Countryrock

John Hiatt verflucht den Sündenpfuhl namens Stadt

Mit dem Fatalismus der Beladenen zieht John Hiatt seit Jahrzehnten durch Armerika. Auch auf seinem 20. Studioalbum hat er nichts verlernt.

Die Stadt ist schuld, wenn sich der Vater tot säuft. Wenn der eine Bruder sich beim Kartenspiel erschießen lässt, der zweite einen Peilsender der Polizei am Fuß trägt und der dritte Untaten begeht, von denen seine Mutter nie erfahren darf. John Hiatt verflucht die Stadt als Ort der Sünde. „Damn This Town“ eröffnet Hiatts beste Platte seit sehr vielen Jahren.

Er ist 59 Jahre alt, der Schrat aus Indiana, und er spielt und singt wieder die ländliche Musik Amerikas in ihrer ganzen Selbstverständlichkeit. Den Countryrock , das Wehleidige der Benachteiligten und den Fatalismus der Beladenen.

Glück bedeutet, langsamer zu sterben

Man muss die Songs nicht leben wie John Hiatt, als er jünger war. Man kann auch ohne Alkoholschäden und Selbstmorde von nahen Angehörigen bewegende Lieder machen.

Trotzdem wurde Hiatt von den Glücklicheren gern beliehen:

B.B. King und Eric Clapton sangen „Riding With The King“ von ihm als Schunkellied, Bob Dylan sang „The Usual“ als Erbauungshymne und Joe Cocker „Have A Little Faith In Me“ als Kneipensong. John Hiatt selbst singt heute, Glück bedeute, langsamer zu sterben. In „I Love That Girl“ erklärt er sogar: „Ich könnte Gitarrensaiten ausreißen, mit bloßen Händen.“ Und das tut er dann nach Kräften.

John Hiatt: Dirty Jeans and Mudslide Hymns (Blue Rose)