"Bauer sucht Frau"

Halbnacktes Treckerposing für die Liebe

Stresstest für Elektroherde und Fotokameras bei "Bauer sucht Frau". Es wird gefuttert, dass die Cholesterinwerte explodieren, beim Treckerposing gibt es Körpereinsatz.

„Liebe geht durch den Magen“, meint Moderatorin Inka Bause gleich zur Begrüßung. Das Unheimliche daran ist, dass die Sendung dieses Sprichwort ernst nimmt.

Mit ihren Kochkünsten wollen die Bäuerinnen in spe ihre Liebsten weichkochen. An sich ein rührendes Vorhaben. Oft sind die Inszenierungen aber so überzuckert, dass man gar nicht mehr hinschauen mag. Aus einem Rührstück macht RTL schnell einen Schmachtfetzen mit Fremdschämgarantie .

Iris bereitet für den Schweinebauern Uwe einen Apfelpfannkuchen zu und Uwe freut sich über die Heimeligkeit, die der Duft von Bratfett plötzlich in seiner Wohnung verströmt. Noch vorsichtig schauen die beiden in die Zukunft und lesen sich ihre Horoskope vor, die zufällig zu ihrer Lebenssituation passen.

Die Sterne stehen günstig, in nächster Zeit wird ihnen der Himmel nicht auf den Kopf fallen. Ein Schelm, wer denkt, die Realisatoren der Kuppelshow würden jetzt auch noch Horoskope verfassen.

Zur Belohnung einmal mit dem Trecker fahren

Da die 43-Jährige an das leibliche Wohl von Hund Max denkt, darf sie zur Belohnung einmal mit dem Trecker fahren, ihr Herzenswunsch. Das Talent einen Traktor zu steuern scheint wohl x-chromosomal vererbt zu werden, denn alle Kandidatinnen zeigten sich bisher als Naturtalent in dieser Disziplin.

Als Krönung darf Iris auf den Fangkorb steigen, wo sie sich frei wie ein Vöglein fühlt, die Arme ausbreitet und die Szene von Titanic nachspielt: „Ich bin die Königin des Feldes.“ Ob Uwe von Leonardo DiCaprios Schicksal in Titanic weiß?

Auch Rolf und Silvia, die bisher eine menschliche Version von Tom und Jerry aufführten, sind um Annäherung am Frühstückstisch bemüht. Rolfs Trick, die Frau mit einem Sektfrühstück gefügig zu machen, zeigt seine Bauernschläue.

Böse Zungen könnten aber behaupten, er müsse sich die Fleischereifachverkäuferin erst einmal schön trinken. „Es kriselt im Münsterland“, weiß Inka Bause schon seit der ersten Folge .

Die Teelichter, die Rolf liebevoll zu einem Herz gruppiert hat, sind ein romantisches Accessoire, das nicht recht zu ihm passen will. Selbst in ihrem Schein geht ihm kein Licht auf, dass er hier wahrscheinlich auf verlorenem Posten kämpft. Obwohl der Sekt erstaunliches bei Silvia bewirkt. Sie will zeigen, dass sie anpacken kann.

Doch stattdessen packt sie erst einmal aus. Nur die Ärmel hochzukrempeln reicht der Blondine nicht. Fürs Treckerfahren zieht sie gleich das ganze Oberteil aus. Eine plötzliche Hitzewallung könnte der Auslöser für diese Aktion gewesen sein. Auf dem Trecker posiert sie später für die Kamera von Rolf, der einen ganz persönlichen Bauernkalender anfertigen will.

Er legt großen Wert auf das „Getriebe“, der verlängerte Rücken einer Frau soll wohl nicht einem Brauereigaul ähneln. Jeans würden den Proportionen schmeicheln, meint die 42-Jährige. Warum sie Rolfs Wunsch, sich ganz auszuziehen nicht nachkommt, ist nicht ganz verständlich. Schlimmer als ihr Treckerposing hätte es sowieso nicht mehr kommen können.

Kochen mit der Mikrowelle ist suspekt

Loriot auf dem Bauernhof führten Friedrich und Inge in Niedersachsen auf. Die resolute Frau will dem Mann, der ständig hochdeutsch untertitelt wird, fränkisch beibringen. „Erpfel“ sei die Kurzform von Erdäpfel, also Kartoffeln, doziert die Frau, was dem Bauer, dessen Nervenimpulse etwas langsamer durch die Synapsen schießen, nicht recht einleuchten will. Nordisch nüchtern entgegnet er, ein „Erpel“ sei was Anderes.

Dann wagt sich die Büroangestellte daran, die Quadratur des Kreises zu lösen: sie will ein ungarisches Gulasch kochen – ohne Zwiebeln und ohne Paprika, aber mit Erpfeln. Die will sie in der Mikrowelle garen, was das Weltbild des wackeren Friedrich vollends erschüttert.

Nachdem sie die Technik des Geräts, das der Bauer eigentlich nur als Staubfänger nutzt, durchdrungen hat, serviert sie auf den erfrischend kitschfrei gedeckten Tisch – zwei Teller, sonst nichts - wirklich gare Kartoffeln. Der Niedersachse beschwerte sich zumindest nicht, dass seine Kartoffel zu hart sei.

Abspecken mit Sahnetorte

Köstlich war die Posse um den Schwaben Thomas und der blonden Oldenburgerin Diana. Die Frau möchte an die überschüssigen Pfunde des Pfundskerls ran, wohl auch weil sie selbst nicht die Figur einer Primaballerina hat. Zum Frühstück gibt es salzige Bretzeln und süßes Gebäck und den Satz, der für den Bauern wie ein Stimmungstöter wirkt: „Der Tee ist fertig!“ Mit dieser Textzeile hätte Peter Cornelius wohl keinen Hit gelandet.

Das weiß auch der eingefleischte Kaffeeliebhaber, der brav Tee mit Kandiszucker schlürft und seinen Widerstand in der übertriebenen Zustimmung sucht. Der Tee schmecke wirklich gut.

Diana fände es gut, wenn beide eine Diät machen würden und backt dem Mann eine ganz besondere Henkersmahlzeit: eine Sahnetorte. Sie sagt: „Genieß dein letztes Stück“. Eine Drohung, die nur eine liebevolle Partnerin aussprechen kann. Der clevere Schwabe verputzt dann auch sein letztes Stück und das gleich dreimal.

Übrigens birgt das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“ einen weit verbreiteten Irrtum. In der Phase der Verliebtheit wird im Körper das Hormon Phenylethylamin ausgeschüttet, das den Appetit zügelt und nicht anregt. Diese Tatsache verträgt sich nicht mit dem bauernschlauen Sprichwort und schon gar nicht mit dem Konzept der RTL-Show.