Liebesfilm

Manager feuert Frau – und verliebt sich in sie

Gegensätze ziehen sich an: In "Nie mehr ohne Dich" trifft ein deutscher Banker in New York auf seine Traumfrau. Allerdings gibt es da ein Problem.

Wenn das Ziel schon vor Augen ist – lässt sich der Weg dahin umso mehr genießen. Deshalb besteht das Schöne an Liebesfilmen ja genau darin, dass man weiß, wie sie ausgehen. Es braucht also keine Spoilerwarnung, um zu verraten, dass Niklas ( der deutsche Schauspieler Ken Duken ) und Leticia (Nicole Beharie) am Ende zusammenkommen.

So unwahrscheinlich das am Anfang auch scheinen mag, schließlich fliegt Niklas aus Frankfurt nur für wenige Stunden nach New York, um dort eine Mission der eher unangenehmen Art hinter sich zu bringen. Und Leticia wird uns als bestens integriert ins Brooklyner Leben vorgestellt; sie richtet eine eigene Wohnung ein, nachdem finanzielle Engpässe sie offenbar dazu gezwungen hatten, Unterschlupf bei ihrem Vater, einem Pastor, zu suchen.

In einem Café treffen sie sich

Aber der Zauberer Zufall setzt die beiden an diesem Morgen zusammen in genau das Café, in dem Niklas sich dafür rüstet, im Namen des Oberchefs einer Bankzweigstelle die Schließung zu verkünden, und Leticia CDs mit eigener Musik verteilt. Und erst mal passiert gar nichts.

Niklas steckt zwar die CD ein, den dazugehörenden Flyer mit Einladung zum Konzert am Abend aber schmeißt er sofort weg, schließlich will er ja New York dann schon wieder verlassen haben. Der Weg ist das Ziel – das heißt aufs Liebesfilmgenre übersetzt also, dass es ganz auf das Wie ankommt: Wie genau finden denn nun Niklas, der deutsche Banker, und Leticia, die Afroamerikanerin mit Singer-Songwriter-Ambitionen, zusammen – über die kulturellen und all jene weiteren Hindernisse, die ihnen das Drehbuch so stellt, hinweg?

Der Zufall hilft nach

Der Berliner Drehbuchautor Christoph Silber hat hier seine eigene Lebensgeschichte zusammen mit dem amerikanischen Independentregisseur und -produzenten Stefan Schaefer in eine Form gebracht, die ganz bewusst an Filme wie Richard Linklaters „Before Sunset“ erinnern soll.

Doch während Linklater seine Hauptdarsteller Ethan Hawke und Julie Delpy hauptsächlich miteinander reden ließ – auf eine Weise, die den Zuschauer fast mehr erschöpfte als die Protagonisten –, sind es in „Nie mehr ohne dich“ weder die Dialoge, die die Annäherung der beiden gegensätzlichen Charaktere zwingend erscheinen lässt, und erst recht nicht die Zufälle, die eingebaut werden müssen, damit sie sich noch einmal über den Weg laufen.

Das Schuldmotiv stört

Es ist allein die Atmosphäre, die das Ganze glaubhaft macht. Einige Drehbucheinfälle wirken dabei weder besonders frisch noch besonders glücklich eingesetzt. Muss denn Leticia ausgerechnet in der Filiale arbeiten, deren Schließung Niklas verkündet? Und muss sie von der Tatsache, dass er an ihrer Entlassung „schuld“ ist, dann unbedingt auf heimliche Weise erfahren, nämlich als sie scheinbar arglos sein Portemonnaie untersucht, während er im Bad ist?

Eigentlich stört dieses Schuldmotiv mehr, als dass es die Handlung bereichert. Mit seinen ungeheuer stimmungsvollen Alltagsaufnahmen aus dem unglamourösen Brooklyn schafft der Film aber genug Gegengewicht, um nicht das Wesentliche aus den Augen zu verlieren: den Funken, der zwischen den beiden überspringt.