Nachruf

Heinz Bennent war ein Zweifler auf der Durchreise

Schauspieler Heinz Bennent starb 90-jährig im Kreise seiner Familie in Lausanne. Er wurde in der "Blechtrommel"-Verfilmung als Nazi-Vater berühmt. Er spielte aber auch den Don Carlos.

Schon sein Gesicht verriet es, die bitteren Züge von subtilem Unglück und einer Spur von Jammer, Zweifel in den Augen und um die Mundwinkel. Ebenso seine Stimme, verhalten, müde, im unteren Bereich leicht ausgefranst, die in ihrer Distanziertheit unendlich ausdrucksvoll verbergend preisgab, welches Leid sich hinter dem Gesicht verbarg. Heinz Bennent, ein Schauspieler, ein wahrhaftiger Schauspieler, ein Unvergesslicher, dessen Leben Nährboden für seine Kunst war.

Das „einfache Leben“ hatte er gesucht, die ewige Fiktion des Kulturpessimisten. Ach was, diese Heizkörper und Wasserklosetts, sagte er einmal, das sei doch alles „zu viel“, das brauche er nicht. Aus den Koffern leben, auf der Durchreise sein sei die Bestimmung des Schauspielers. Abends ankommen und nicht wissen, wo man schlafen würde.

Bennent wollte Friseur werden

Er war ein Durchreisender, ein Leidender, ein Zweifelnder, dem niemals der Ruhm widerfuhr, den er eigentlich aufgrund seiner Qualität, der essenziellen Tiefe seiner Persönlichkeit verdient hätte. Heinrich August Bennent, geboren 1921 in Stolberg bei Aachen. Sohn eines Buchhalters. Streng religiös erzogen, alles, was Körper war, war Feind, alles Sinnliche bestrafenswert.

Friseur sollte er werden, dann eine Schlosserlehre besuchen. Aber stärker war der Eindruck, den sein erstes Theatererlebnis in ihm hinterließ: „Peterchens Mondfahrt“, das er bei der Hochzeit seiner Schwester sah.

Er diente bei der Luftwaffe

Aus der HJ wurde er wegen mangelnden Gehorsams ausgeschlossen, als Soldat diente er bei der Luftwaffe. Den Nazis verzieh er nie. Mit sechzehn, dauerverliebt, macht Bennent die Eignungsprüfung zum Schauspieler. Sein Idol Karl Meixner, den er in einer Inszenierung in Berlin sieht, sollte sein Lehrer werden.

Aber die Zeiten waren nicht so. Sie waren von Hunger und Not geprägt und Meixner sagte: Im Grunde seid ihr doch alle schon Schauspieler, lasst uns über die Dörfer ziehen und spielen. Sie taten es. Und so, sagte Bennent, wurde ich Schauspieler.

Bennent spielte an der Seite von Catherine Deneuve

Er war erfolgreich. Man kennt ihn aus dem Theater, aus vielen Fernseh- und Kinofilmen. Sein Debüt als Don Carlos brachte ihm viel Lob, er spielte unter anderem in Karlsruhe und Berlin, in Bochum, Basel, Bonn, Köln, in München und Lausanne. Er arbeitete mit berühmten Regisseuren wie Peter Zadek , Dieter Dorn, Ingmar Bergman, machte sich unvergesslich als alternder Schauspieler in Botho Strauß? „Besucher“ und als von den Nazis verfolgter Theaterdirektor in Francois Truffauts Film „Die letzte Metro“ an der Seite von Catherine Deneuve .

Ringend mit seinen Rollen – viele Blessuren, viel Unzufriedenheit mit sich selbst –, ringend mit seinem Leben („Mir gelingt es nicht einmal, aus mir einen Menschen zu machen, der für meine Familie halbwegs erträglich ist") legte er en passant den Grundstein für eine Schauspielerdynastie.

„Es ist alles eine Frage der Sehnsucht“

Seine Tochter Anne spielte schon in jungen Jahren mehrere Hauptrollen, galt als die begabteste Nachwuchsschauspielerin ihrer Generation. Sein Sohn David , durch eine Hormonstörung im Wachsen gehemmt, schlug als Kind mit der glänzenden Interpretation Oskarchen Matzeraths in der „Blechtrommel“ als Naturtalent ein.

„Es ist alles eine Frage der Sehnsucht“, sagte Bennent einmal, „die man nicht verlieren darf. Sonst kann man nicht arbeiten am Theater.“

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