"WELT Edition"

Das Beste aus vier Jahrhunderten Oper

Die neue "WELT-Edition" versammelt in Kooperation mit Sony einige der wichtigsten Werke des Musiktheaters in einer CD-Box.

Foto: picture alliance / Everett Colle

Wo anfangen? Angeblich sollen bis zu 50.000 Opern in irgendwelchen Archiven und Bibliotheken schlummern. Der meist vergessene Löwenanteil dieser beeindruckenden Zahl ist freilich in der nach Musiktheater gierigen Barockzeit verfertigte Meterware.

Doch 100 Werke aus vier Jahrhunderten Oper gehören heute zum immerwährenden Repertoirekanon der großen und kleinen Häuser weltweit. Diese wiederum liegen in unzähligen Gesamtaufnahmen auf dem Tonträgermarkt vor. Oftmals haben in der Hochzeit der Studioeinspielungen dieselben Sänger die gleiche Rolle mehrfach aufgenommen. Die Fülle wird sogar noch verwirrender, weil alle Einspielungen, die älter als 50 Jahre sind, heute rechtefrei von jedem neu gepresst werden können.

"Opern der Welt", eine schlanke, doch durchaus repräsentative zweiteilige Edition mit je zehn kompletten Werken in kompakten Boxen, will hier ein wenig Licht ins Auswahldunkel bringen. Gerade der Vokal-Einsteiger soll hier mit einem preiswerten Angebot zu einer Basisdiskothek verführt werden. Doch auch der Kenner wird mit der "WELT-Edition" seine Sammlung mit der einen oder anderen Kostbarkeit komplettieren.

Die in der Zusammenstellung unabhängige "Welt"-Kulturredaktion hat dabei ganz bewusst die Partnerschaft mit einer einzigen Plattenfirma gesucht. Und als erste Adresse für eine sowohl reichhaltige Titelauswahl als auch für einen hervorragende Interpreten garantierenden Backkatalog hat sich Sony Classical angeboten. Finden sich doch in deren Archiv nicht nur Preziosen aus aktueller Produktion, sondern - durch die diversen Firmenfusionen - das Erbe so traditionsreicher Labels wie RCA, CBS und Ariola Eurodisc.

Der Bogen der Interpreten spannt sich dabei von den größten amerikanischen Sängern bis zu den europäischen und deutschen Spitzenstars. Es sind etliche Einspielungen in dieser Edition zu finden, etwa der feurig-knackige römische "Rigoletto" von Sir George Solti oder Claudio Abbados opulent kantiger "Boris Godunow" mit den Berliner Philharmonikern, die seit Jahrzehnten unangefochten ihre Stellung als Referenzaufnahme behaupten.

Beide Boxen definieren sich jeweils als Schnellparcours durch die Historie der Oper, die sich in ihrer Abwechslung der Stile, Zeiten und Länder wirkungsvoll ergänzen. Die vier beliebtesten Opernkomponisten, die Säulenträger des Spielplans, sind jeweils zweifach vertreten. Von Mozart gibt es sowohl den düsteren "Don Giovanni" (in der besonders vokalprächtigen Version unter Lorin Maazel, einst der Soundtrack zu Joseph Loseys Verfilmung) als auch die volkstümliche "Zauberflöte" - in einer sprachsorgfältigen Aufnahme unter Otmar Suitner.

Giuseppe Verdi ist mit dem frühen "Rigoletto" vertreten, in dem Anna Moffo, Alfredo Kraus und Robert Merrill glänzen, und mit der späten "Aida", ein Fest für Leontyne Price, Plácido Domingo und Grace Bumbry. Richard Wagner findet sich einmal mit dem noch ganz in romantischem Tonfall komponierten "Lohengrin" - als Bayreuther Mitschnitt von 1982 mit dem blonden Schwanenritter Peter Hofmann - sowie mit dem parlandohaften "Rheingold" aus der viel gelobten ostdeutschen "Ring"-Aufnahme mit der Dresdner Staatskapelle unter Marek Janowski. Giacomo Puccini verbreitet seine melodiöse Moderne in einer herausragenden "La Bohème" mit wiederum Domingo und Montserrat Caballé und einer Leontyne-Price-"Tosca".

Der zeitliche Radius der in die Edition aufgenommenen Opern beginnt bei Händels hörenswerter Richard-Löwenherz-Oper "Riccardo Primo" von 1727 und Glucks "Orfeo" (in einer historisch informierten Einspielung unter Frieder Bernius) von 1762.

Er reicht bis zur farbenschillernden "Salome" von Richard Strauss (als Rarität mit der dafür erstaunlich geeigneten Montserrat Caballé), uraufgeführt 1905, und dem Hit von 1928, Brecht/Weills "Dreigroschenoper" - in der klassischen Aufnahme mit der Ur-Jenny Lotte Lenya. Aber natürlich werden auch "Carmen" und "Freischütz", "Der Barbier von Sevilla" und "Fidelio" nicht vergessen. So viel große Oper auf 22 CDs war nie.

Hier können Sie die CD-Box bestellen.