RTL-Show abgesetzt

Die "Super Nanny" geht – und das ist schade

Katharina Saalfrank zeigte in ihrer Sendung, wie es bei deutschen Familien aussehen kann. Es wird nicht besser, nur weil keiner mehr zuschaut.

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Schade! Nach 145 Folgen auf RTL verlässt uns die sogenannte „Super Nanny“ . Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank verliert ihren TV-Job. Und wir verlieren Einblicke in soziale Milieus und Wohnungen, die uns im normalen Leben verschlossen bleiben.

Oft wurde die Sendung heftig kritisiert. Auch der Kinderschutzbund forderte den Sender zuletzt Anfang Oktober dazu auf, die Sendung aus dem Programm zu nehmen . Von einer „Verletzung der Menschenwürde“ war die Rede.

Eine „inszenierte Realität“ kommt nicht infrage

Keine Frage, Erziehungsexpertin Saalfrank bewegte sich mit ihrer Sendung in einem Grenzbereich. Wie seriös kann und will ein Familiencoaching eigentlich sein, wenn jede Bewegung, jede Träne, jeder Gefühlsausbruch der beteiligten Familien von einem Kamerateam eingefangen wird – und später durch Schnitt und Vertonung in der Nachbearbeitung dramatisiert und zu einem konsumierbaren Fernsehprodukt verarbeitet wird?

Katharina Saalfrank selbst hat ihre erzieherische Arbeit immerhin so ernst genommen, dass sie jetzt die Sendung beendet, weil ihr Sender „extrem und teilweise sogar gegen pädagogische Interessen“ in ihre Arbeit als Fachkraft eingegriffen habe. Eine „inszenierte Realität“ komme für sie nicht infrage.

Das Leben wird nicht besser

Die „Super Nanny“ hat dem aufmerksamen Zuschauer, der die fernsehgerechten Dramatisierungen und Inszenierungen abstrahieren kann, gezeigt, wie es hinter den Türen von deutschen Familien aussehen kann. So wird in Deutschland eben auch gewohnt, gelebt und gestritten. Es wurden uns Zimmer geöffnet, die verschlossen sind. Es wurden Einblicke geboten, die wir sonst nicht bekommen. Und das war ziemlich interessant.

Es kann ja sein, dass vielen Menschen die TV-Besuche bei Problemfamilien nicht gefallen haben. Ja, man kann diskutieren, ob man Kinder, Väter und Mütter so im Fernsehen vorführen darf. Fest steht: Die Pforten sind geschlossen, die Kameras bleiben ausgeschaltet. Aber das Leben in all den schwierigen Verhältnissen wird nicht besser, nur weil niemand mehr zuschaut.