Buchmesse

Buchpreis-Longlist – Frauen sind die großen Kaliber

Die Jury für den deutschen Buchpreis hat die 20 besten Romane ausgewählt. Und obwohl sie nicht in der Mehrzahl sind, fallen die Frauen besonders auf.

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Rein numerisch haben sie nicht die Oberhand. Aber die acht Frauen auf der zwanzig Titel umfassenden Liste für den Deutschen Buchpreis , die am Mittwoch bekanntgegeben wurde, wiegen qualitativ schwer. Sie – und nicht die Herren der Schöpfung – sind hier die großen Kaliber, allen voran die Galionsfiguren bei Suhrkamp.

Da wäre einmal die erstaunliche Sibylle Lewitscharoff, die mit „Blumenberg“ vom Einbruch des Absoluten in das Leben eines Vorzeige-Intellektuellen der alten Bundesrepublik erzählt, zum anderen Judith Schalansky, die sich in „Der Hals der Giraffe“ als Kulturkritikerin von Graden zu erkennen gibt.

Dicht auf den Fersen ist ihnen eine der großen Stilistinnen unserer Tage, die mit jedem Buch besser wird: Antje Ravic Strubel . Jetzt legt sie mit „Sturz der Tage in die Nacht“ eine raffinierte Geschichte über das Fortwirken der DDR vor. Diesen drei Grazien gegenüber fallen die fünf anderen Autorinnen ab, immerhin sind aber altgediente Paradepferde darunter wie Angelika Klüssendorf und Marlene Streeruwitz.

Kommen wir zu den verbleibenden zwölf Herren. Um es gleich zu sagen: Um Apostel handelt es sich da nicht. Damit sind nicht nur Hintersassen wie Michael Buselmeier oder Klaus Modick gemeint. Auch Wilhelm Genazino, dem wir seit Jahren beim Versiegen zuschauen können, gehört nicht auf diese Liste.

Hingegen wird nicht aufgeführt Martin Walsers „Muttersohn“, das ja, gemessen an dem, was der Mann in den vergangenen Jahren sonst so aufgetischt hat, ein ganz ordentliches Buch ist. Hier also Fehlanzeige – na, wenn schon. Helmut Kraussers „Die letzten schönen Tage“, vielleicht eine Spur zu routiniert, aber doch eine erfreuliche Rückkehr zum Seriösen bei diesem immer vom Kitsch bedrohten Autor, wo bleibt's?

Neues und Obligatorisches in der Liste

DuMont hat sich offenbar für Jan Brandt entschieden und diesen ins Rennen geschickt. Dagegen ist nicht viel zu sagen, denn bei Brandts „Gegen die Welt“ handelt es sich um eines der ehrgeizigsten Buchprojekte dieses Herbstes, einen 900 Seiten umfangreichen Bildungsroman aus der Provinz, deutsche Ursuppe also – und: Der Autor ist ein Debütant.

Von denen sind noch zwei weitere in die engere Wahl gelangt, was für die Aufgeschlossenheit und Neugier der Juroren spricht. Eugen Ruge, ein bereits älteres Semester, liefert mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ den obligatorischen Familienroman, bei dem Günter Grass angeblich die Pfeife ausging, wie der Rowohlt Verlag unappetitlicherweise das Buch bewirbt.

Jens Steiner („Hasenleben“), der dritte Debütant, scheint jedenfalls kein Quoten-Schweizer zu sein, sondern ein sprachlich interessanter Autor von Beziehungsgeschichten. Kurzum: Der Countdown für Frankfurt läuft, die Pulsfrequenz steigt.

Auszüge der Longlist-Romane sind kostenlos über www.libreka.de abrufbar; außerdem gibt der Börsenverein ein „Lesebuch“ mit Kostproben. Das Buch ist ab 22. August in vielen Buchhandlungen erhältlich.