Kudamm-Komödie

"Das Ende vom Anfang" - die Gag-Maschine stottert

Sean O'Caseys Farce "Das Ende vom Anfang" hat in der Komödie am Kurfürstendamm Premiere gefeiert. Doch was vielversprechend erschien, scheitert in der Umsetzung.

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In der Komödie am Kurfürstendamm feierte das Theaterstück "Das Ende vom Anfang" von Sean O`Casey Premiere.

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Die Requisite hat mal wieder volle Kanne zu tun in der Kudamm-Komödie: Eine Bauernküche muss dran glauben und wird zerlegt. In Sean O'Caseys Farce „Das Ende vom Anfang“.

Das ältlich verdickte, sich mittlerweile gegenseitig arg auf die Nerven gehende Ehepaar Berrill obwaltet in ausgeleierter Routine seiner Daseinspflichten: Sie Haushalt, Einkauf, Viehzeug; er ein kleiner Rumtreiber, der gerade mal die Wiese mäht. Olle Darry, der faule Sack (Achim Wolff), meckert dennoch unentwegt über seine Lizzie (Walfriede Schmitt): „Dein bisschen Haushalt!“ Er selbst würde den selbstverständlich mit links erledigen. Dieses Macho-Geplapper geht der emsigen Heimarbeiterin mächtig auf den Keks. Bis ihr der Kittel platzt: „Dann mach's doch selber mal!“ Darry lässt, und Lizzie entschwindet an die Landluft. So nimmt das Unglück seinen Lauf in dieser total verrückten Komödie.

Rotzig realistisch, saftig kritisch

Der in einem Dubliner Elendsviertel geborene O'Casey (1880-1964) schrieb eine Fülle rotzig realistischer, saftig kritischer Stücke mit heftig zu Herzen gehender Tragikomik. „The End oft the Beginning“ ist sein hierzulande meistgespieltes Stück. Und weil das krachende Scheitern von Darry als Hausmann im Alleingang nicht wirklich theatralisch krachend vorzuführen ist, gibt ihm der Autor einen Mitmacher: Kumpel Barry (Florian Martens). Womit die klassische Clowns-Konstellation Dick und Doof hergestellt ist.

So legen denn die beiden Deppen los nach einem kecken Liedchen („Da, wo die Bienen summen, sind die wilden Blumen…“), das sie zu Mandoline und Blockflöte nicht ganz einträchtig trällern. Schließlich waren sie verabredet zur Probe für ihren Auftritt zum Schützenfest. Dann kommt es zum berühmten „bisschen Haushalt“. Dann wuchert die folgenschwere Raserei männlichen Ungeschicks: Schränke kippen, Fenster klirren, Geschirr bricht, harmlose Gerätschaften werden zu Waffen, Blut fließt aus zerkloppter Nase und zerschnippeltem Finger, die Kuh spielt verrückt und bald steht das ganze Haus kurz vorm Abfackeln.

Regisseur Risse versagt

Die beiden Hanseln geben die für jeden Schauspieler luxuriöse Gelegenheit, alle Muster des klassischen Komikerduos durch zu exerzieren. Und dabei vorzuführen, wie sich aus banalen Tücken des Alltags die finale Katastrophe zusammen schiebt – als lachhaftes Sinnbild des Menschendaseins. Der Einakter als Happening für Hochleistungsspieler. Für eine Super-Slapstickiade, angetrieben von hochtouriger Gag-Maschine. Und eine Extrem-Herausforderung für jeden Regisseur. Doch der so erfahrene Carl-Hermann Risse versagte erschreckend. Seine Fantasie war wie abgestellt. Die Gag-Maschine stotterte. Keine Slapstickiade, höchstens ein paar schlappe Stückchen. Die Vernichtungsorgie bloß als ordentliches Zerkloppen. Und das bei diesen drei sich freilich verbissen abrackernden Schauspielstars! Unglaublich! Was man andernorts erregend sah (Volksbühne, Regie: Tragelehn; Wien, Regie: Breth), hier ist es kaum zu ahnen: Das artistische Spiel-Spektakel bei entsetzlich mächtigem Menscheln weit hinaus übers Satirische, sarkastisch und zynisch grinsend beim gegenseitigen Massakrieren quasi nebenbei und unbeabsichtigt. Nein, diese gälische Bauernbude (lustig dekoriert von Anna Cumin) ist kein Vorhof zur Hölle, vielmehr ein Örtchen ohne Hintersinn. Für eine flaue Klamotte der Hampelmänner. Haben die Komödie und dieses Ensemble nicht verdient.

Komödie am Kurfürstendamm 125, Berlin- Charlottenburg. Termine: bis 20. November 2011, Tel.: (030) 88591188.