Late Night "Hart aber Fair"

Die Wunderpille gegen den Krebs, die es nicht gibt

Bei Frank Plasberg wurde über alternative Therapien gegen den Krebs diskutiert. Dabei sollte Steve Jobs das beste Beispiel dafür sein, wie viel Zeit damit verloren geht.

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Als der Pionier unseres digitalen Zeitalters sich im Juli 2004 dazu entschied, sich wegen seines Bauchspeicheldrüsenkrebses operieren zu lassen, war es so gut wie zu spät. Ganze neun Monate hatte Steve Jobs seit seiner Krebsdiagnose verstreichen lassen, bis er die konventionelle Behandlung aus Operation und Chemotherapie über sich ergehen ließ. Zuvor hatte das Apple-Genie mit seinem Körper das versucht, was ihm zuvor schon im Computerbusiness zum Erfolg verholfen hatte: Er hatte die alternative Methode gewählt.

Jobs machte eine spezielle Diät, bezog Akupunktur und pflanzliche Arzneimittel in seine Behandlung mit ein. Doch wie man heute weiß, verschlimmerte sich sein Zustand nur. Umso mehr drängt sich heute die Frage auf, wie sehr alternative Behandlungsmethoden überhaupt helfen können. Sind sie ein adäquates Mittel gegen den Krebs, oder alles Lug und Trug? Frank Plasberg versuchte bei „Hart aber fair“ mit dem Thema „Die Angst-Diagnose – was kann Krebs heilen?“ für Aufklärung zu sorgen.

Dazu hatte er zwei ehemalige Krebspatientinnen zu sich ins Studio geladen. Beide waren an Brustkrebs erkrankt, bei beiden musste eine Brust entfernt werden, doch nach der Operation entschieden sie sich für vollkommen unterschiedliche Behandlungsmethoden. Während Johanna Zwarg die klassische Chemotherapie wählte, suchte sich Andrea Sixt die Misteltherapie aus. Beide sind heute gesund, Zwarg konnte trotz anderslautender Diagnose sogar noch ein Kind bekommen.

Die Qual der Wahl bei den Thearpien

Also ist es scheinbar egal, welche Therapie man wählt? Nicht ganz. „Die Chemotherapie war zwar keine Qual, aber es war nicht leicht“, musste Johanna Zwarg eingestehen. Das Schlimmste sei die Zeit nach der Behandlung gewesen. „Es hat mir mein ganzes Vertrauen genommen.“ Bei Andrea Sixt hingegen lösten der Krebs und die Misteltherapie das komplette Gegenteil aus. Sie sah die Krankheit als Chance, stellte ihr Leben komplett um, wechselte sogar ihren Beruf von der Baubranche zum Film. „Ich bin davon überzeugt, dass es für mich der richtige Weg war.“

Die schwere Chemotherapie, und die leichte, aber umso erfolgreichere Alternativmedizin – das war der undifferenzierte Stempel, der dieser Sendung anhaftete. Als würde das alles nicht genügen, konnte Moderatorin Caroline Beil auch noch das Beispiel ihres Vaters Peter Beil anbieten, der 2007 an Lungenkrebs verstarb. Beil gab die Schuld daran den Ärzten, die zu lange gewartet und die falschen, konventionellen Therapien angeboten hätten. „Ich habe Angst, dass zu erleben, was mein Vater damals erleben musste“, sagte Beil bedenklich. Um Peter Beils letzte Lebenstage so erträglich wie möglich zu machen, entschieden sie sich am Ende für eine leichte Chemotherapie in Kombination mit alternativen Methoden.

Die Alternativmedizin stand im glänzenden Licht da, während die konventionellen Methoden regelrecht verurteilt wurden. Auch der Arzt Axel Weber plädierte für die alternative Vorgehensweisen: „Als Chirurg kannst du bei einer Krebserkrankung nicht alles wegschneiden und dann ist der Mensch gesund.“ Zu einer Krebsbehandlung gehöre mehr, vor allem müsse der Patient zu seiner eigenen Therapie stehen – und damit sei die Entscheidung, welche Therapie angewendet wird, nun mal die des Patienten. Doch für den Erfolg von alternativen Behandlungsmethoden gibt es bis heute keine hinreichenden Studien.

Dabei sollte das eingangs erwähnte Beispiel Steve Jobs Warnung genug sein, dass alternative Mittel im Falle einer schweren Erkrankung der falsche Weg sein können. Doch selbst dieses Fallbeispiel ließ die Kritiker der Schulmedizin nicht verstummen. „Super. Er hat mit Alternativmedizin doch noch ganz lange überlebt“, freute sich Sixt regelrecht. Da stellte sich nun doch die Frage, wie realitätsfern man sein muss, um diesen irreführenden Weg als positiv zu verkennen. Steve Jobs Lebenszeit wurde bekanntlich erst durch eine Lebertransplantation um einige wenige Jahre verlängert – und damit durch die konventionellen Methoden.

Schulmedizin gegen Mistelzweig

Für die setzte sich bei Plasberg fast missionarisch der Chirurg Theodor Windhorst ein: „Nehmen Sie die Schulmedizin“, plädierte er. „Alles andere dürfen sie nicht tun, sie verlieren nur.“ Auch bei einer klassischen Therapie würde gemeinsam mit dem Patienten über die Behandlung gesprochen und sich beraten. Windhorst stellte klar, dass er als Schulmediziner „auf nichts aus der Luft gegriffenes“ zurückgreife, sondern nach den Studien der Forschung gehe.

Wenn die Runde bei Plasberg eines deutlich machte, dann, dass es die ideale Behandlungsmethode zwar nicht gibt, die Alternativmedizin jedoch reichlich idealisiert daher kam. „Eine Wunderpille gibt es nicht. Weder die Schulmedizin noch die Alternativmedizin hat sie“, musste selbst Weber eingestehen. Die Krebsforschung mache zwar große Fortschritte, so die beiden Ärzte, Prävention sei jedoch immer noch das aller Wichtigste.

Und so ist das Beispiel von Johanna Zwarg, die unter der Chemotherapie zu leiden hatte, vielleicht das beste Beispiel für einen positiven Krankheitsverlauf. Während sie die Qualen der Therapie über sich ergehen ließ, mit unzähligen Giften vollgepumpt wurde, da ging sie weiterhin zur Uni, machte während dieser harten Zeit zwei Mastertitel – und brachte schließlich sogar ein gesundes Kind zur Welt.