Pakistan

"Jesus" darf jetzt wieder in die SMS

Unlängst wurde "Jesus" zusammen mit "Idiot" oder "Fußpilz" auf den pakistanischen SMS-Index gesetzt. Jetzt kassierten die Behörden die antichristliche Schikane.

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Jesus darf wieder gesimst werden. In Pakistan ist es nun erneut erlaubt, den Namen des Heilands in SMS-Botschaften zu nennen. Das hatte die Telekommunikationsbehörde vor einigen Tagen verboten. „Jesus Christus“ stand auf einer schwarzen Liste von 1700 Begriffen, auf der sich aber auch „Idiot“ und „Fußpilz“ fanden. Die Mobilfunkanbieter des muslimischen Landes waren angewiesen worden, SMS mit derart „anstößigen“ Texten „im Interesse des Ruhmes des Islam“ nicht mehr zu übermitteln.

Nun erschließt sich Menschen, die keine pakistanischen Beamten sind, vielleicht nicht gleich, was Fußpilz mit dem Islam zu tun hat. Aber die Ziele, die die Telekommunikationsbehörde mit ihrem „Jesus Christus“-Verbot verfolgte, sind eindeutig: Man wollte die christliche Minderheit des Landes weiter drangsalieren und erst jeden Versuch der Mission (die ja heutzutage auch per SMS vonstattengehen kann) eindämmen.

Es gibt auch Kirchen in Islamabad

Erst nach einer Intervention des Ministers für religiöse Minderheiten, Akram Gill, bei der Behörde und bei seinen Kabinettskollegen wurde das Verbot aufgehoben. Gill ist selbst Christ – wie 2,4 Millionen weitere Pakistaner, 1,5 Prozent der Bevölkerung. Manch einen, der Pakistan für eine islamische Monokultur hält, mag überraschen, dass es in Karatschi, Faisalabad und Haiderabad Kathedralen im englischen Stil gibt und auch in der Hauptstadt Islamabad Kirchen existiern.

Offen bleibt indes, ob es für die Christen des Landes überhaupt ratsam ist, in SMS oder gar in frei einsehbaren Twitter-Statusmeldungen das Wort „Jesus“ zu verwenden. Denn in den vergangenen Jahren sind sie zunehmend Opfer von Gewalttaten und gesetzlicher Willkür geworden. Die Schleusen des Hasses haben sich vor allem nach dem Tode von Benazir Bhutto weit geöffnet. Der Vorgänger von Minister Gill, Shabazz Batti, ist im März von einer Taliban-Gruppe ermordet worden, weil er sich dafür eingesetzt hatte, das berüchtigte Blasphemiegesetz des Landes zu entschärfen.

Todesurteil gegen christliche Arbeiterin

Dieses dient allzu oft als Vorwand zur Verfolgung von Christen. Weltweit Schlagzeilen machte im November 2010 das Todesurteil gegen die Farmarbeiterin Asia Bibi. Die Richter wollten sie wegen angeblicher Lästerung Mohammeds an den Galgen bringen: Sie hatte gewagt, gegenüber muslimischen Kolleginnen zu behaupten, der Prophet habe, im Gegensatz zu Jesus, nichts für die Menschen bewirkt. Zwar ist das Urteil gegen Asia Bibi immer noch nicht vollstreckt , doch die Botschaft an die pakistanischen Christen ist angekommen. Dafür brauchte es keine SMS.