Bayreuth

DGB kritisiert Ende seiner Exklusiv-Aufführungen

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Die Richard-Wagner-Festspiele streichen die DGB-Vorstellungen auf dem Grünen Hügel. Ein Grund soll der lukrative Schwarzhandel mit Karten gewesen sein.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern hat das Aus für die seit fast 60 Jahren bestehenden exklusiven DGB-Vorstellungen bei den Bayreuther Opernfestspielen kritisiert. "Anscheinend hat die Festspielleitung die Geschichte der Festspiele vergessen", erklärte der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena. Die Ursprungsidee Richard Wagners seien Festspiele für das ganze Volk gewesen, insbesondere auch für Arbeitnehmer

Der DGB habe nach dem Zweiten Weltkrieg einen wesentlichen Beitrag zur Wiederbelebung und Rehabilitierung der Festspiele geleistet. Deshalb habe es die Aufführungen nur für DGB-Mitglieder gegeben. "Die heutige Festspielleitung und der Verwaltungsrat haben das Erbe Richard Wagners auf dem grünen Hügel begraben", monierte Jena.

Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Festspiele, Toni Schmid, sagte, das Aus für die Vorstellungen für den DGB sei nur eine von vielen Maßnahmen in Reaktion auf die Kritik an der Kartenvergabepraxis in Bayreuth. Sie war unter anderem durch den Bundesrechnungshof und den Bayerischen Obersten Rechnungshof vorgebracht worden. "Wir müssen versuchen, mehr Karten in den freien Verkauf zu bringen", erklärte Schmid. Entsprechende Schritte seien auf der jüngsten Verwaltungsratssitzung beschlossen worden.

Die Kritik, wonach durch die Beschneidung des DGB-Privilegs eines der Grundprinzipien der Festspiele verletzt werde, wies Schmid zurück: "Ich glaube nicht, dass, wenn Funktionäre einer Gewerkschaft über Karten verfügen, sich dadurch die Zahl der einfachen Leute im Publikum erhöht."

Gewinnbringend auf dem Schwarzmarkt

Einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach einige DGB-Mitglieder die ihnen zugeteilten Karten gewinnbringend auf dem Schwarzmarkt weiter verkauft haben könnten, wollte Schmid nicht kommentieren. "Das weiß ich nicht", sagte er.

DGB-Landeschef Jena wies die Vorwürfe indes zurück. Bei keiner anderen Vorstellung in Bayreuth werde die Kartenvergabe so streng kontrolliert wie bei der für die Gewerkschaftsmitglieder, betonte er.

Unterdessen bestätigte der Leitende Oberstaatsanwalt in Hof, Gerhard Schmitt, dass bei seiner Behörde im Sommer zwei Strafanzeigen gegen Unbekannt eingegangen seien wegen des Verdachts der Untreue bei der Kartenvergabe. Dabei gehe es um die Verteilung von Freikarten und um Kartenkontingente an Reiseveranstalter. Ein entsprechendes Ermittlungsverfahren laufe, sagte Schmitt.

( dapd/bas )