Sofortbild-Kamera

Bloß nicht schütteln! Die Rückkehr der Polaroids

2008 stellte Polaroid die Produktion ihrer Sofortbild-Kameras ein. Jetzt erleben sie weltweit ein Revival. Die einzige Fabrik für Polaroid-Filme steht in Enschede.

Foto: dpa / dpa/DPA

Aus einem acht mal acht Zentimeter großen quadratischen Nebel taucht der graue Lockenkopf des freundlichen Herrn Bosman auf. Nach 30 Sekunden sind Lachgrübchen sichtbar. Nach fünf Minuten ist das Foto nicht mehr bläulich, sondern schwarzweiß – und so etwas Ähnliches wie scharf. "Wir wollen das noch in den Griff bekommen", sagt André Bosman, als er kurz sein Porträt betrachtet. Der 58-Jährige ist vom Fach. Er schüttelt das Bild nicht. "Schütteln ist niemals eine gute Idee. Aber die Leute tun das. Jeder tut das."

Das Sofortbild, das als Partyspaß und Kunstobjekt eine Renaissance erlebt, bedeutet für seine Hersteller viel Arbeit. Es besteht aus 17 Negativschichten und zehn Positivschichten. Als der Niederländer Bosman mit dem Österreicher Florian Kaps die letzte Polaroid-Fabrik 2008 vor dem Untergang retteten, waren alle Lieferanten abgesprungen. Dennoch kriegten die zwei die Kurve und exportieren mit großem Erfolg in die ganze westliche Welt. Denn Sofortbild-Shootings sind schwer im Trend.

Nächstes Jahr will das Impossible-Projekt drei Millionen Filme herstellen. "Wir haben auch eine neue Kamera geplant." Sie soll im September 2012 marktreif sein. "Wir wissen noch nicht, ob das eine gute Idee ist", sagt Bosman und grinst. Schon jetzt repariert das Unternehmen gebrauchte Geräte. Die alten Kameras im Regal sind ein Streifzug durch die Popkultur. Eine zeigt das Logo der Band "Spice Girls", eine andere hat den Kopf einer Comicfigur über der Linse.

An einer der grauen Fabrikfassaden sind noch die verblichenen Abdrücke der Polaroid-Leuchtschrift zu erkennen, die hier mal hing. Hier in Enschede – direkt an der deutsch-niederländischen Grenze – haben sie die Produktion gegen alle Widrigkeiten wieder zum Laufen bekommen.

"Impossible" heißt die Firma bezeichnenderweise. "Ehrlich gesagt hat es sich bei der Namensfindung nicht um eine Idee von uns gehandelt, sondern um eine schlichte Reaktion auf die 123 Meetings und Verhandlungen mit dem Polaroid-Management", meint Kaps. "Man wollte uns unaufhörlich davon überzeugen, dass es unmöglich sei, die analoge Sofortbildfotografie wieder aufleben zu lassen." Doch abbringen ließen sich Künstler Kaps und Polaroid-Techniker Bosman nicht. Mit zehn Leuten legten sie Anfang 2009 los, heute sind es 36.

Begehrt bei Kunststudenten

Egal ob für die Kunstausstellung, für die Retro-Geburtstagsfeier oder für das Aktbild, das kein Fotolaborant zu sehen bekommen soll: Fans in aller Welt lieben das Nischen-Produkt . Wie sehr, hatten Bosman und Kaps nicht ahnen können. "In New York stand in einer Galerie plötzlich ein Mann vor mir. Der hat sich bedankt und bedankt", sagt Bosman. "Er hat sogar geweint. Ein Mann!"

Auch der Düsseldorfer Fotohändler Jörg Dombrowski hat häufig Menschen im Laden stehen, die froh sind über das Revival. Bis das Impossible-Projekt neue Filme auf den Markt brachte, hatten Polaroid-Liebhaber im Internet nach Restbeständen jagen müssen. Die Klientel für Sofortbild-Technik sei sehr gemischt , sagt Dombrowski. "Die Kunden kaufen die Filme für ihre Hochzeit oder andere private Events. Aber hauptsächlich kaufen Kunststudenten."

Fragt man Kunden des Düsseldorfer Geschäfts, so führen sie vor allem das Einzigartige am Sofortbild an. "Ein Polaroid ist einfach einmalig und der Moment der Aufnahme unwiederbringlich", sagt etwa der Journalist Franz Wagner (69). Der Fotograf Ralf Schmidt (41) kauft dagegen "ausschließlich aus Blödsinn, aus Spaß an der Freude, aber auch aus nostalgischen Gründen". Für ihn haben Polaroids einen ganz speziellen Charme.