"TV-Total-Turmspringen"

Stefan "Jesus" Raab zappelt sich ins Wasser

Das käsige Duo Elton und Raab lieferte beim TV-Turmspringen eine seltsame Show ab. Ein Springer schien dagegen sein neues Element gefunden zu haben.

Vielleicht ist es gleich zu Beginn Zeit für eine Beichte: Die Autorin dieses Textes ist noch nie von einem Zehnmeterturm gesprungen. Nicht von einem Fünfer – ja selbst das Dreimeterbrett schien ihr stets zu hoch, die Gefahr, mit weichen Knien die Treppe wieder heruntergehen zu müssen und sich so tödlich zu blamieren war zu groß.

Insofern gebührt jedem Teilnehmer des großen „TV-Total-Turmspringens“ höchster Respekt. Jeder Kopfsprung, Salto oder Handstand sollte als großartige sportliche Leistung anerkannt und gefeiert werden. Aber doch bitte nicht am Samstagabend zur Prime-Time auf Pro Sieben. Doch bitte nicht vier Stunden lang. Und doch bitte wirklich nicht mit Sonja Krauss am Beckenrand.

Es ist das klassische Raab-Prinzip : Eine bisher eher unbeachtete Randsportart (ja, Turmspringen ist olympisch, aber bislang nicht als Publikumsmagnet aufgefallen) von ein paar semiprominenten Fernsehgesichtern ausprobieren lassen, ein amüsanter Wettkampf, bei dem C-Promis noch einmal ihr Gesicht und das Logo ihres Sponsors in die Kamera halten dürfen. Mehrfach hat er das nun schon aufgeführt, mit schwindendem Erfolg.

Bei Stefan Raab rutschen die Promis in einer asiatischen Pfanne durch den Eiskanal, fahren bunt plakatierte Autos zu Schrott oder springen eben in Badehose in ein Schwimmbecken. Doch während es noch irgendwie spannend ist, den Amateuren beim Wok-Rennen zuzuschauen, hat die Wasserspringerei schnell etwas Ermüdendes. Rauf auf den Turm, runter ins Wasser, raus aus dem Becken. Zwei Slow-Motions, ein kurzer Punktestand, dazwischen anstrengende Fragen von anstrengenden Reportern.

Topfigur oder tote Katze vor dem Bauch?

Ein kurzer Aha-Effekt stellt sich immerhin vorm ersten Sprung und beim Blick auf die prominenten Oberkörper ein: Wer sollte abspecken, wer kann sich in Badehose sehen lassen? Während Joey Kelly sich gerade Pfunde für einen Trip in die Kälte anfuttert und eine wenig stromlinienförmige Figur macht, können sich Patrick Nuo und Daniel Aminati sehr wohl auf den nächsten Strandurlaub freuen.

Natürlich macht auch Topmodel Rebecca Mir im Badeanzug etwas her. Was Sonja Krauss mit einem hysterischen: „Schaut mal, das Popöchen“ kommentiert und nur ein gnädiges Lächeln vom schlanken Modell erntet – andere hätten Sonja Krauss dafür in ihr „Popöchen“ getreten.

Wenige Sekunden dauert dann stets der sportliche Aspekt der Veranstaltung. Und die sind durchaus spektakulär. Rückwärts oder auch im Handstand stürzen sich da auch Amateursportler ins Wasser, springen Salti und Schrauben, teilweise hochpräzise und athletisch.

Auch hier ist Daniel Aminati hervorzuheben, der immer bis auf den höchsten Turm klettert und von dort so elegant ins Wasser gleitet, dass er am Ende eine Silbermedaille erspringt. Auch Sänger und DSDS-Jury-Mitglied Patrick Nuo glänzt in Sprung und Shorts – für ihn ist am Ende Bronze drin.

Nicht vorbei springen können die beiden Beaus am besten Sportler des Abends: Dem Turner Fabian Hambüchen. In seiner Kernsportart war er zuletzt vom Pech verfolgt – nach diesem Abend, könnte er über einen Wechsel der Sportart nachdenken. Mit höchster Präzision sprang der 1,63 Meter große Turner zunächst im Einzel auf Platz 1. Gold sicherte er sich dann auch noch gemeinsam mit Beachvolleyballer Jonas Reckermann – ein schräges Duo, wenn man sich die beiden auf dem Treppchen ansah. Um einen ganzen Kopf überragt Reckermann Hambüchen – dass die beiden dennoch synchron vom Brett ins Becken sprangen ist beachtlich.

Der große Sprung des Stefan Raab

Noch beachtlicher und wohl auch die einzig unterhaltsame Leistung war die des Gastgebers persönlich. Stefan Raab gelang gemeinsam mit Elton die Sensation: Sie plumpsten so gekonnt ungeschickt synchron ins Wasser, dass es am Ende für Silber reichte. „Lieber ein schlechter synchroner Sprung, als zwei nicht synchrone gute Sprünge“, hatte Raab seine Taktik zu Beginn der Sendung verraten.

Und wirklich schien sich das korpulent-käsige Duo an diese Maxime zu halten. Unter völliger Missachtung jeglicher ästhetischer Ansprüche zappelten sich die beiden ins Wasser – und kamen dort so gleichzeitig ungeschickt an, dass es schon wieder faszinierend war. Solche Momente braucht Fernsehunterhaltung, brauchen Shows am Samstagabend:

Potential hat die Sendung. Das Wassersportspektakel sahen immerhin 19,9 Prozent in der Zielgruppe. Insgesamt verfolgten bis zu 3,69 Millionen Zuschauer die Sendung.

Plumpe, überraschende Momente. Rutschende Badehosen, höhenängstliche Prominente, schräge Kostüme – all so etwas hätte dem Turmspringen wirklich gut getan, den Wettkampf aus der Außenseiterecke von Sportsendern befreit. So aber blieb die große Planschveranstaltung eine ermüdende Dauerwerbesendung. Mehr Elton, weniger Eleganz: Das sollte der Anspruch fürs nächste Turmspringen sein.