Auszeichnung

Stasi-Drama räumt beim Filmpreis ab

Der Film "Das Leben der Anderen" wurde gleich mit sieben Lolas ausgezeichnet. Der Publikumserfolg "Sommer vorm Balkon" ging hingegen leer aus.

Foto: ddp

Mit gleich sieben Lolas ist das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ der große Gewinner beim 56. Deutschen Filmpreis. Der Debütfilm von Florian Henckel von Donnersmarck über die Machenschaften des DDR-Geheimdienstes wurde am Freitagabend in Berlin zum besten Spielfilm (500.000 Euro) gekürt. Ulrich Mühe wurde außerdem für seine Rolle eines Stasi-Hauptmanns als bester Schauspieler ausgezeichnet. Weitere Preise vergab die Deutsche Filmakademie an Ulrich Tukur als Nebendarsteller sowie für Regie, Drehbuch, Kamera und Szenenbild.

Die 2000 Gäste im Palais am Funkturm, darunter Stars wie Mario Adorf, Iris Berben, Maximilian Schell und Vorjahressieger Dani Levy (“Alles auf Zucker!“) nahmen die Akademie-Entscheidung mit viel Applaus auf. Bereits 800.000 Kinogänger haben „Das Leben der Anderen“ gesehen. Der Film erzählt die Geschichte eines Stasi-Spitzels, der ein Künstlerpaar überwacht und am Ende mit seinen Opfern mitfühlt.

Sandra Hüller für “Requiem“-Rolle ausgezeichnet

Der Filmpreis in Silber (400.000 Euro) ging an das Sozialdrama „Knallhart“ von Detlev Buck über den brutalen Alltag eines Jugendlichen im Berliner Problembezirk Neukölln. Ebenfalls einen Filmpreis in Silber (400.000 Euro) erhielt Hans-Christian Schmid für seinen Film „Requiem“ über eine Teufelsaustreibung in der süddeutschen Provinz. Der Mitfavorit für den besten Film räumte insgesamt 5 Lolas ab. Beste Schauspielerin wurde Sandra Hüller für ihre Rolle einer vermeintlich vom Teufel besessenen Studentin in „Requiem“. Für ihre Darstellung hatte Hüller bereits den Silbernen Bären der Berlinale erhalten. Imogen Kogge erhielt für ihre „Requiem“-Rolle den Preis als beste Nebendarstellerin.

„Sommer vorm Balkon“ geht leer aus

Sowohl der Publikumsliebling „Sommer vorm Balkon“ von Andreas Dresen als auch „Elementarteilchen“ von Oskar Roehler gingen leer aus. Emotionaler Höhepunkt war die Verleihung des Ehrenpreises an die Münchner Filmagentin Erna Baumbauer. Der Schauspieler Bruno Ganz überreichte der sichtlich gerührten 87jährigen Mutter von Frank Baumbauer, Intendant der Münchner Kammerspiele, die Auszeichnung für ihre herausragenden Verdienste um den deutschen Film. Zu Erna Baumbauers Schauspielerteam gehören neben Ganz auch Maximilian Schell, Angela Winkler, Otto Sander, Peter Weck und Ulrich Mühe.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sieht den deutschen Film wieder im Aufwind. „Nach vielen Jahren auch des Selbstmitleids ist die Stimmung umgeschlagen“, sagte er. Gerade in der Saison 2005/2006 habe es eine große thematische künstlerische Bandbreite mit fantastischen Filmstoffen auch aus der deutschen Geschichte gegeben, mit denen sich viele Menschen identifizieren konnten. Der mit rund 3 Millionen Euro höchst dotierte deutsche Kulturpreis wird aus dem Etat des Kulturstaatsministers finanziert und von den 768 Mitgliedern der Deutschen Filmakademie vergeben.