Pop aus Berlin

Tim Bendzko schafft es in die Charts

Berliner Talent: Der Köpenicker Sänger Tim Bendzko wird im August als Support von Joe Cocker in der Waldbühne singen. Sein Album "Wenn Worte meine Sprache wären" stieg auf Platz vier der Charts ein.

Foto: Christian Hahn

Mit einer Ausrede ist Tim Bendzko der Durchbruch gelungen. „Nur noch kurz die Welt retten“, heißt der Debütsong des 26-jährigen Berliners, in dem er über Menschen spottet, die permanent E-Mails checken und vor lauter Erreichbarkeit das iPhone maximal zum Duschen aus der Hand legen. Das dazugehörige Album „Wenn Worte meine Sprache wären“ stieg auf Platz vier der Charts ein. Kein Wunder also, dass der gebürtige Köpenicker momentan die meiste Zeit in Taxis, Hotels und auf Bühnen verbringt.

Am 13. August wird er als Support von Joe Cocker singen, in der Waldbühne. Dort, vor 20.000 Zuschauern, begann vor zwei Jahren auch seine Karriere – als Sieger eines Talentwettbewerbs der „Söhne Mannheims“. Nicht nur der Auftritt war unvergesslich, auch der Weg nach Mannheim ist Tim Bendzko in lebhafter Erinnerung geblieben, wegen der vielen Blitzlichter – auf der Autobahn. „Ich bin wirklich überall geblitzt worden. Einmal sogar mit dem Handy am Ohr“, erzählt er mit Lausbubenlächeln. Das Ergebnis: 17 Punkte in Flensburg. Da wundert es nicht, dass Tim Bendzko, der nach dem Abitur zwei Jahre als Auto-Auktionator jobbte, „Rennfahrer“ als berufliche Alternative zum Musikgeschäft nennt. Ernsthaft.

"Tim, sing' doch mal was"

Aber eigentlich wollte er immer nur Sänger werden. „Schon mein Fußballtrainer hat immer gesagt: ,Tim, sing' doch mal was!'. Ich war der Sänger in der Mannschaft“, sagt Tim Bendzko, der aufs Sportgymnasium ging und dort zum Profifußballer für Union Berlin ausgebildet werden sollte: „Ich habe mich aber nie für so talentiert gehalten. Ich wollte singen.“ Also hat er im Schulbus nicht nur Hausaufgaben gemacht, sondern sich Lieder ausgedacht, sich Dinge von der Seele geschrieben. „Keine Zeit“ etwa oder „Ich laufe“, deutscher Soul-Pop, eine Mischung aus Xavier Naidoo und Clueso. Tiefgründigkeit liegt Tim Bendzko sehr. Nach der Schule studierte er Evangelische Theologie und Nichtchristliche Religionen: „Einfach so, ohne Ziel und nicht zu Ende, nur aus Interesse.“ Die Idee zum Debütsong hat er bei seinem Stiefvater abgeschaut: „Wenn meine Mutter ihn um einen Gefallen oder an den Esstisch gebeten hat, spielte er oft am Computer und entschuldigte sich damit, dass er noch schnell die Welt retten müsse.“

Inspirieren lässt er sich gern, ein Sammler ist er aber nicht: „Ich zwinge mich, wenigstens die Backstagepässe meiner Auftritte aufzubewahren, irgendeine Erinnerung muss man ja behalten. Es gibt wenige Sachen in meiner Wohnung, die älter als zwei Jahre sind.“ Ein digitales Archivstück allerdings könnte mal viel Wert haben. Ein Video mit der eigenen Interpretation des Stefan-Raab-Songs „Wadde hadde dudde da“, das er als Zwölfjähriger zu „TV total“ schickte und das als „Schocker des Tages“ im Internet lief. Am 5. September kommt Tim Bendzko endlich auch ins TV-total-Studio: Er tritt für Berlin beim Bundesvision Songcontest an, dem Musikwettbewerb von Stefan Raab.

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