Batman & Co.

Der Vater von Robin und Joker ist tot

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Matthias Heine

Er erfand Batmans berühmtesten Gegenspieler, den Joker. Und auch der junge Robin mit grüner Hose stammt von seiner Hand: Jerry Robinson wurde 89 Jahre alt.

Die frühen Jahre der klassischen amerikanischen Superhelden waren eine Zeit der Wunder, in der kaum Zwanzigjährige manchmal über Nacht zu den führenden Köpfen von kreativen Teams wurden und den Gang der Comic-Geschichte in eine andere Richtung lenkten. So erging es auch Jerry Robinson, der den Joker erfand, Batmans berühmtesten Gegenspieler.

Die Zeichner-Karriere des Mannes, der jetzt in New York im Alter von 89 Jahren gestorben ist, begann 1939 auf einem Tennisplatz in Pennsylvania. Dort sprach Bob Kane den 17-Jährigen an, der ein mit selbstgezeichneten Comicfiguren verziertes Jackett trug. Kane, zu diesem Zeitpunkt auch erst 24, hatte drei Jahre zuvor zusammen mit Bill Finger Batman erfunden. Nun schlug er Jerry Robinson vor, nach New York zu kommen und sich dem Batman-Team anzuschließen.

Robinson ergriff seine Chance: Er schrieb sich an der Columbia-Universität ein und erfand bald darauf den Superschurken, der bis heute – nicht zuletzt dank seiner Darstellung durch Jack Nicholson und Heath Ledger in zwei Filmen – zu den populärsten Charakteren des Batman-Universums zählt.

Es war ein bisschen wie in Michael Chabons Roman „Die Abenteuer von Kavalier & Clay“, der die Goldrauschepoche des Comics schildert: Nach dem Erfolg von Superman wollten alle Verlage unbedingt Rächer mit übermenschlichen Kräften. Geschaffen wurden sie von jungen, meist jüdischen Männern , die die richtige Mischung aus Talent und Naivität mitbrachten – und ihre Kreaturen bald darauf auch gegen die Nazis kämpfen ließen.

Der „New York Times“ sagte Robinson 2010: „Schurken fand ich immer interessanter.” Ihm sei zuerst der Name Joker eingefallen, dann habe er sich von der Spielkarte inspirieren lassen. Seine Eltern waren passionierte Bridge-Spieler.

Lange behaupteten Kane und Finger, sie selbst hätten den Joker, der 1940 sein Debüt in der Serie gab, geschaffen. Doch heute glauben die meisten Historiker des Comic-Genres, dass Robinson seinen Anspruch, die Figur erfunden zu haben, zu Recht vertrat.

Lobbyist für Autorenrechte

Niemals bezweifelt wurde, dass Robinson noch eine weitere wichtige Figur des Batman-Universums kreiert hat: Robin, den knabenhaften Lebensgefährten des Fledermausmannes. Nachdem Finger vorgeschlagen hatte, Batman eine jüngere Identifikationsfigur an die Seite zu stellen, entwarf Robinson den Namen und das Kostüm nach dem Vorbild einer Buchillustration von N. C. Wyeth aus einer „Robin Hood“-Ausgabe, die 1917 in Philadelphia erschienen war. Robins grüne Hose passt ja eigentlich auch besser in den Sherwood Forest als in das steinerne Gotham City .

Robinson verließ das Batman-Team Anfang der Vierzigerjahre. Er zeichnete eigene Serien, machte sich einen Namen als Comic-Historiker und als Lobbyist für Autorenrechte. So organisierte er beispielsweise eine erfolgreiche Unterstützungskampagne für die Superman-Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster, die als halbe Kinder ihre Rechte an der Figur einst für 130 Dollar verkauft hatten und nun ihren gerechten Anteil an den Millionen, die damit verdient wurden, forderten.