Tragikomödie

Schweizer Ekelpaket leidet an Sandverlust

In dem Film "Ein Sommersandtraum" (2011) verliert der Hauptdarsteller ständig Sand. Zum Glück gibt es da noch die talentlose Sandra.

Das Kino scheint wie dafür erfunden, wieder und wieder die zentrale These aller Lebenskrisen zu illustrieren – und zwar, dass man erst den Tiefpunkt erreichen muss, bevor es wieder bergauf gehen kann.

Der Höhepunkt, auf dem uns in der ersten Szene von „Sommersandtraum“ Benno (Fabian Krüger), der zentrale Held der Geschichte vorgestellt wird, erweist sich denn auch als von kurzer Dauer, nicht nur, weil es sich um einen sexuellen handelt. Etwas in der Art von „Ich liebe dich wirklich sehr“, flüstert Benno pflichtschuldigst seiner blonden Freundin anschließend zu und da weiß man schon, dass er kein wirklich netter Kerl ist.

Die folgenden Szenen bestätigen den Eindruck: Benno ist einer, der die Bedienung im Café abfällig behandelt, die Werke von Freunden hochnäsig abqualifiziert und ahnungslose Kunden, die sich in sein Antiquariat verirren, hemmungslos übers Ohr haut. Man begrüßt es als Zuschauer unbedingt, dass so einem endlich mal ein bisschen Sand ins Getriebe gestreut wird.

Es beginnt mit einem einzelnen Korn

Es beginnt ganz harmlos, mit einem einzelnen Korn auf dem Ladentisch, das allerdings Bennos Vorgesetzten Max (Beat Schlatter) bereits in hysterischem Alarmismus versetzt. Dann bemerkt Benno am Morgen ein kleines Häufchen auf dem Kopfkissen, bald schon rieselt es ihm auf dem Teller und auf dem Weg zur Arbeit schon ganz aus ihm heraus. Er weiß nicht, wie ihm geschieht.

Die klassischen Hilfeanlaufstellen bringen keinen Rat: Der Arzt findet nichts, der Therapeut freut sich an der „interessanten Metapher“, der Fernsehwahrsager („Ich bin Wahrsager und nicht Wahrwisser“) raunt nur die Zahl neun. Der Zuschauer identifiziert sich natürlich am meisten mit dem Therapeuten, wobei „Ein Sommersandtraum“ weit mehr zu bieten hat, als nur eine in Szene gesetzte Psychometapher.

Sperriger Schweizer Charme

Peter Luisis Komödie unterscheidet sich wohltuend von seinen deutschen Entsprechungen . Die Dialoge sind kurz, aber geschliffen, der Bildwitz wird an- aber nie ausgereizt, und sämtliche Charaktere zeigen herrlich sperrigen Schweizer Charme. Nicht dass er irgendwann bis zum Hals im Sand steckt, bedeutet für Benno, dass er den Tiefpunkt erreicht hat, sondern dass er schließlich die geschmähte Bedienung aus dem Café um Hilfe angehen muss.

Zu Beginn ließ Benno keine Gelegenheit aus, diese Sandra (Irene Brügger), die davon träumt Sängerin zu werden, als hässlich und talentlos zu beschimpfen. Aber nun erscheint sie ihm in seinen Träumen. Dort ist der Sand noch an seinem Platz: am Meeresstrand. Dann stellt sich heraus, dass umgekehrt auch Benno in Sandras Träumen ist. Aber bis zum Happyend muss noch einiges an Sand weggeschaufelt werden.