„Wetten, dass..?"

Gottschalk verabschiedet sich mit Traumquote

Mit seiner letzten „Wetten,dass ...?"-Sendung hat Thomas Gottschalk dem ZDF eine Spitzenquote beschert: 14,73 Millionen Menschen sahen die Show, also jeder zweite Fernsehzuschauer. Gottschalk heizte die Spekulationen um seine Nachfolge an, offenbarte aber auch Schwächen der Show.

23.13 Uhr, die Wettkönige sind gekürt, das letzte Loblied auf Thomas Gottschalk ist gesungen, da geht der „Wetten, dass..?“-Moderator zu seinem Publikum. Per Handschlag verabschiedet er sich auf der Tribüne der Rothaus Halle in Friedrichshafen persönlich von einigen seiner Zuschauer. Zuerst an die Fans denken – so tritt ein Großer ab. „Ich hab's für Sie gemacht“, sagt Gottschalk zu seinen 23 Jahren „Wetten, dass..?“. Und: „Es war eine tolle Zeit.“ Mit 14,73 Millionen Zuschauern beschert er der Sendung zum Abschied noch einmal eine Traumquote. Der Marktanteil betrug 46,0 Prozent – also fast jeder zweite Zuschauer sah am Abend „Wetten, dass..?“. Damit hängte Gottschalk auch seinen ärgsten Samstagabend-Widersacher Dieter Bohlen und dessen RTL-„Supertalent“ weit ab, er brachte es lediglich auf 4,85 Millionen Zuschauer (15,0 Prozent).

Auf der Zuschauertribüne verfolgten viele Fans mit Tränen in den Augen die letzte Sendung. Gottschalk, der ab dem nächsten Jahr für die ARD arbeitet, vergoß allerdings keine Träne. Der im Schottenkaro gewandete 61-Jährige bemühte sich um Heiterkeit. Seine Ausnahmestellung als Unterhalter zeigte Gottschalk schon vor Beginn der eigentlichen Show. Erstmals zeigte das ZDF, wie er das Publikum in der Halle vorher in Stimmung bringt.

Gottschalk bewies dabei nachdrücklich, wie frech und doch noch charmant er mit den Menschen umgeht. Einem feinen Herren mit längeren, glatten Haaren riet er, „Sie sollten es auch mal mit 'nem Lockenstab versuchen.“ Und dem vorne sitzenden ZDF-Intendanten Markus Schächter beschied er: „Ich zeig' euch noch mal, wie es geht und dann seid ihr weiter auf der Suche.“

Günther Jauch gefragt

Der Abschied von Gottschalk und die Suche nach einem Nachfolger waren der rote Faden der Show. Zur Nachfolge fragte Gottschalk seinen unter den Gästen weilenden Freund Günther Jauch, ob er nicht übernehmen wolle. Jauch wollte seine Antwort am Sonntagabend in seinem RTL-Jahresrückblick geben. Doch im Vorfeld hatte er längst energisch abgewunken und trotz des Applauses im Saal sagte Gottschalk, dass die Nachfolgesuche wohl Montag weitergehen werde. Die Nachfolge ist also offen, der Abschied Gottschalks angeblich endgültig.

Das ZDF versuchte dies Samstagabend ohne zu viel Pathos zu würdigen. Am kurzweiligsten war noch der Rückblick mit den Top 10 der beliebtesten Wetten. Auf Rang zwei landete ein blinder Junge, der 2004 als damals Siebenjähriger Telefonnummern am Geräusch des Tippens erkannte. Auf Rang 1 die Brustmuskelzucker: Ein Mann riet, welche Melodie seine zwei Freunde mit dem Zucken ihrer Männerbrüste nachspielten.

Renovierungsbedarf offensichtlich

Die Wetten des Samstagabend hatten dagegen nicht das Zeug, um in irgendwelche Rückblicke zu geraten. Originell waren die Kommentare von Maurer Ulrich Rabe-Heise, der am Klang des Spülens Toiletten erkannte. Eine „ganz zarte Nachwelle“ hörte der etwa. Die Wette gelang, so wie auch alle anderen Wetten des Abends. Wettkönige wurden Turner aus dem Münsterland, die sich selbst mit einem Salto auf einem kleinen Tisch aufstapelten.

Ohne ihren Abschiedsschmerz hätten viele Zuschauer wohl frühzeitig weggeschaltet – die letzte Gottschalk-Sendung war der Beweis, dass nur eine Grundrenovierung „Wetten, dass..“ -Zukunft gibt.

Karl Lagerfeld etwa machte sich auf der Promi-Couch erst gar nicht die Mühe, Interesse zu heucheln. Der Modezar parlierte angeregt mit US-Filmstar Jessica Biel, als Gottschalk ihn eigentlich als Wettpaten benötigt hätte. Und Til Schweiger schrieb SMS.

Gottschalk ließ sich davon die Partylaune nicht verderben und servierte seinen Gästen eine zweite Flasche Sekt. Und er zeigte, dass eine seiner größten Stärken ist, sich nicht so wichtig zu nehmen. „Wunderschöne Seifenblasen“ seien das gewesen, was er bei „Wetten, dass..?“ gezeigt habe, sagte er zum Abschied. Aber für ihn gelte wie für alle Unterhalter: „Wir sind wie Spuren im Sand. Das Wasser geht drüber, und dann gibt es andere.“ Dass Gottschalk sich da mal nicht täuscht: Sein Nachfolger, wer auch immer es wird, dürfte noch lange von den Spuren des Showkönigs begleitet werden.