Hollywood

Die besten Freunde von Anne Hathaway sind schwul

Hollywood-Star Anne Hathaway spricht über prägende Beziehungen, Erbrochenes vor der U-Bahn und warum sie gerade besonders gut ist.

Anne Hathaway strahlt eine nervöse Energie aus. Das mag erklären, warum die 28-Jährige zu einer der begehrtesten Jungdarstellerinnen Hollywoods geworden ist, und das zeigt sich auch in ihrem neuen Film, der Romanze "Zwei an einem Tag" (ab 3. November im Kino). Beim Interview in London ist das einerseits belebend, weil sich Hathaway von ihren wohl gesitteten Kolleginnen abhebt, kann aber auch leicht irritierend wirken - etwa wenn sie unerwartete Scherze macht oder plötzlich die Klimaanlage abstellen lässt.

Morgenpost Online: In Ihrem neuen Film pflegen Sie eine Freundschaft mit einen gutaussehenden Mann, den Sie über 20 Jahre hinweg jeweils an einem Tag des Jahres treffen. Das wirft die klassische Frage auf: Können Männer und Frauen eigentlich Freunde sein?

Anne Hathaway: Das hängt davon ab, ob die Männer schwul sind. (lacht) Denn meine besten Freunde sind alle schwul, und ich fühlte mich nie zu ihnen sexuell hingezogen.

Morgenpost Online: Wirklich nicht?

Hathaway: Okay, das stimmt nicht ganz. (lacht) Auf jeden Fall wird es dadurch weniger kompliziert. Aber ich habe keine eindeutige Antwort, ob es so eine Beziehung geben kann. Vielleicht sollte man auch gar nicht versuchen, die Frage zu beantworten, sondern es einfach darauf ankommen lassen. Das macht mehr Spaß.

Morgenpost Online: Gibt es so einen platonischen Freund in Ihrem Leben, der mehr als nur Freund sein könnte?

Hathaway: Ich glaube, die Frage stellt sich für mich nicht. Schließlich habe ich seit drei Jahren einen Boyfriend.

Morgenpost Online: Ihre Erfahrungen mit Männern waren aber auch sehr zwiespältig. Ihr Ex-Freund Raffaello Follieri entpuppte sich als Betrüger und wurde zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Was sind Ihre Erinnerungen an jene Zeit?

Hathaway: Besonders bemerkenswert war das Verständnis der Menschen. Die Öffentlichkeit war mir gegenüber sehr wohlwollend. Und ich bin das ganze Thema auch sehr offensiv angegangen, bin in der Comedy-Show "Saturday Night Live" aufgetreten, wo ich mich selbst auf die Schippe genommen habe. Nur so konnte ich weitermachen. Und zum Glück hatte ich damals viel Arbeit, was mir auch sehr geholfen hat.

Morgenpost Online: Fühlen Sie stärker, seit Sie diese Situation bewältigt haben?

Hathaway: Absolut. Damals war ich einfach noch naiv. Inzwischen bin ich innerlich sehr stark gewachsen. Ich habe das Gefühl, die aktuelle Anne Hathaway ist die beste, die es je gegeben hat. Aber ich hoffe, dass ich mich kontinuierlich weiter entwickle.

Morgenpost Online: Was mögen Sie an der jetzigen Anne Hathaway am meisten?

Hathaway: Dass ich viel sanfter mit mir selbst bin. Ich habe meine Fehler und Schwachstellen akzeptiert. Vor kurzem hatte ich mit meiner besten Freundin eine Unterhaltung über das Thema Liebe. Ich fragte sie: Was versteht man darunter? Und sie meinte: Wenn du die Fehler von jemandem kennst und trotzdem bei ihm bleibst. Ich fand diese Definition gut, aber dann fiel mir noch ein zweiter Teil dazu ein: Wenn du auch dem anderen deine Schwächen zeigst, und er auch bei dir bleiben will. Und so fühle ich mich: Ich bin glücklich, so wie ich bin.

Morgenpost Online: Den Glauben an die Liebe haben Sie also nicht verloren?

Hathaway: Den verliere ich nie. Liebe prägt mein ganzes Leben – meine Einstellungen, meine Beziehungen zu meinen Mitmenschen. Für wahre Liebe bin ich bereit, zu kämpfen. Aber es muss eben der Richtige sein, der mich so nimmt, wie ich bin.

Morgenpost Online: Gibt es Menschen, die Ihnen bei Ihren Selbstfindungsprozessen geholfen haben?

Hathaway: Ich habe großartige Eltern, die sehr enttäuscht wären, wenn ich die Werte verletzen würde, nach denen sie mich erzogen haben. Wir haben ein sehr starkes Vertrauensverhältnis. Sie wissen alles, was in meinem Leben geschieht, und umgekehrt. Aber mir hilft auch mein Leben in New York. In dieser Stadt bleibst du auf dem Boden. Spätestens dann, wenn du aus der U-Bahn kommst und zum x-ten Mal in Erbrochenes hinein trittst - okay, das ist kein schönes Statement, ich gebe es zu. Für mich ist es einfach wichtig, ein normales Leben zu führen. Ich gehe ins Theater, ich treffe meine Freunde, sie kommen zum Brunchen zu mir, wir schauen uns neue Filme an. Außerdem habe ich meine Hündin Esmeralda. Der Großteil meines Alltags ist auf sie abgestellt.

Morgenpost Online: Aber Ihr Leben wird doch auch durch den Hollywood-Glamour geprägt.

Hathaway: Den erlebe ich nur dann, wenn ich Werbung für meine Filme machen muss. Dann bricht der völlige Wahnsinn los. Für einen Auftritt wurde einmal extra ein Hubschrauber für mich gechartert, damit die Stylisten mehr Zeit hatten, meine Haare zurechtzumachen. Ich bekomme sündhaft teure Designer-Kleider geschenkt.

Morgenpost Online: Haben Sie an diesem Zirkus auch Gefallen gefunden?

Hathaway: Ich habe meinen Frieden damit gemacht. Gefallen wäre ein zu starkes Wort. Ich sitze hier an einem sonnigen Samstagnachmittag im Hotel und spreche von mir selbst. Glauben Sie mir, ich würde lieber etwas anderes tun. Ich bin sowieso immer noch baff, wenn man mir Dutzende Aufnahmegeräte vor die Nase hält.

Morgenpost Online: Warum?

Hathaway: Ich habe doch eigentlich nichts Interessantes zu sagen. Ich bin erst 28 und weiß so viele Dinge noch nicht. Eigentlich sollte ich die Fragen stellen. Und ich musste mich mühsam an diese Interviewsituationen gewöhnen. Denn früher war ich vor Schüchternheit fast gelähmt. Weil ich in dieser Branche arbeiten und alle möglichen Regisseure und Produzenten treffen wollte, hatte ich keine Wahl, als das zu überwinden. Aber wenn ich früher Interviews gab, saß ich völlig verkrampft da - meine Hände waren unter dem Tisch; ich setzte mich darauf, drückte die Knie zusammen. Es war wirklich quälend, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen.

Morgenpost Online: Wie lange ist das her?

Hathaway: Das war letzte Woche. (lacht). Jetzt schwebe ich meistens in aufgekratzter Stimmung ins Zimmer - das ist meine Methode, damit umzugehen.

Morgenpost Online: Inzwischen haben Sie ja auch nichts dagegen, sich live vor Millionen von Zuschauer zu präsentieren wie bei der Moderation der letzten Oscarverleihung...

Hathaway: Das war allerdings härter als ich dachte.

Morgenpost Online: Wegen der harschen Kritik, die sie danach einstecken mussten?

Hathaway: Es gibt nach jeder Oscar-Show negative Stimmen, und viele Leute kamen auf mich zu und meinten, dass sie diese Kritik nicht verstehen können. Ich hatte jedenfalls einen Riesenspaß - und so ist das Ganze auch in meiner Erinnerung abgespeichert. Abgesehen davon: nur eine Handvoll Leute bekam je die Chance, so etwas zu machen.

Morgenpost Online: War das der Grund, weshalb Sie den Job übernahmen?

Hathaway: Ich war neugierig. Mir fiel kein Grund ein, warum ich es nicht machen sollte. Die ganze Vorstellung, dass ich die Oscars moderieren sollte, war so absurd, dass ich es versuchen wollte.

Morgenpost Online: Würden Sie es wieder tun?

Hathaway: Bis auf weiteres nicht. Denn als ich mich darauf einließ, war ich für alles offen. Jetzt weiß ich, wie die Show funktioniert, und ich hätte meine ganz bestimmten Vorstellungen, wie ich es angehen würde - anstatt mir von anderen Leuten Stichworte geben zu lassen. Aber das würde noch mehr Arbeit bedeuten, als es ohnehin schon war, und so sehr liebe ich die Oscars nun auch wieder nicht, dass ich gleich wieder so viel Zeit investieren möchte.

Morgenpost Online: Lieber nehmen Sie mit einer Nominierung an der Show teil und holen sich eine Statuette als Gewinnerin. Mit 26 hatten Sie ja schon einmal die Chance - ziemlich früh in Ihrer Karriere.

Hathaway: Ach, ich dachte ich würde schon mit vier nominiert werden. Meine Darstellung in dem Homevideo "Ich lerne das Radfahren" war absolut grandios. Aber im Ernst - so etwas kannst du nie erwarten, du kannst nur davon träumen.

Morgenpost Online: Aber Sie bekommen doch jetzt eine attraktive Rolle nach der anderen angeboten, die Ihnen das ermöglichen könnte.

Hathaway: Offen gestanden, gibt es davon nicht so viele. Normalerweise ist meistens eine großartige Rolle im Angebot – und alle Schauspielerinnen in meiner Kategorie strampeln sich ab, um sie zu bekommen. Und es gibt so viele talentierte Kolleginnen - Natalie Portman, Michelle Williams oder Amy Adams – die sollte eigentlich in jedem Film auftreten. Emily Blunt ist auch perfekt. Die Liste ist endlos – aber die Zahl der Rollen leider nicht. Wobei ich ohnehin schon in einer privilegierten Position bin, dass ich überhaupt dafür in Frage komme.

Morgenpost Online: Immerhin bekamen Sie die begehrte Rolle der Catwoman im nächsten "Batman".

Hathaway: Aber dafür musste ich vorsprechen. Allerdings kann ich nicht mehr dazu erzählen. Ich musste eine Vereinbarung mit meinem Blut unterschreiben, dass ich nichts zu dem Film verrate.

Morgenpost Online: Nehmen Sie mal von Ihren Projekten eine Auszeit?

Hathaway: Nein, ich breche einfach zusammen. (lacht) Es gibt so geheime Löcher, in die ich mich zurückziehe - das sind meine Beziehungen: mein Freund, meine Freunde, meine Familie. Hier kann ich entkommen. Aber dieser Job ist eigentlich nur dann aufreibend, wenn du nicht arbeiten kannst. Bei der Art von Arbeitsstress, wie ich ihn habe, brauche ich eigentlich gar keine Pause. Wobei mir eine Sache schon noch wichtig ist - mein karitatives Engagement.

Morgenpost Online: Was machen Sie da so?

Hathaway: Momentan arbeite ich sehr eng mit der Initiative "The Girl Effect" zusammen. Sie unterstützt – wie der Name schon sagt – besonders Mädchen, weil speziell sie positive Veränderungen bewirken können. Ich war in diesem Jahr schon in Afrika, um mir das Programm vor Ort anzusehen. Jetzt treffe ich mich mit Vertretern verschiedener Regierungsorganisationen, um sicherzustellen, dass sie bei ihren Budgets auch Maßnahmen zur Förderung von Mädchen berücksichtigen. Und mit meinem Bekanntheitsgrad habe ich bessere Chancen, solche Leute zu sprechen. Das ist der größte Vorteil dieses Status – der mit mir als Person aber nichts zu tun hat.

Morgenpost Online: Gibt Ihnen das auch selbst etwas?

Hathaway: Es rückt mir den Kopf zurecht und bewahrt mich davor, mich zu ernst zu nehmen. Außerdem glaube ich, dass wir Menschen nicht überleben werden, wenn wir nicht einander dienen und uns gegenseitig helfen. Ich bin mir nicht immer sicher, dass ich das Richtige tue. Aber in diesem Fall schon. Und deshalb bin ich sehr stolz auf meine Aktivitäten.

Morgenpost Online: Und wenn Ihnen Ihr Bekanntheitsgrad bei so einem Einsatz nicht hilft? Was tun Sie dann?

Hathaway: Dann mache ich meinen Mund auf. Wenn ich sehe, dass die Rechte von Mädchen und Frauen verletzt werden, sage ich offen meine Meinung. Aber nicht aggressiv. Und ich würde auch nie handgreiflich werden. Ich bin Lover, kein Fighter.