Cervantes

Trank der Autor des "Don Quijote" sich zu Tode?

Das Grab des spanischen Dichters Miguel de Cervantes ist seit 300 Jahren verschollen. Forscher wollen es nun modernsten forensischen Methoden finden.

Irgendwo in einem Madrider Nonnenkloster sollen sie liegen – die sterblichen Überreste von „Don Quijote“-Autor Miguel de Cervantes Saavedra. Seit dem 17. Jahrhundert ist das Grab des Schriftstellers verschollen. Mit Hilfe von Bodenradar, Forensik und DNA-Analyse wollen spanische Forscher nun Licht ins Dunkel bringen. Moderne Technologien böten eine gute Chance, Cervantes’ Gebeine endlich zu finden und zu identifizieren, meint der Projektleiter Fernando Prado – und das wäre ein großer Schritt für die Welt der Literatur.

Schon 2012, so hofft er, könnte Gewissheit herrschen. Denn Cervantes’ Knochen könnten wichtige Informationen über den Vater des modernen Romans und sein Leben liefern – wie er aussah, seine Essgewohnheiten in der Kindheit, und auch woran er starb. Derzeit existiert kein eindeutig identifizierbares Bildnis des Romanschreibers, Dichters und Theaterautors.

Im Konvent der barfüßigen Trinitarierinnen

Die Erzählung „Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha“ beschreibt die Abenteuer des idealistischen Ritters und seines Knappen Sancho Pansa. Das Werk gilt als der erste moderne Roman und eine der bedeutendsten Erzählungen der Weltliteratur. Spanisch wird oft als die „Sprache von Cervantes“ bezeichnet, so groß war der Einfluss des Autors.

Doch niemand kennt seine letzte Ruhestätte. Sie zu finden, würde „ein historisches Versäumnis richtigstellen“, meint Dario Villanueva, ein Mitglied der Königlichen Akademie Spaniens. Cervantes starb im Jahr 1616 im Alter von 69 Jahren und wurde am 23. April in einem Sarg unter dem Kirchenfußboden im Konvent der barfüßigen Trinitarierinnen beigesetzt, erzählt Prado. Der Orden hatte im Jahr 1580 geholfen, Lösegeld für Cervantes zu bezahlen, der in Algier in Kriegsgefangenschaft geraten war.

Es gibt lebende Nachkommen

Das Wissen über die Lage seines Grabs ging verloren, als im 17. Jahrhundert mehrmals Bauarbeiten im Kloster durchgeführt wurden. Für einige Zeit zogen die Nonnen sogar aus. Im Gegensatz zu einer bislang weit verbreiteten Ansicht, glaubt Prado nach dem Studium alter Dokumente nicht, dass Cervantes’ Leichnam zu diesem Zeitpunkt aus der Kirche entfernt wurde. Seine Gebeine könnten aber vielleicht mit denen von anderen Toten vermischt worden sein.

Der Historiker will nun mit Hilfe eines Bodenradars menschliche Gebeine unter dem Kirchenboden lokalisieren. Später sollen gerichtsmedizinische Experten bei der Identifizierung helfen. Doch obwohl es lebende Nachkommen von einem Bruder von Cervantes gibt, ist eine DNA-Analyse von 400 Jahre alten Knochen für eine Identifizierung nicht ausreichend, sagt Prado.

Ein Mann mit schmalem Gesicht

Der Schöpfer des „Ritters von der traurigen Gestalt“ kann jedoch durch seine Kriegsverletzungen identifiziert werden. Cervantes erlitt im Kampf gegen die Türken im Jahr 1571 Schusswunden in der Brust und konnte seinen linken Arm nicht mehr bewegen. Diese langjährige Behinderung wirkte sich auf das gesamte Skelett aus, sagen die Forscher.

Bei seinem Tod litt Cervantes angeblich an Leberzirrhose, auch wenn er wohl kein Trinker war, sagt Prado. Auch Wassersucht soll er gehabt haben. Die Knochen könnten wichtige Erkenntnisse über seinen Tod bringen. „Wir könnten auch sein Gesicht und seinen Körperbau rekonstruieren“, erklärt Prado. Ein bekanntes Porträt, gemalt von Juan de Jauregui nach Cervantes’ Tod, zeigt einen Mann mit langem, schmalen Gesicht und grauem Bart. Wissenschafter halten es jedoch für keine authentische Abbildung von Cervantes.