten wir einen Elefanten auf die Bühne holen. Dann ist der Rest egal (lacht).