Berliner Gropius-Bau

Streit über ein entferntes KZ-Video eskaliert

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin hat ein Video-Kunstwerk aus seiner Ausstellung "Tür an Tür" genommen. Nun wird darüber gestritten, ob es sich um Zensur handelt.

Foto: artur berek / artur berek/zmijewski

Gerade präsentiert sich polnische Kunst und Kultur so stark wie nie in Berlin. Ein dickes, tolles Veranstaltungsprogramm gibt es, und vier Ausstellungen. Aushängeschild ist dabei die mit Bundesgeldern unterstütze Schau „Tür an Tür. Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte“.

Doch nun hat die Nachbarschaft, die hier gefeiert werden soll, einen Bruch bekommen. Im Martin-Gropius-Bau wurde Artur Zmijewskis Kurzfilm „Berek“, knapp zwei Minuten lang, aus der Schau entfernt. Ein prominenter Vertreter der Jüdischen Gemeinde hatte sich beschwert.

Berek, auf Deutsch „Hasch mich“, zeigt nackte Frauen und Männer in einem kahlen Raum, wie sie Fangen spielen. Zmijewski, Jahrgang 1966, und einer der bekanntesten polnischen Künstler aus Warschau, drehte die Szene in einem ehemaligen Konzentrationslager – der Film ist bereits 12 Jahre alt. In Warschau gehört diese Arbeit in den Fundus des Museums für zeitgenössische Kunst, war dort zu sehen wie auch schon in Deutschland.

Was Artur Zmijewski nun so erzürnt, ist, dass er von der Entscheidung, sein Kunstwerk zu entfernen, überrascht wurde. „Niemand hat mit mir gesprochen oder mich vorab informiert“. Auch Anda Rotterberg sei nicht in diesen Prozess eingebunden gewesen; die renommierte polnische Kuratorin hatte es später erst dem Künstler mitgeteilt. Mit Unverständnis reagiert Zmijewski zudem auf den Vorwurf, dass „Berek“ Holocaust-Opfer verhöhne. „Dieses Werk“, so erklärt er, „steht doch nicht losgelöst in der Ausstellung, sondern in einem historischen Kontext der Beziehung Deutschland Polen. Die Schau thematisiert, was unsere Beziehung prägt, und was sie schwierig macht. Und die Beschäftigung mit dem Holocaust gehört definitiv zum Thema.“ Eine Debatte darüber, was Kunst darf und leisten kann, wäre fruchtbarer gewesen.

Zmijewski: „Das ist ein Akt der Zensur. Mir wirft man Respektlosigkeit gegenüber den Opfern vor, gleichzeitig fehlt es hier an Respekt allen handelnden Personen gegenüber, die involviert waren. Einfach das Licht auszumachen, das ist doch eine arrogante Lösung.“ Die einseitig getroffene Entscheidung konterkariere die deutsch-polnische Beziehung.

Die Frage ist, wie es nun weitergeht. Der Vorgang ist nicht ohne Brisanz. Artur Zmijewski leitet die kommende Berlin Biennale im nächsten Jahr, die große Schau für junge Kunst. Auch dort wird es wieder politisch zugehen. Auf seiner Künstlerliste steht vorne an die israelisch-niederländische Künstlerin Yael Bartana mit dem Projekt „Jewish Renaissance Movement in Poland“. Sie setzt sich für die Rückkehr von über drei Millionen Juden nach Polen ein.