Gallhammer

Japanische Extreme-Metal-Girls vertonen Fukushima

Gallhammer sind keine gewöhnliche Girlie-Band: Die Japanerinnen machen auf dem Album "The End" (2011) keinen Pop oder R'n'B, sondern Extreme Metal.

Drei Kernschmelzen, 4000 Millisievert pro Stunde am Block 1 von Fukushima und das wüste Hinterland. Der Westen staunt, wie Japan mit der Katastrophe umgeht: Arbeiter mit Plastikhauben räumen ihre Reaktoren auf. Die Obdachlosen lassen sich von fahrenden Sumoringern trösten.

Japan reagiert, wie sich der Westen die Japaner wünscht. Als leidensfähiges Land des Lächelns, über dem die Sonne aufgeht und die Nachfahren der Samurai sich wieder todesmutig in den Alltag stürzen.

Ork-Gebrüll aus Japan

Allerdings bringt die japanische Gesellschaft auch die radikalsten Abweichler und Aussteiger hervor und musikalische Extreme: Eri Isaka gründete 2003 die Gruppe Gallhammer, heißt seither Vivian Slaughter und brüllt im Gesang wie eine Horde wütender Orks in Mittelerde. Niemand weiß, wie sie das anstellt, und es wagt auch niemand, sie danach zu fragen.

Gallhammer besteht neben der Sängerin am Bass aus einer Gitarristin, die sich Mika Penetrator nennt und Risa Reaper, einer Trommlerin. Das Trio hat nicht viel gemein mit harmloseren Frauenbands aus Japan, mit The Suzan oder Shonen Knife.

Wo Heavy Metal aufhört, fangen Gallhammer erst an: Getragenes Grunzen über atomaren Klanglandschaften und verzweifeltes Gebrüll vor donnernden Naturgewalten. Ihre Stücke tragen Titel wie "Rubbish CG 202“, "108=7/T-NA“ und "Entropy G 35“. Oder schlicht "The End“. Japaner können auch anders.

Gallhammer: The End (Peaceville)