Gottschalks Abschied

Keine philosophische Spitzenleistung, aber ehrlich

Thommy in Hochform: In seiner letzten "Wetten, das..?"-Sendung war Thomas Gottschalk so, wie ihn die Zuschauer lieben. So fühlte sich Kindheit an.

Wir wollten doch noch einmal Abschied nehmen. Wir, die 14,73 Millionen Deutschen, die drei Stunden und drei Minuten vor dem Fernseher saßen und sich noch einmal alle zusammen den Thommy angeschaut haben.

Und dann war es im Prinzip auch so, wie es sein soll: wie immer. Zunächst mal war Gottschalks Buddy Günther Jauch da. Gottschalk machte Witze über Jauch, und sofort stellte sich das erste Wohlgefühl ein. Es war ein bisschen wie damals, als die beiden live am Nachmittag von der Internationalen Funkausstellung in Berlin moderierten. Der Meister und sein HiWi. Die Kombination ist sehr unterhaltsam. Und man fragte sich, warum haben die beiden nicht länger zusammen Fernsehen gemacht. Ein ungleiches, aber ideales Paar.

Außerdem taten sie wie echte Freunde, eine Freundschaft, die wir alle schon lange begleitet haben, seit den 80ern. So ein Zeitraum umspannt auch das eigene Leben. Damals, als man lieber hätte spielen gehen sollen, anstatt im Sommer am Nachmittag drinnen vor dem Fernseher den beiden zuzuschauen. Diese Rückerinnerung ist wie zuhause sein.

„Ich bin der letzte Clown"

Gleiches gilt auch für Gottschalk und „ Wetten, dass ..? “ insgesamt, der Typ ist ein Teil von uns geworden. Vielleicht, weil er Dinge sagte, die jeder verstehen konnte. Samstag sagte er, es sei ja nur Unterhaltung, Seifenblasen, die zerplatzen. „Wir sind ja wie Spuren im Sand, Wasser geht drüber, und dann kommen andere.“ Keine philosophische Spitzenleistung, aber ehrlich. So wirkte er immer.

Zuvor war es vor allem heiter: „Mach nicht auf Hausfrau, das wird ja eh nichts!“ in Richtung Michelle Hunziker. Oder ans Publikum: „Ich bin der letzte Clown, der unterwegs ist. Berlusconi ist weg, Gaddafi ist weg, und ich jetzt auch noch. Schaut, wie ihr klarkommt.“ Und schließlich, noch einmal zu Michelle: „Hier, mach mal die Flasche auf!“

Der Mut zur Mickey Mouse

Gemeint war die zweite Sektflasche, nachdem Michelle Stücke der schon warm gewordenen Marzipantorte immer wieder fallen ließ. Gerade diese Mischung aus Frechheit, Provokation und natürlicher Freundlichkeit fehlte ihm zuletzt immer häufiger. Doch bei seiner letzten Sendung war sie wieder da, diese Art, die ihn berühmt gemacht hat, als die meisten Moderatoren noch graue Anzüge trugen und er mit Micky-Mouse-T-Shirt und in Jeans die Arena betrat.

Und als Thomas Gottschalk am Samstag alles gesagt hatte, unvorbereitet, der Moment feierlich war, der Applaus überbordend, alle Scheinwerfer auf ihn und den Ausgang gerichtet waren, da kam noch einmal einer auf ihn zugelaufen, aus dem Dunkel der Restbühne, und knutschte ihn noch einmal ab, drückte ihn zum Abschied. Es war Günther Jauch, sein alter Freund.

Dann Abgang, heroisch, er kehrt uns den Rücken zu, dreht sich noch einmal um, winkt, adieu, dann weiter, nach rechts abgebogen. Wir sehen ihn nicht mehr. Aus, Ende, Sendung vorbei. 24 Jahre um. Also, kein Schmerz, kein nichts, aber schön war’s trotzdem. Einfach gute Unterhaltung.

Lesen Sie hier das Minutenprotokoll zur letzten "Wetten dass..?"-Sendung nach