Freiluftoper

Seefestspiele sollen mehr Plätze bekommen

Trotz des schlechten Sommers besuchten fast 40.000 Zuschauer die Seefestspiele am Berliner Wannsee. Deag-Chef Schwenkow will die Aufführungen zu einer Tradition werden lassen.

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Die „Zauberflöte“ kann offenbar keine Widrigkeit so recht erschüttern. 220 Jahre alt ist Mozarts Singspiel mittlerweile schon und es gibt trotzdem noch jedes Jahr gut 50 Neuinszenierungen des Zweiakters auf deutschen Bühnen. Und auch wenn eine dieser Neuinszenierungen wirklich unter keinem guten Stern zu stehen scheint – am Ende wird sie doch ein voller Erfolg. Anders kann man die Bilanz der „Seefestspiele“ am Wannsee nicht bezeichnen. Am Sonntag ging die letzte Vorstellung über die Bühne, fast 40.000 Zuschauer sahen damit insgesamt die Neuinterpretation von Katharina Thalbach.

„Im schlechtesten Sommer seit 15 Jahren sind die Seefestspiele ein voller Erfolg“, sagt Peter Schwenkow, Chef des Veranstalters, der Deutschen Entertainment AG (Deag). „Die Leute sind trotz Regen und Kälte gekommen und waren begeistert.“ Die Aufführungen seien durchschnittlich zu gut 85 Prozent ausgelastet gewesen, sagt Schwenkow. Keine der Veranstaltung unter freiem Himmel habe ausfallen müssen.

Projekt stand anfangs auf der Kippe

Dabei stand kurz vor der Premiere am 11. August noch das gesamte Großereignis selbst auf der Kippe. Schwenkow hatte seine Bühne mit der prägnanten Kulisse einer 18 Meter hohen Pyramide eigentlich ja auf dem Wannsee aufbauen wollen. Doch Ende Juli hatte die Umweltverwaltung der Deag plötzlich die erforderliche Genehmigung verweigert, weil notwendige Unterlagen etwa zur Statik der Bühne fehlen würden. Außerdem machte eine Wasserleitung im Boden unterhalb der Bühne Probleme, die womöglich durch das Gewicht der Aufbauten hätte beschädigt werden können. Das ganze Projekt drohte zu scheitern, es gab sogar Krisensitzungen mit den Genehmigungsbehörden, der Deag und dem Regierenden Bürgermeister im Roten Rathaus.

Schließlich wurde die Bühne kurzerhand vom See an Land verlegt. Mit 200 Mitarbeitern – dreimal mehr als ursprünglich geplant – wurde im strömenden Regen die neue Bühnenkonstruktion errichtet. Und Katharina Thalbach musste spontan ihre Inszenierung den neuen Bedingungen anpassen.

500.000 Euro Mehrkosten

Jetzt zeigt sich Schwenkow begeistert von der neuen Örtlichkeit. An Land wirke die Bühne noch viel besser als auf dem Wasser, sagt er. Ton und Licht ließen sich besser einstellen, und am Wasser sei es nicht nur kälter – bei Sommern wie diesem ein entscheidender Faktor für die Zuschauer – sondern auch windiger. „Dadurch wäre viel von der Inszenierung weggeweht worden“, so Schwenkow.

Doch die Bühne spontan an Land aufzubauen, ging auch ins Geld. Auf rund 500.000 Euro beziffert Schwenkow die Mehrkosten, die durch die spontane Umplanung entstanden sind. Wie hoch die Summe der zusätzlichen Kosten für die Umbaumaßnahmen am Ende wirklich gewesen ist, soll jetzt ein Kassensturz zeigen, den die Deag nun nach der letzten Vorstellung machen will. Von diesem Kassensturz hängt viel ab – schließlich möchte die Deag das Open-Air-Spektakel am liebsten zu einer Dauereinrichtung im Berliner Sommer machen. „Wir müssen nun schauen, wie hoch die Investitionen im ersten Jahr waren und wie wir wirtschaftlich weiterarbeiten könnten“, sagt Schwenkow. Da die Deag für die Seefestspiele keine Subventionen bekomme, seien das die entscheidenden Fragen.

Der Unternehmer ist jedoch optimistisch. Es seien fast 40.000 Besucher gekommen, trotz der Querelen im Vorfeld, trotz des Wetters – und vor allem auch trotz der Tatsache, dass Berlin eigentlich ja drei Opernhäuser habe. „Es gibt also einen Bedarf nach einer Sommeroper“, sagt Schwenkow. Ihn freut besonders, dass gut 25 Prozent der Besucher Touristen von außerhalb der Region gewesen seien – obwohl bundesweit nur wenig Werbung für das Spektakel gemacht worden sei. Mit besserem Wetter und ohne die Negativ-Schlagzeilen seien für die kommende Saison sicherlich noch weit höhere Besucherzahlen zu erzielen, glaubt Schwenkow.

1000 Plätze mehr schaffen

Um die Seefestspiele profitabel zu betreiben und langfristig „zu einer Institution“ zu machen, möchte Schwenkow gern das Platzangebot erweitern. Statt 3800 Plätze möchte er 1000 mehr anbieten. „Dafür müsste die Bühne 15 Meter näher ans Wasser gerückt werden“, sagt er. „Das müsste wieder neu genehmigt werden.“

Vonseiten des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf bekommt die Deag dafür positive Signale. „Alles was der Bezirk dazu beitragen kann, um aus den Seefestspielen eine Traditionsveranstaltung zu machen, werden wir gern tun“, sagt Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). Platz genug sei vorhanden im Strandbad, neue Genehmigungsschwierigkeiten dürften nicht auftauchen. „Die Seefestspiele sind eine echte Bereicherung für den Bezirk, für ganz Berlin“, sagt Kopp.

Bis Anfang Oktober will die Deag über eine Fortsetzung der Sommeroper entscheiden. Im kommenden Jahr könnte dann ein weiterer populärer Klassiker der Operngeschichte gezeigt werden. Schwenkow liebäugelt derzeit mit „Carmen“, aber auch „Aida“ kann er sich vorstellen. Schwere Kost soll es keine geben. „Freiluftoper soll Spaß machen“, findet er.