Absetzung gefordert

"Super Nanny" hat Stress mit Kinderschützern

Eine Mutter schlägt ihre Kinder und ein "Super Nanny"-Team filmt mit: Für den Kinderschutzbund ist so ein Verhalten strafrechtlich relevant. RTL sieht das anders.

Der Deutsche Kinderschutzbund hat den Privatsender RTL aufgefordert, die "Super Nanny" aus dem Programm zu nehmen. In einem Offenen Brief kritisierte der Verband die Folge der "Super Nanny" vom 14. September scharf.

Kinder seien dort vor laufender Kamera gewalttätigen Übergriffen ihrer Mutter ausgesetzt gewesen, hieß es in dem Schreiben . Das Filmteam habe nicht in das Geschehen eingegriffen.

Als "Super Nanny" fährt die vierfache Mutter und Diplom-Pädagogin Saalfrank zu Familien, die sie um Hilfe bei Erziehungsproblemen gebeten haben. In der kritisierten Folge vom 14. September hatte sie eine 25 Jahre alte Hausfrau und Mutter von drei Kindern in Schleswig-Holstein besucht. In der Sendung war zu sehen, wie die Mutter ihre Kinder mehrfach trat und schlug.

Extreme Misshandlungen, belastende Atmosphäre

Der Kinderschutzbund schrieb, dass es in der betreffenden Sendung zu einer "deutlichen Verletzung des Kindeswohls und der Würde des Kindes" gekommen sei. Das Filmteam hätte den "massiven und länger andauernden Übergriff der Mutter" nicht beendet und stattdessen weitergefilmt. Ihr Verhalten sei "strafrechtlich relevant" gewesen.

RTL widersprach den Vorwürfen: "Die Behauptungen des Kinderschutzbundes, Diplom-Pädagogin Katia Saalfrank habe nicht eingegriffen, als die Kinder gewalttätigen Übergriffen der Mutter ausgesetzt waren, sind schlichtweg falsch", teilte der Sender in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Saalfrank sei direkt eingeschritten, um Schläge und weitere Demütigungen zu verhindern. Außerdem sei erst durch die "Super Nanny" das Jugendamt in dem Fall aktiv geworden. "Wäre die Sendung nicht ausgestrahlt worden, hätte das Jugendamt hier nicht gehandelt", sagte Saalfrank. Gleichwohl seien die psychischen und physischen Misshandlungen, die in der Sendung gezeigt wurden, extrem und die Atmosphäre sehr belastend, räumte der Sender ein.

Nach Ansicht von RTL diene gerade das Aufdecken und Thematisieren der Gewalt dem Wohl der Kinder: "Täglich erfahren viele Kinder hinter geschlossenen Türen diese oder ähnliche Misshandlungen – das darf nicht verschwiegen und weiter tabuisiert werden. Es kann sich nichts verändern, wenn wir nicht hinschauen", teilt RTL mit.

"Super Nanny"-Folgen werden vorab geprüft

Normalerweise werden die Familien von einem Psychologen nachbetreut, sagte eine RTL-Sprecherin zu Morgenpost Online. Die Psychologen nähmen auch Kontakt zu den Schulen auf, um sie auf die Ausstrahlung der Sendung vorzubereiten. Derzeit habe man aber keinen Kontakt zu der betroffenen Familie. "Soweit wir wissen, sind die Kinder bei einer Freundin der Mutter untergebracht und die Mutter befindet sich in stationärer Therapie“, sagte die Sprecherin.

RTL wurde schon mehrmals wegen des "Super Nanny"-Formats kritisiert. Im vergangenen Jahr musste der Sender wegen einer Folge im Mai ein Bußgeld in Höhe von 30.000 Euro zahlen. Auch da lautete die Begründung: "Verletzung der Menschenwürde".

Seitdem lege RTL alle "Super Nanny“-Folgen der FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen) vor, sagte die RTL-Sprecherin. Zudem strebe der Sender ein Gutachten an, um einheitliche und verbindliche Maßstäbe zu entwickeln und festzulegen, auf welcher Grundlage Verletzungen der Menschenwürde festgestellt werden können.

"Die Super Nanny" gibt es seit 2004 im deutschen Fernsehen. Ende August war eine neue Staffel der Coaching-Sendung gestartet. Derzeit sei kein Ende der "Super Nanny" geplant, sagte die RTL-Sprecherin.