Schuhmacher-Affäre

Als Rapper Marteria auf den Boulevard ging

Immer wieder beteuerte Cora Schuhmacher mit Rapper Materia nur gut befreundet zu sein, doch dann wurden beide ertappt. Jetzt will Materia keine Aufmerksamkeit mehr für Kuss-Künste, sondern für seine Musik.

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Bereits die Kleinsten wollen heute Fußballprofi werden, Model oder Musiker. Marten Laciny, 28 Jahre alt, war alles. Er sitzt in den Räumen einer ehemaligen Fabrik am Spreeufer in Kreuzberg, mitten in der neuen deutschen Kreativwirtschaft. Hinter den Backsteinwänden werden keine Güter mehr gefertigt, sondern Images, Ideen, Kaffee und Milchschaum. Es gibt Raucherzimmer, und Laciny nebelt sich genüsslich ein. Als Rapper hieß er Marsimoto, seit vier Jahren tritt er allerdings als Marteria auf. Nun ist er auf dem Boulevard gelandet, seit er mit der der Ehefrau des Rennfahrers abgelichtet wurde - dabei entstanden Fotos, die man obskur finden kann.

Doch es ist ungerecht, den Mann dahinter nicht zu betrachten. Marteria kommt 1982 auf die Welt, in Rostock. Er verlebt die Kindheit in Groß Klein, einem der Neubauviertel, die damals im Hinterland von Warnemünde in die Heide wachsen, neben spiegelgleichen Hochhaussiedlungen wie Lütten Klein und Lichtenhagen. Niemand spricht von Plattenbauten oder Gettos. Die Lacinys wohnen gern und komfortabel zwischen Arbeitern und Akademikern.

Als er 1999 bei einer Reise nach New York City von einem Modelscout entdeckt wird, nimmt er von dort aus Modelaufträge in der ganzen Welt an. Er arbeitete unter anderem für Diesel und Hugo Boss. Danach stieg er aus der Modelwelt aus und kam zurück nach Rostock, um fortan seine Rap-Karriere zu verfolgen.

Sein Hobby Hip-Hop steckt Ende der Nullerjahre in der Krise. Große Plattenfirmen wollen keine neuen Rapper mehr, der Markt wirkt satt. Unter dem Künstlernamen Marsimoto nimmt er „Halloziehnation“ auf, eine Platte, die in Hip-Hop-Zirkeln mit Respekt behandelt wird. Der Sänger Jan Delay ist ebenfalls beeindruckt und reist mit Marteria durch Deutschland. Durch die Auftritte wird eine Firma auf ihn aufmerksam, Four Music, gegründet von den Fantastischen Vier. Hier unterschreibt Marteria seinen ersten ernsthaften Vertrag als Musiker. Im Februar 2009 tritt er für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit seinem Titel „Zum König geboren“ beim Bundesvision Song Contest an und belegt den zwölften Platz. Der Junge aus der Platte von Groß Klein, der damit angefangen hatte, Texte seiner Helden aus Amerika zu übersetzen, um das Rappen zu erlernen, und mit Freunden graue Wände zu besprühen, darf sich hauptberuflich Rapper nennen. „Rückblickend betrachtet, hatte alles seinen Sinn“, sagt er.

Was da nun genau war an diesem Tag, an dem Marteria auf den Boulevard kam? Seine Managerin lässt freundlich ausrichten, er werde sich zu solchen Fragen nicht äußern. Der Rapper selbst schweigt. Noch.

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