"Khodorkovsky"

Chodorkowski – Ex-Oligarch in der gläsernen Zelle

Erst Kommunist, später Kapitalist, dann Idealist: Das bietet der rätselhafte Michail Chodorkowski seinen Deutern auch im Film "Khodorkovsky" an.

Erst Kommunist, später Kapitalist, dann Idealist: Das ist das grobkörnige Bild, dass der rätselhafte Michail Chodorkowski seinen Deutern anbietet. Viel mehr Tiefenschärfe verleiht auch Cyril Tuschi mit seinem Dokumentarfilm "Khodorkovsky" dem inhaftierten russischen Ex-Oligarchen nicht.

Umso prägnanter fängt der deutsche Regisseur die tiefen Risse in der Fassade der von Anfang an bröckeligen russischen Demokratie ein. Vom Kommunismus zu den Megareichen war es ein Katzensprung in den Neunziger-Jahren.

Chodorkowski stieg schnell auf

Korruption von ganz unten bis hoch in die Staatsführung erwies sich als das Schmiermittel für den Wandel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Chodorkowski fand schnell die Formel für seinen Aufstieg.

Als Chef des Ölkonzerns Jukos wurde er binnen eines Jahrzehnts zum reichsten Russen. Doch als ausgerechnet er sich lautstark für ein weniger korruptes, offeneres Russland engagierte, machte er sich Präsident Wladimir Putin zum Feind. Das Ende der Geschichte: Seit acht Jahren ist Chodorkowski in Haft, sechs weitere kamen nach einem zweiten undurchsichtigen Prozess jüngst hinzu.

Der Coup der Dokumentation: Tuschi ist der Erste, der Chodorkowski seit Haftbeginn vor der Kamera befragen durfte. Inhaltlich ergiebig ist das Interview nicht.

Film hinterfragt das "neue Russland"

Und diese Bilder sind die spektakulärsten des Films: das sphinxhafte Lächeln des sich ungebrochen gebenden Chodorkowski in seiner gläsernen Zelle im Gerichtssaal, im Hintergrund Polizisten mit ihren Maschinengewehren. Anderes wie die Festnahme Chodorkowskis per Sturmangriff auf sein Privatjet oder ein Bad im Gold visualisiert Tuschi mit kurzen Animationsszenen.

Der Rest des Films beschränkt sich vor allem auf "talking heads", die Köpfe derer, die Tuschi beharrlich zum Reden gebracht hat: Geschäftspartner Chodorkowskis, die ins Exil geflohen sind, seine Mutter, seine Ex-Frau, seinen Sohn, Spekulanten und Kreml-Berater.

Tuschi hat keine endgültige Antwort zum Wesen seines Titelhelden gefunden, der in Russland immer mehr zum Märtyrer der Oppositionellen erhoben wird. Aber sein Film stellt wichtige Fragen an das Wesen des "neuen" Russland.

16.2., 17:30 Uhr, Cubix 7

20.2., 15:30, Colosseum