Streit um Kölner Moschee

Gekündigter Architekt nennt Baumängel konstruiert

Man habe ihn loswerden wollen, sagt Architekt Paul Böhm und droht mit langem Rechtsstreit. Dem größten Moschee-Komplex in Deutschland droht ein Baustopp.

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Im Streit um Baumängel an der Kölner Zentralmoschee setzt sich der überraschend gekündigte Architekt Paul Böhm zur Wehr. Die Darstellung der islamischen Bauherrin und ihres beauftragten Gutachterbüros, es gebe rund 2000 Mängel und eine drastische Kostenexplosion, seien unseriös und falsch. Das sagten Böhm und sein Moschee-Projektleiter Martin Amme in Köln. „Wir haben keinen Grund für eine Kündigung geliefert.“

Das Vorgehen der türkisch-islamischen Ditib sei „unlauter“, bewusst auf Konfrontation angelegt und rufschädigend. Böhm will sich notfalls juristisch zur Wehr setzen. Eigentlich sollte der größte Moschee-Komplex in Deutschland im Frühsommer 2012 eingeweiht werden. Nun drohen aber jahrelanger Rechtsstreit und währenddessen auch ein Baustopp.

Amme sagte, der von der Ditib beauftragte Gutachter habe „inflationär“ Fehler aufgelistet und es mit der Zählung nicht so genau genommen. Manche Mängel seien doppelt gezählt worden, vor allem aber sei „jeder einzelne Nagel, jeder Dreckfleck an der Wand“ und jeder hervorstehende Bindedraht als jeweils ein Mangel gelistet worden.

Nägel, Drähte und Fehler bei der „Betonkosmetik“ könnten aber völlig problemlos und schadlos entfernt werden. Zudem handele es sich um Mängel der Rohbauer in einem noch laufenden Bauprozess. „Wir reden hier über halbfertige Leistungen“, sagte Amme. Und: „Nach üblicher Erfassung wären das zehn Systemfehler.“

Böhm meinte, man habe Mängel konstruiert, um das Architektenbüro loszuwerden. Dahinter stecke der vor gut einem Jahr ausgetauschte neue Ditib-Vorstand, der statt der vereinbarten hellen Moschee nun eine weiße Moschee bauen wolle. Das Gotteshaus mit einer runden Betonkuppel und zwei 55 Meter hohen Minaretten ist zu 85 bis 90 Prozent fertiggestellt.

Baujurist Frank Siegburg erklärte, laut Urheberrecht sei eine größere Veränderung am Bauobjekt nicht ohne Abstimmung mit dem Architekten möglich. Sollte die Ditib dies versuchen, werde „man das juristisch zu verhindern wissen“. Eine bemängelte 23-Zentimeter-Abweichung bei den Betonschalen sei „gravierend“, aber nicht dem Architekten vorzuwerfen. Verantwortlich sei ein öffentlich vereidigter Vermesser, der Abhilfe angeboten habe.

Zahlreiche Sonder- und Zusatzwünsche

Die Ditib-Angaben zu den Baukosten wies Amme zurück. Bei Baubeginn sei auch die Ditib von Gesamtkosten von 32 Millionen Euro ausgegangen. Wegen deren dauernder Sonder- und Zusatzwünsche sei man nun bei 38,7 Millionen Euro gelandet. Aus Ankara seien auch mehrfach Änderungen angemahnt worden, weil man christliche Symbolik in dem Bau befürchtete, sagte Amme. Das Architektenteam habe das diskret behandelt und die zahlreichen Umplanungswünsche stets umgesetzt. Die Ditib hatte von einer Verdoppelung der Kosten auf 34 Millionen Euro wegen Baufehlern gesprochen.

Böhm sagte: „Ich habe nach wie vor den Ehrgeiz, dieses Haus bis zur Fertigstelleung zu begleiten.“ Er forderte den Moscheerat auf , in dem Streit zu vermitteln. Der hochkarätig besetzte Beirat, der als „Sprachrohr der Bürger“ mit beratender Funktion eingesetzt worden war, will dazu an diesem Donnerstag zusammenkommen. Die Chancen für eine Einigung gelten aber als sehr gering.