"Dalli-Dalli"-Comeback

Heiner Lauterbach und die Probleme beim Küssen

Die Wiederauflage der beliebten Spielshow "Dalli-Dalli" mit Kai Pflaume hat bis auf den Moderator wenig Neues. Spaß macht die Show trotzdem – dank der Gäste.

In einer von Bertold Brechts doppelbödigen Geschichten von Herrn Keuner begrüßt ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, ihn mit den Worten: "Sie haben sich gar nicht verändert." Herr K. antwortet darauf „Oh“ und erbleicht. 40 Jahre nach der ersten und 25 Jahre nach der letzten Sendung ist Dalli Dalli, das „Ratespiel für Schnelldenker“ wieder auf Sendung.

Einiges hat sich verändert, Einiges ist gleich geblieben: „Das ist der Buzzer von früher.“, freute sich Moderator Kai Pflaume zu Beginn des Spiels „Dalli-Dalli-Tonleiter“. Erfinder Hans Rosenthal nannte in der letzten Folge den elektrischen Signalgeber, den man betätigen muss, um die Fragen zu beantworten, nur „Knöpfchen, hier muss man drücken“.

Das war im September 1986. Damals hatte man im Deutschen Fernsehen noch keinen festen Begriff für dieses Gerät, erst recht keinen coolen englischen. Es musste schnell gehen in der Sendung und der eloquente Berliner Entertainer hielt sich nicht lange auf mit verqueren Worten.

Kai Pflaumes „Buzzer“ erinnerte den Zuschauer auch verbal daran, dass er sich nicht in einer Zeitkapsel befindet, zurück in die Jahre, als die Bundeskanzler in Deutschland noch Männer waren und Helmut mit Vornamen hießen.

Vieles wurde in der Neuauflage der legendären Spielshow aus den 70er- und 80er-Jahren aber beibehalten. Durch die sich öffnende Wabenwand kam der Moderator zur bekannten Erkennungs-Melodie ins Studio. Teams traten im Wettstreit gegeneinander an. Es gab schnelle Raterunden, Aktionsspiele, die Dalli-Dalli-Tonleiter, Dalli-Klick. Sogar der Sprung zur Belohnung einer famosen Leistung mit den Worten „Sie sind der Meinung, das war spitze!“ kam zum Einsatz.

Im Vorfeld gab es Diskussionen, ob sich Kai Pflaume dieses Markenzeichen von Hans Rosenthal aneignen dürfe. Nicht, weil man ihm nicht zutraut, sich ordentlich in die Höhe zu hieven. Pflaume ist ein sportlicher Typ, der schmal geschnittene Anzüge trägt und sicher regelmäßig ins Fitness-Studio geht. Der Luftsprung ist vielleicht das persönlichste Vermächtnis Hans Rosenthals. Kai Pflaume führte ihn aus, weil er meint, in diesem Sprung stecke eine Energie, die auf das Publikum übergeht.

Damals war das eingefrorene Bild mit dem Moderator, der für einen Moment die Schwerkraft überwindet, eine technische Neuerung. Heute wirkt es vor allem nostalgisch. Sehr dezent und bedacht wurden also die Änderungen ins Konzept der Show eingeflochten.

Es gab zwei Spielerteams, nicht wie damals vier. Das Team „Mattscheibe“ wurde von Schauspielerin Jenny Jürgens und ZDF-Polittalker Peter Hahne gebildet. Unter dem Namen „Männer“ fanden die beiden Schauspieler aus Doris Dörries gleichnamigem Kinoerfolg wieder zusammen: Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach.

Letztgenannte zeigten sich als wahre Unterhaltungstalente, weil beide miteinander genauso funktionierten oder nicht funktionierten wie in dem Film, der sie in den 80ern berühmt gemacht hat. Ochsenknecht und Lauterbach stellten sich als perfekte Kandidaten für ein Format heraus, in dem Prominente unvorbereitet in Situationen gebracht werden, in der sie improvisieren müssen.

Heiner Lauterbach antwortete in den Raterunden sehr spontan und verfrachtete bei der Frage „Was erwartet Sie in der Hölle?“ seine halbe angeheiratete Familie in die Unterwelt. Besonders wenn eine Aufgabe daneben ging, war das für den Zuschauer kurzweilig. Uwe Ochsenknecht konnte im Finale nicht eine einzige Wissensfrage lösen und gab falsche – „amüsant intelligente“ Antworten. Diese trieben seinen Kollegen so zum Lachen, dass er seinen Spielpart nicht mehr ausführen konnte, was dem bis dahin führenden „Männer“-Team den Sieg kostete.

Beim Aktionsspiel „Küssen ist Föhn“ versagte dann Heiner Lauterbach fast. Er schaffte es nur mit Mühe Tischtennisbälle, die über einem laufenden Föhn schwebten, mit dem Mund anzusaugen. Seine Unbeholfenheit bewirkte bei Kai Pflaume einen Lachanfall. Es war eine rührende Szene.

Denn sie machte die Stärke dieses Showformats deutlich, die in den unvorhersehbaren Momenten zu suchen ist, auf die der Moderator schnell reagieren muss. Die dafür notwendige Spontaneität gepaart mit seinen Gastgeberqualitäten waren die Haupteigenschaften von Hans Rosenthal. Kai Pflaume, der mit merklichem Spaß durch die Sendung führte, machte dabei eine gute Figur.

Auch Kandidatin Jenny Jürgens war mit Freude bei der Sache. Beim Spiel „Dalli-Klick“, bei dem ein Foto puzzle-artig enthüllt wird, überzeugte sie mit kreativer Assoziationskraft: „Flugzeug, Auto, Hemdkragen – Udo Lindenberg.“ Die ungewöhnliche Herleitung sowie alle anderen Ergebnisse wurden von zwei, nicht wie damals von drei, Juroren festgehalten. Tagesschau-Sprecher Jan Hofer vollführte diese Aufgabe seriös und mit einem kleinen Augenzwinkern.

Mit-Jurorin Verena Püschel blieb dagegen unauffällig. Noch scheint sie kein Ersatz für die unnachahmliche Brigitte Xander zu sein, die zu Rosenthals Zeiten mit Charme und Präzision schneller jeden Punktestand errechnete, als man selbst in den damals noch neuen Taschenrechner tippen konnte. Nebenbei hatte die Österreicherin sogar noch Muße ihren Nebensitzer Christian Neureuther liebevoll zu piesacken.

Verzichtet wurde leider auf die Publikumsbeteiligung, im Original ein wichtiger Baustein der Sendung. So meldeten sich zum Spiel „Dalli-Dalli-Tonleiter“ Zuschauer per Handzeichen zum Mitraten. Außerdem konnte man sich um eine Raterunde gegen ein Prominenten-Team bewerben. Schade, dass ausgerechnet die Interaktion mit dem Publikum der Neuerung der Spielshow zum Opfer gefallen ist.

Trotzdem fand Hans Rosenthals Sohn Gert die erste Sendung mit Kai Pflaume „Spitze!“ und freute sich am Ende über 5060 Euro für die Hans-Rosenthal-Stiftung, die unverschuldet in Not geratene Menschen unterstützt.