City And Colour

Szenestatus adé – reif für die Charts

Dallas Green war bis vor kurzem noch der Sänger der Hardcore-Band Alexisonfire. Sein Soloprojekt, City And Colour, lief nebenher – bis es plötzlich erfolgreicher war als seine Hauptband.

Man sieht Dallas Green die Hardcore-Vergangenheit an: Hände, Arme, Brust und Nacken sind stilvoll tätowiert, mit Herzen, Ankern, Songzeilen. Bis vor kurzem war er Sänger der kanadischen Hardcore-Band Alexisonfire, die über die zehn Jahre ihres Bestehens zu Lieblingen der Szene wurden.

Von Anfang an schrieb Green allerdings auch ruhigere Songs, die eher in der amerikanischen Songwriter-Tradition verwurzelt waren und nicht so recht zu Alexisonfire passen wollten. Er stellte sie umsonst ins Netz, drehte kleine Youtube-Filmchen – und musste erstaunt feststellen, wie die Klickzahlen mit der Zeit die Verkaufszahlen seiner Hauptband überstiegen. 2005 veröffentlichte er dann unter dem Namen City And Colour eine erste Songkollektion namens "Sometimes". Drei Jahre später folgte "Bring Me Your Love" – und nun, im Sommer diesen Jahres, "Little Hell".

Mit diesem Album lässt er nun langsam aber sicher den Szenestatus hinter sich. City And Colour ist ein Charterfolg. Platz 1 der Albencharts in seiner kanadischen Heimat, Platz 2 in Australien, Platz 28 in den US-Charts, Coverstorybeim deutschen Musikmagazin Visions.

Schon in den Jahren zuvor musste Greenfeststellen: "Es fühlte sich an, als hätte man zwei Fulltime-Jobs. Entweder war ich mit Alexisonfire auf Tour oder im Studio, oder ich war mit City And Colour auf Tour oder im Studio." Also musste eine harte Entscheidung her: Im August 2011 gaben Alexisonfire ihre Auflösung bekannt. "Es lag natürlich nicht allein am großen Erfolg von City And Colour – aber es half, diese Entscheidung durchzuziehen. Wir hatten als Band mit Alexisonfire zehn tolle Jahre. So wie es lief, konnte es eben nicht weitergehen."

Ob ihm seine alten Fans das nachtragen? "Ich weiß nicht. Einige sind sauer. Und ich versteh es ja auch. Andererseits glaube ich ebenso, dass viele dieser Leute jetzt bei uns im Publikum stehen." So muss es wohl sein, denn seine Tour, die Dallas Green Anfang Oktober absolvierte war lange vor den Konzerten ausverkauft – und das, obwohl man schon in größere Locations umgezogen war.