Thriller

Migranten sind am Mississippi nicht erwünscht

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Sascha Westphal

"Straw Dogs – Wer Gewalt sät" ist ein Sam-Peckinpah-Remake von 1971. Darin zieht ein Hollywood-Paar in ein Kaff, ist dort aber keineswegs willkommen.

David und Amy Sumner gehören einfach nicht nach Blackwater. Sie ist zwar in dieser Kleinstadt in der tiefsten Provinz von Mississippi aufgewachsen, doch in dem Moment, in dem sie nach Hollywood gegangen ist, um dort ihr Glück zu finden, hat sie ihre dortigen Wurzeln ausgerissen.

Trotzdem kehrt sie, der Star einer mittlerweile eingestellten Fernsehserie, mit ihrem Mann, einem erfolgreichen Drehbuchautoren, zu Beginn von Rod Luries „Straw Dogs – Wer Gewalt sät“ in den Süden zurück. David (James Marsden) hofft, im Haus von Amys Vater die Ruhe zu finden, die er für sein Drehbuch über die Schlacht von Stalingrad braucht. Was sich Amy (Kate Bosworth) von dieser Heimkehr eigentlich verspricht, weiß sie selbst nicht so genau.

Das Paar ist nicht willkommen

Aber bald müssen sie erkennen, dass sie in Blackwater nur auf Misstrauen und Gewalt, alte Vorurteile und neue Kränkungen stoßen. Es war ein Fehler, dort hinzuziehen, einer von denen, die alles verändern und zerstören.

1971 hat Sam Peckinpah diese Geschichte eines Ehepaars, das in ein Provinzkaff zieht und einen Strudel der Gewalt auslöst, schon einmal erzählt. Seine pessimistische Sicht auf den Menschen hat Peckinpah mit einer Härte ausgebreitet, die bis heute nichts von ihrer provokanten Wirkung verloren hat. Die Vermutung liegt nahe, dass sie auch Rod Lurie provoziert hat.

Zumindest lässt sich sein Remake als eine Antwort auf Peckinpahs Film verstehen, mit der er dessen Sicht vehement widerspricht. Von der unabänderbaren Natur des Menschen will er nichts wissen. Was Amy und David passiert, nachdem sie mit Amys von Alexander Skarsgård gespielten Schulfreund Charlie Venner das erste Mal zusammengetroffen sind, ist der wahr gewordene Albtraum eines jeden amerikanischen Großstädters.

Der Film kommt zur rechten Zeit

Aber Lurie geht es um mehr als das Klischee von den Vereinigten Staaten, in denen sich die Ost- und die Westküste und der Süden wie der mittlere Westen unversöhnlich gegenüberstehen. Die Konflikte, die zwischen dem wohlhabenden Hollywood-Paar und dem an den Rand gedrängten Ex-Football-Spieler Charlie aufbrechen, rühren an den Grund dieses Klischees.

Die Gewalt, mit der Charlie und seine Clique auf die Zugereisten wie auf die Außenseiter in ihrer Stadt reagieren, ist Ausdruck eines Gefühls von Machtlosigkeit. Sie müssen Amy und David auf ihre Ebene herunterziehen, nur so können sie sich behaupten.

Dieser Impuls offenbart sich in jeder aggressiven Bewegung, in jedem Blick Alexander Skarsgårds. Lurie rückt ihn ins Zentrum und gibt seinem Remake eine tragische Dimension. Er mag damit die Geschichte verwässern und in gewisser Hinsicht hinter Peckinpahs Film zurückbleiben. Seine Version von „Straw Dogs“ wird wohl kaum vier Jahrzehnte überdauern. Aber im Moment kommt sie ohne Frage zur rechten Zeit.