Reality-TV

Darf im Fernsehen geraucht werden?

Was haben Humphrey Bogart, James Dean und Helmut Schmidt gemeinsam? Richtig, die Zigarette im Mundwinkel. Sie war schon immer ein TV-Liebling, ob bei „Casablanca" oder „Coffee & Cigarettes". Das ist natürlich nicht mehr zeitgemäß und die Anti-Raucher machen mobil.

Foto: dpa WELT ONLINE / dpa

Angenommen, Sie wollten sich das Rauchen abgewöhnen. Die größte Hürde dabei immer: Wie fülle ich meine Freizeit, ohne in Versuchung zu geraten? Rausgehen? Nicht gut, Sie könnten anderen Rauchern über den Weg laufen. Essen? Schwierig, wegen der Kippe danach. Sex? Das gleiche Problem wie beim Essen. Fernsehen? Gute Idee! Der Kopf ist abgelenkt und die Hände können mit der Fernbedienung rumspielen. Es sollte bloß nicht gerade der kettenrauchende Helmut Schmidt interviewt werden.

Wie groß ist die Chance, beim Fernsehen durch ein schlechtes Beispiel rückfällig zu werden? Dr. Reiner Hanewinkel ist Co-Autor der Studie „Rauchen in Film und Fernsehen", die eine Woche deutsches Fernsehprogramm zwischen 15 und 24 Uhr auf Nikotin getestet hat. Ergebnis: In 45 Prozent der untersuchten Sendungen wurde geraucht. Einen ganzen Abend Fernsehen, ohne dass eine Zigarette auf dem Bildschirm angezündet wird,

daraus wird wohl nichts. Fast jede zweite Sendung kann auf das Nikotin nicht verzichten.


Ist das viel? „ Mehr als zum Beispiel in den USA oder Neuseeland", sagt Dr. Hanewinkel. Zum Vergleich: In Neuseeland wird nur in einem Viertel der Sendungen geraucht. Wenn Sie auswandern, halbieren Sie also das Risiko rauchenden Menschen im Fernsehen zuschauen zu müssen. Wem das zu drastisch ist, der kann stattdessen versuchen, mit Hilfe der Programmzeitschrift typische Raucherfilme zu umgehen.

Worauf muss man da achten, Herr Hanewinkel? "In Spiel- und Kinofilmen wird eindeutig mehr geraucht, das gilt besonders für Actionfilme." Vermeiden Sie also spannende Action-Kracher, die Aufregung ist doppelt gefährlich. Alle Bösen rauchen und Sie brauchen nachher eine Kippe, um sich zu beruhigen. Aber selbst der Kinderkanal ist nicht sicher. Hanewinkel hat beobachtet, „dass in deutschen Kinderfilmen viel geraucht wird." Zumindest im Vergleich zu amerikanischen Familienfilmen. Das liegt an unterschiedlichen Toleranzschwellen der Öffentlichkeit, glaubt der Wissenschaftler: „Til Schweiger mit Zigarette in ‚Traumschiff Surprise' würde in den USA sicher eine Diskussion auslösen, die es so in Deutschland bisher nicht gibt."

Zum Beispiel über eine höhere Altersfreigabe für Filme, in denen Rauchen glamourös in Szene gesetzt wird. So wie es seit Mitte Mai die amerikanische Filmprüfstelle handhabt. „Warum sollte die deutsche ‚Freiwillige Selbstkontrolle' darüber nicht auch mal nachdenken?", meint Hanewinkel. Das löst aber immer noch nicht das Problem, wie man als Nikotinsüchtiger auf Entzugskur die Suchtimpulse umgeht. Am einfachsten wäre, die gängigen Warnhinweise etwas zu erweitern: „Dieser Film ist geeignet für Zuschauer ab 16 Jahren, sofern sie nicht gerade versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören."