Film

Roland Emmerich ist von Hollywood frustriert

Der Regisseur klagt in Stuttgart über seine Situation. Alle wollen nur Blockbuster von ihm statt kleine, coole Königsdramen. Dabei würde er so gerne einen Shakespeare-Film machen. Und was kommt nun stattdessen? Eine Mammutjagd. Mit ganz vielen Spezialeffekten.

Foto: KPA

Er könnte doch auch anders - es lässt ihn nur keiner. Eigentlich würde Roland Emmerich schon seit langem gerne einen kleinen Film über Shakespeare drehen: "Die Idee ist, dass Shakespeare seine Stücke nicht selbst verfasst hat. Das könnte ein sehr kontroverser Film sein. Es geht um Inzest, Könige und Königinnen und hohe Politik", erzählt der Star-Regisseur am Wochenende in Stuttgart, wo er einige Tage Heimaturlaub macht. Und gleich die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg erhalten hat.

Doch der Mann hat ein Problem: Seinen Ruf. "Wenn mir irgendein Studio Geld gibt, dann würde ich den Film machen. Aber das ist schwierig, weil die Studios eben keinen Shakespeare-Film von mir haben wollen. Was ich akzeptieren muss." Es ist schon seltsam: Der Regisseur, der gleich drei Filme in der ewigen Top 100 der erfolgreichsten Filme hat, kriegt sein Traumprojekt nicht gestemmt.

Ärger über Hollywood

Was Emmerich zu sagen hat, mag gefrustet wirken: "Ich ärgere mich manchmal über Hollywood. Als Regisseur hast Du ein Riesenbüro, einen Agenten und einen Rechtsanwalt. Die wissen natürlich, dass sie bei kleinen Filmen weniger Geld machen. Also werden vor allem große Filme gemacht." Doch der Mann ist erkennbar gut gelaunt, wie er da auf seinem Stuhl sitzt. Denn irgendwie mag er sie ja doch ganz gern: die Bombastfilme. Gerade hat der Regisseur nämlich die härtesten Dreharbeiten seiner Karriere hinter sich. Sagt er.

In "10.000 BC" geht es um einen jungen Mann und seinen Stamm, die in grauer Vorzeit leben: Im Jahre 10.000 vor Christus. Emmerich grinst, tippelt nervös mit den Beinen, nimmt die Hände zwischen die Oberschenkel: "Vor ungefähr zehn Jahren habe ich einen Dokumentarfilm gesehen. Es ging darum, wie die Jäger das Mammut ausgerottet haben. Da habe ich gedacht: Da muss ich etwas machen", erzählt der 51jährige über die Ursprünge seines Steinzeit-Epos, das im März 2008 in die US-Kinos kommen soll. Emmerich: "Nach vielen Kämpfen hat es geklappt, den Film umzusetzen."

Ein Kampf waren vor allem die Dreharbeiten in Neuseeland, Südafrika und Namibia. Eigentlich hatte sich der Schwabe nach dem Mel-Gibson-Vehikel "Der Patriot" geschworen, nie mehr "on location" zu drehen. Geschweige denn mit Pferden. "Natürlich haben wir zu 98 Prozent im Freien gedreht - und wieder waren Pferde im Film."

In den Bergen wird es früh dunkel

In Neuseeland habe - anders als von Wetterexperten angekündigt - überall Schnee gelegen. "In meinem Drehbuch war aber nicht von Schnee die Rede. Ich musste also das Skript umschreiben." Und auch ansonsten gab es Herausforderungen allenthalben: "Wir mussten das ganze Produktionsteam mit Helikoptern in die Berge fliegen, was sehr schwierig war. Dort war dann die tägliche Drehzeit begrenzt, weil es in den Bergen so schnell dunkel wird."

Typisch für Emmerich: In seinem neuen Film wimmelt es von Spezialeffekten. Sein erstes fertiges Drehbuch lande immer beim Effekt-Supervisor, so der Regisseur. Was viel über die Prioritäten des Schwaben verrät, der für sich in Anspruch nimmt, die Originalität stehe bei ihm an erster Stelle. "Am Anfang des Films gibt es eine sechs Minuten lange Mammut-Jagd", erzählt er.

Eine Herausforderung für Emmerichs Computeranimatoren: Die Tiere haben sehr lange Haare, was schwierig umzusetzen ist. Emmerich: "Es gibt immer noch Szenen, wo es nicht ganz echt aussieht. Wir haben aber den Anspruch, dass alles total realistisch ist. Weshalb ich sehr lange mit diesem Projekt gewartet habe, bis die technischen Möglichkeiten so weit waren."

Auch primitive Menschen sprechen Englisch

In anderen Szenen ersetzte Emmerich, der mit weitgehend unbekannten Schauspielern drehte, den Hauptdarsteller durch einen digitales Stuntdouble - auch in Nahaufnahmen. "Ich hoffe, wir kommen damit durch, weil er in den Einstellungen rennen wird." Emmerich fasst zusammen: "Ich denke, das wird ein cooler Film."

Einen Wunsch musste er dem produzierenden Studio Warner Brothers aber gewähren: Die Mitglieder des primitiven Stamms werden keinen Urzeitslang, sondern für Kinobesucher verständlicheres Englisch sprechen. Momentan sitzt Emmerich jeden Morgen in einem Postproduktions-Studio in London, um die Nachbearbeitung von "10.000 BC" zu beaufsichtigen. Bis Mitte August muss die Postproduktion abgeschlossen sein.

Ansonsten hat der Sindelfinger noch "vier oder fünf" weitere Filme in Arbeit - natürlich alle mit Spezialeffekten. "Da ist ein Desaster-Film und ein politisches Drama dabei." Und ein Projekt, über das er seinen Zuhörern in Stuttgart nichts verraten will. "Sonst müsste ich Sie danach alle umbringen." Am Ende der Pressekonferenz klatschen die Journalisten (!) trotzdem. Emmerich: "Wenn ich diese Idee so hinkriege, wie ich will, wäre es die totale Sensation." Die tatsächliche Sensation wäre ein Shakespeare-Film "made by Roland Emmerich".