"Kein Mittel gegen Liebe"

Kate Hudson flirtet sich durch Darmkrebs-Schnulze

Im Drama "Kein Mittel gegen Liebe" spielt Kate Hudson eine todkranke, aber schwer verliebte Mitdreißigerin, die bei Gott drei Wünsche frei hat.

Marley (Kate Hudson) ist wohl das, was Frauenzeitschriften als moderne Frau propagieren: smart, sexy, patent und erfolgreich. Die Mittdreißigerin hat alles im Griff: ihren gut dotierten Job in einer Werbeagentur ebenso wie ihr Singledasein mit Hund und wechselnden Bettpartnern, die sie nach dem Vollzug gerne vor die Tür setzt – Unabhängigkeit hat Vorrang.

An die große Liebe glaubt sie nicht, und das Leben nimmt sie mit ironischer Distanz. Statt mit Familienplanung verbringt sie ihre Freizeit lieber mit ihrer Freundesclique. Kein Wunder, sind doch ihre Eltern als dauerstreitendes Ehepaar ein abschreckendes Beispiel.

Und dann trifft Marley plötzlich einen gut aussehenden Arzt, Dr. Julian Goldstein (Gael García Bernal), der mit seinen jüdisch-mexikanischen Wurzeln und dem lustigen Akzent nicht nur einen Exotenbonus hat, sondern auch ein bisschen tollpatschig und vor allem Single ist. Er habe eine Beziehung mit dem Krankenhaus und keine Zeit für Privatleben, sagt er. Marley dagegen braucht keine Beziehung, um ein Privatleben zu haben.

Ihre erste Begegnung ist ausgerechnet eine Endoskopie und man kann sich ein romantischeres Date vorstellen, aber Marley kichert und flirtet sich durch die Untersuchung wie ein Teenager. Unter Narkose trifft sie auf einer Wolke Gott (in Gestalt von Whoopi Goldberg), die ihre drei letzten Wünsche erfüllen will. Ihr fällt nur keiner ein, weil sie nicht weiß, was sie will oder es nur nicht zugeben will. Denn nach der Diagnose – Darmkrebs im Endstadium – erkennt sie, was wirklich zählt und dass sie mehr Angst davor hat, abgewiesen zu werden als zu sterben.

Kathy Bates ist fehl am Platze

Durch die Liebe wird aus der Powerfrau am Ende schließlich eine „wirkliche“ Frau. Amen. Todkrank sein war selten so trivial und sah dabei so gut aus wie in dieser Darmkrebs-Schnulze. Bis zur letzten Minuten sitzen Kate Hudsons Haare perfekt, die Pausbäckchen strahlen rosig und die Lebensversicherung wird mit den Freundinnen bei Prada & Co. verballert, dass es eine Freude ist.

Körperliches Siechtum? Fehlanzeige. Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod? Nur so lange es sich gut anfühlt und der Erbauung des Publikums dient. Über all dem Kitsch schwebt Whoopie Goldberg etwas ratlos auf ihrer Wolke und auch Oscarpreisträgerin Kathy Bates scheint nicht genau zu wissen, wie sie in diesen Film geraten ist, und flennt sich als Marleys überforderte Mutter von Szene zu Szene.

Das völlige Fehlen von Sensibilität ist umso erstaunlicher, als Regisseurin Nicole Kassell mit dem Pädophilenporträt „The Woodsman“ ebendiese bewiesen hat. Ihr zweiter Film hat es in den USA erst gar nicht ins Kino geschafft. Möge sich auch hierzulande der gnädige Schleier des Vergessens über dieses Banaldrama legen.