Google Doodle

Der SciFi-Autor, der Philosoph sein wollte

Stanislaw Lem wurde mit mit seinen Science-Fiction-Romanen weltberühmt. Geradezu visionär beschrieb er zukünftige technische Entwicklungen in seinen Büchern. Dabei wollte er sich als Philosoph verstanden wissen. Google widmet dem Polen am heutigen Mittwoch ein Doodle.

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Seine Science-Fiction-Romane machten ihn weltberühmt, doch wollte Stanislaw Lem niemals nur als SciFi-Autor verkannt werden. Verlagen, die ihn in die „Science-fiction etikettierten Schublade“ sperrten, attestierte er kommerzielle und merkantile Gründe. Selbst sah er sich jedoch als „hausbackenen“ Philosophen, „der die künftigen technischen Werke der menschlichen Zivilisation vorauszuerkennen versuchte“. Google widmet dem 2006 verstorbenen Polen am heutigen Mittwoch ein animiertes Google Doodle zu Ehren seines ersten Romans Astronauci („Die Astronauten“), der vor 60 Jahren erschien.

Sein Erstling handelt von einem Riesenmeteor, der im Jahr 1908 in Sibirien niedergeht und weitere Teile der Taiga vernichtet. Mehrere Expeditionen werden ausgesandt, um nach seinen Überresten zu forschen – ohne Erfolg. Erst hundert Jahre später entdecken Bauerarbeiter Überreste des vermeintlichen „Meteors“, der sich als Weltraumrakete erweist, die zu Erkundungszwecken von der Venus kam, aber verunglückte. Je mehr Details über das Unglück bekannt werden, desto offensichtlicher wird die Bedrohung für die Erde und ihre Bewohner.

Durch „Die Astronauten“ und die folgenden utopischen Bücher erwarb sich Lem den Ruf, einer der größten Schriftsteller in der Geschichte der SciFi-Literatur zu sein. Sein Werk zeichnet sich durch scheinbar unermesslichen Ideenreichtum aus, seine Schilderungen gelten heute als visionär, deutete er in seinen Büchern technische Entwicklungen an, die erst Jahrzehnte später Realität werden sollten. Seine Kurzgeschichten, Romane und Essays wurden in 57 Sprachen übersetzt und erschienen in einer Auflage von mehr 45 Millionen Exemplaren.

Lems Interesse für die Wissenschaft brach sich bereits früh Bahn. Geboren 1921 im polnischen Lemberg soll er bereits als Kind einen Intelligenzquotienten von 180 besessen haben. 1940 bis 1941 studierte er Medizin, unterbrochen durch den Krieg konnte er sein Studium erst 1946 an der Jagiellonen-Universität in Krakau fortsetzen. Lem erhielt das Zertifikat dafür,sein Studium vollständig abgeschlossen zu haben. Allerdings weigerte er sich in seinem letzten Examen, Antworten im Sinne einer bestimmen Wissenschaftstheorie, des Lyssenkoismus, zu geben, weil er diesen schlichtweg ablehnte. Die Prüfer ließen ihn durchfallen, was ihm ein Dasein als Militärarzt ersparte. Stattdessen widmete er sich der Forschung und dem Schreiben.

In vielen seiner Bücher pries Lem künftige Entwicklungen wie die Gentechnik oder Robotertechnologien. Mit den Jahren jedoch wurde er vom Verfechter zum entschiedenen Kritiker derartiger Erfindungen. Am Ende seines Lebens sah Lem schließlich den Menschen als höchste Stufe der Entwicklung. Stanislaw Lem zählt heute zu den erfolgreichsten und meist übersetzten Autoren Polens. Viele seiner Werke wurden verfilmt.