Blondinen-Quiz

"Du denkst, das ist wie Boxen gegen Blinde"

Ein Mann tritt gegen 50 hellhaarige Frauen an, inclusive Gina Lisa Lohfink, Dolly Buster und "Big Brother"-Annina. Ein Scherz, aber kein Blondinenwitz.

Foto: obs / obs/DPA

Gehen 50 blonde Frauen zu einem Fernsehquiz, aber die Fragen werden ihnen schon vor der Sendung gestellt ... Was sich wie der Beginn eines Blondinenwitzes anhört, ist von RTL 2 ganz ernst gemeint. ”Beat the Blondes – Besieg die Blondinen“ heißt ein neues, zunächst zweimal gesendetes Format, das von Sat.1 bereits 2008 angekündigt, dann aber wieder in die Schublade zurückgelegt wurde. Nun also tritt bei der kleinen RTL-Schwester ein Mann gegen 50 echte und nicht ganz so echte Blondinen an.

Witze allerdings macht in dieser Show nur Janine Kunze, die wohl den meisten noch aus der Sat.1-Serie ”Hausmeister Krause – Ordnung muss sein“ (1999–2010) bekannt sein dürfte. Und die als Moderatorin jetzt schon mal für die Pro-Sieben-”Alm“ üben kann, auf die sie bald wieder diverse C-Promis treiben darf.

”Du denkst, das ist wie Boxen gegen Blinde“, begrüßte sie den gegelten, brünetten Herausforderer Jörg, einen 40-jährigen Betreiber eines Internet-Presseportals für Gastronomie und Hotellerie, der zum Schutz gegen die hellhaarige halbe Hundertschaft, bewaffnet mit Stöckelschuhen, einen Schal umgelegt hatte.

Gewinnen konnte Jörg einen Kleinwagen, der rund 15.000 Euro wert ist. Also eher ein Kleingewinn im Vergleich zum US-Original, bei dem der Herr der Schöpfung eine Million Dollar einstreichen konnte. In Italien betrug die Gewinnsumme eine halbe Million Euro und in Griechenland immerhin noch 300.000 Euro.

Gina-Lisa in der ersten Reihe

”Deutschlands klügste Blondinen“ – so der Titel eines TV-Quiz aus dem Frühjahr – müssten ihre Köpfe zusammenstecken, um die Regeln des neuen Formats in ihrer Gesamtheit zu durchschauen, aber etwas klarer wurde das Konzept im Laufe der Sendung schon.

So musste Jörg in der ersten Spielrunde zunächst gegen sieben mal sieben Blondinen sein Wissen unter Beweis stellen. In der ersten Reihe standen die Damen, die bei den vorab gestellten Fragen, sagen wir mal, nicht ganz so gut abgeschnitten hatten. Reihe sieben dagegen bevölkerten die Blondies, die, so Kunze ”alle sehr intelligent aussehen“ und der blonden Moderatorin sogar ein bisschen ”Angst“ machten.

In Reihe eins platziert war u. a. Gina Lisa Lohfink, jene Ex-Miss-Darmstadt, die in der dritten "GNTM"-Staffel zwar nur Zwölfte wurde, aber dank hessischer Kodderschnauze und dem Ausspruch ”Zack, die Bohne“ Unterhaltungspotenzial erkennen ließ und mittlerweile wohl die gesamte mediale Verwertungskette durchlaufen hat.

Kandidat Jörg im Vorteil

Weil weder sie noch fünf andere aus ihrer Reihe sagen konnten, dass Angela Merkels Gatte mit Nachnamen nicht Süß, Herb oder Bitter, sondern Sauer heißt, füllte Jörg seinen Jackpot. Gab es hier pro preiswertem Blondchen 25 Euro für ihn, so steigerte sich der Betrag pro Blondine bis zur siebten Reihe auf 250 Euro. Gegen jede Kontrahentin, die vor der Sendung richtig geantwortet hatte, musste der Herausforderer dann in Runde zwei noch einmal antreten.

Zunächst wusste Jörg alles. Dass die Einheit Karat bei Edelsteinen die Masse angibt und nicht die Reinheit oder Härte. Dass Napoleon nicht in England, Frankreich oder den Niederlanden sein Waterloo erlebte, sondern in Belgien. Oder dass es in Israel keinen Linksverkehr gibt, in Südafrika, Japan und auf Malta hingegen schon.

Bis zur sechsten Reihe hatten es bei der Vorab-Befragung zwei weitere Promi-Blondinen gebracht: Ex-Porno-Aktrice Dolly Buster und Annina Ucatis, die im selben Metier tätig war und sich 2009 auch im ”Big Brother“-Container niederließ. Standen unter den Namensschildchen bei den anderen Grazien deren Berufe, blieb die Job-Leiste bei Buster und Ucatis vorsichtshalber leer.

Immerhin rutschten sie in Runde zwei, gemeinsam mit einer ”Super-Blondine“, der 50. im Bunde, die Janine Kunze wegen ihres großen Allgemeinwissens so nannte. Jörg aber zeigte vor der Strohfarben-Fraktion noch keinen Respekt. ”Macht Spaß“ war er mit einem leicht diabolischen Lachen immer wieder zu vernehmen.

Stehen also 17 Blondinen in Quiz-Runde zwei und müssen ihre Antworten aufschreiben. Nein, auch diese Versuchsanordnung entpuppte sich nicht als Witz, sondern für Jörg eher als Alptraum.

Denn der Internet-Unternehmer hatte plötzlich keine Ahnung mehr. Keine Ahnung, in welchem Gebäude der Papst gewählt wird; keine Ahnung, welches Mineralwasser denselben Namen hat wie eine Formel-1-Rennstrecke; und erst recht keine Ahnung, wie die Hauptdarstellerin der TV-Serie ”Doctor’s Diary“ heißt.

”Blondes have more fun“ hieß es also schließlich, denn obwohl jede der Damen nach Aufteilen des Jackpots nicht viel mehr als 200 Euro mitnehmen durfte, jubelten sie, als hätten jede von ihnen den Kleinwagen gewonnen.

Aber selbst wenn Jörg alle Fragen richtig beantwortet hätte, wäre er kaum in der Lage gewesen, alle bis auf drei Blondinen rauszukegeln, um dann den Jackpot zu setzen und mit dem Kleinwagen nach Hause zu fahren. So war die Versuchsanordnung wohl doch eher ein Witz, allerdings kein Blondinenwitz.