Late Night "Günther Jauch"

Von der Leyens Zickenkrieg mit der Börsenexpertin

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen versuchte sich bei Günther Jauch an einer medizinischen Diagnose zu Griechenland. Und zickte sich ARD-Expertin Anja Kohl an.

Foto: Screenshot Welt Online

Den Griechen geht es zurzeit gar nicht gut. Die Staatsverschuldung hat sie innerhalb der EU ins Abseits gedrängt und auch im eigenen Land herrschen seit Längerem Unruhen und Verzweiflung. Jetzt hat die EU ein weiteres Sparpaket verabschiedet und was machen die Griechen? Statt es dankend zu akzeptieren, fordert Ministerpräsident Giorgos Papandreou das Volk auf, über eine Annahme abzustimmen.

Die anderen Mitgliedstaaten sind darüber nicht besonders erfreut und mittlerweile hat sich mit Papandreous Rücktritt eine weitere Wende in der nicht enden wollenden Tragödie abgezeichnet. Wie es nun mit der angeschlagenen Beziehung zwischen Griechenland und der EU weitergehen soll, darüber diskutierte Günther Jauch mit seinen Gästen im Schöneberger Gasometer.

Es war ein wenig verwirrend für den Fernsehzuschauer. Erst letzte Woche sprach man bei Jauch darüber, wie man die Finanzmärkte am Besten in den Griff bekommt, schon werden die nächsten Probleme im Wirtschaftsbereich gewälzt. “Chaostage in Athen - wer will die Griechen jetzt noch retten?” lautete das Thema und die fünf Gäste sprachen sowohl über die Rettung des Landes als auch einen möglichen EU-Austritt.

Die EU braucht Griechenland

Zumindest darüber, dass Griechenland in der EU bleiben soll, waren sich alle einig. Na ja, fast alle. Finanzfachmann Max Otte empfahl den Sorgenkindern der Währungsunion sie wären “mit dem Drachmen besser dran”.

Auf die gerade mal 2 Prozent Wirtschaftsleistung Griechenlands könnte man gut und gerne verzichten. Doch eine Abkehr von der EU könnte auch eine Austrittswelle mit verheerenden Folgen lostreten. Gregor Gysi bemerkte zu Recht, dass Griechenlands Ausstieg den Weg für das ebenfalls verschuldete Italien bahnen könnte.

Die EU braucht also Griechenland. Aber braucht Griechenland auch die EU. Die kritische Haltung zum Sparpaket ist für viele Außenstehende schwer zu begreifen. Einmal wird ein Plakat eingeblendet, das Angela Merkel mit Hakenkreuzbinde zeigt.

Griechen fühlen sich wie im Krieg

Das Motiv erfreute sich in der griechischen Bevölkerung großer Beliebtheit und so geschmacklos es ist, zeigt es doch wie die Griechen die Sparmaßnahmen der anderen Mitgliedstaaten sehen. Sie fühlen sich, wie Journalist Michalis Pantelouris erklärt, an eine Besetzung ihres Landes erinnert. Da wird ihnen ein Sparpaket aufgezwungen, das ihr Land aus der Krise treiben soll, tatsächlich aber nur die Griechen aus der Heimat treibt.

Pantelouris kann davon ein Lied singen. Seine in Athen lebende Schwester und ihr Mann haben durch die Sparmaßnahmen ihre Jobs verloren. Wer nun für das gemeinsame Kind sorgen soll, ist noch ungewiss.

Deshalb spielt das Paar mit dem Gedanken nach Australien oder Kanada auszuwandern. Dort gibt es wenigstens Arbeit. Die Lage Griechenlands wird sich durch einen möglichen Exodus jedenfalls nicht bessern.

Was also tun, um die massiven Probleme zu lösen? Gysi forderte ganz geschichtsbewusst einen neuen Marschallplan. Griechenland solle nicht “kaputt gespart”, sondern aufgebaut werden.

Günther Jauch als Schlichter im Zickenkrieg

Das ist zwar an sich eine gute These, leider wusste der Bundestagsvorsitzende der Linken außer dem Einsatz regenerativer Energien selbst nicht so genau wie das im Detail aussehen soll. Stattdessen spulte er sein Parteiprogramm ab und verfing sich immer wieder in denselben Phrasen: Die Regierung denke nur an den Export, die Einnahmen der Banken sollen auch an die Bürger gehen und ohnehin müssen Banken wie Sparkassen gestaltet werden.

Von solcher Redundanz zeigte sich auch Bundestags-Kollegin und Talkshow-Stammgast von der Leyen genervt und kritisierte Gysi, bei Sitzungen ohnehin aus Prinzip mit Nein abzustimmen. Auch ansonsten war die Arbeits- und Sozialministerin konfliktfreudig. Wenn sie sich nicht gerade mit Gysi anzickte, dann mit der ARD-Börsenexpertin Anja Kohl. Wild redeten die beiden Damen gleichzeitig aufeinander ein, ohne dass eine von ihnen der anderen das Wort überlassen wollte. Da musste dann sogar ein pikierter Günther Jauch einschreiten.

Von der Leyen hatte im Grunde genommen ohnehin nichts wirklich Interessantes beizutragen und spezialisierte sich stattdessen darauf, den Kurs der Bundesregierung zu verteidigen. Dabei verirrte sie sich schon einmal im Metapherngewirr, sprach von der “Kernschmelze im Finanzsystem” oder versuchte, angelehnt an ihre medizinische Ausbildung, die Situation Griechenlands mit einem herzkranken Patienten zu vergleichen: “Sie werden das Herz nicht retten, wenn sie den Kreislauf insgesamt nicht stabilisieren”.

Mehr als 20 Jahre über Verhältnisse gelebt

Letztlich landeten die Gäste dann doch wieder bei derselben Frage, die schon in der Sendung zuvor gestellt wurde: Wie lassen sich die Finanzmärkte regulieren? Ein Gedankenspiel in Form eines Einspielfilms verschob zumindest einmal die Perspektive auf die Seite der Opfer. Was wäre nun, wenn sich Deutschland derart verschuldet hätte? So wurde etwa vorgerechnet wie viele Arbeitsplätze gestrichen werden müssten oder wieweit die Steuern erhöht würden.

Doch das Unvergleichbare lässt sich eben nicht vergleichen. Von der Leyen weist darauf hin, dass Griechenland mehr als 20 Jahre über seine Verhältnisse gelebt hat, wenn es der Ministerin aber ins Konzept passt, zieht sie selbst eine Verbindungslinie zwischen Griechenland und dem wirtschaftlich stark gebeutelten Deutschland der Nachkriegszeit.

Eines konnte man aus der Sendung in jedem Fall mitnehmen: Man sollte die Verschuldung Griechenlands nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ein konkreter Plan zur Verbesserung der Lage ist gefordert. Bei “Günther Jauch” suchte man ihn allerdings vergeblich.