Der wahre Playboy

Rolf Eden – Geld haben heißt Frauen haben

Mit seiner Dokumentation "The Big Eden" sucht Peter Dörfler den Egomanen Rolf Eden hinter den Masken eines Playboys, Entertainers und Frauenhelden.

Um die wichtigste Frage gleich vorweg zu beantworten: Es gibt kein Leben nach Eden. An den Tod kannst du gar nicht denken, sagt der dreimal geliftete alte Mann im weißen Bademantel, aus einer Plastepackung Kartoffelsalat gabelnd, eine ebenfalls badebemantelte Blondine namens Brischitt sitzt ihm gegenüber. Da ist man weg, sagt Rolf Eden, wie eine Fliege oder eine Kakerlake. Nach dem Tod gibt es nichts mehr. Deswegen muss man, sagt er, jede Sekunde schön leben.

Der letzte Überlebende West-Berlins

Schön leben, heißt Geld haben. Geld haben, heißt Frauen haben. Frauen haben, Liebe machen mit ihnen (was nicht mit lieben verwechselt werden darf), heißt existieren, heißt leben. So einfach ist das.

Der alte Mann im Bademantel, dem wir in Peter Dörflers Dokumentationsfilm „Big Eden“ gerade bei der extrem langwierigen Morgentoilette beiwohnen durften, ist so etwas wie der nach Harald Juhnkes Ende einzig überlebende Volkskörper des alten West-Berlins . Als Shimon Eden in Tempelhof geboren, in Palästina aufgewachsen, Held des israelischen Gründungskriegs an der Seite Jitzchak Rabins, als Rolf Eden in Westberlin weltberühmt geworden, inzwischen 81 Jahr alt, Jude und Deutscher. Der Mann, der das deutsche Nachkriegsnachtleben erfand und den Ku’damm und den deutschen Playboy.

Dass Oberfläche einen Unterleib haben kann, hat Rolf Eden hinlänglich bewiesen. Mit sieben Kindern, an unzähligen Frauen. Dass Oberfläche eine Vergangenheit, eine Ursache haben kann, das zeigt Peter Dörfler. Besser gesagt: Das lässt er Rolf Eden selbst erzählen. Gegen seinen Willen. Vermutlich.

Rolf Eden ist ein Exhibitionist, der genau weiß, kalkuliert, wie viel er herzeigt. Am besten nicht mehr als die Oberfläche. Rolf Eden liebt die Kamera, die Kamera liebt ihn. Er spielt mit ihr, er manipuliert, er bestimmt. Normalerweise.

Bilder, deswegen macht er das, sind wie das Liebemachen. Ein Edenbeweis, sie zeigen, dass es ihn gibt. Lang vor YouTube und Facebook hat Rolf Eden das Videotagebuch erfunden. Dörfler durfte sich für sein Egomanenporträt daraus bedienen. Und wendet, was er fand, gegen Eden. Immer wieder sieht man den jungen, den mittelalten Eden und seine Mädchen im Pool, auf Booten, in schicken Autos, am Meer, in Paris, Berlin, Israel. Er hält auf sich drauf. Er beweist sich, er bannt sich, seine Vergangenheit. Und hält sie sich so vom Leib.

Dörfler kreist Rolf Eden ein . Er geht die biografischen Etappen ab. Zeigt die Fotos, Eden auf dem Höhepunkt zwischen A-Prominenten dreier Jahrzehnte. Lässt aber nur Eden erzählen, seine Frauen, seine Kinder, seine Kameraden. Denen Eden hilft, solang sie ihm nichts von ihrem Verfall erzählen.

Etwas sehr Paradoxes ist dieser Rolf Eden: ein großzügiger Egomane, ein Huckleberry Finn in Damenbegleitung, ein lebenslang Pubertierender, Don Giovanni im Ku’damm-Format. Peinlich? Sicher. Rührend aber irgendwie auch.