Theater

Was der kleine Prinz auf dem Flugfeld macht

Der Kinderbuch-Klassiker "Der kleine Prinz" wurde bereits viele Male auf die Bühne gebracht. Doch Regisseur Hans-Joachim Frank inszeniert die Geschichte ganz besonders - auf einem Flugplatz in Brandenburg und mit echten Flugzeugen.

Foto: Christian Kielmann

„Der kleine Prinz“, 1943 von Antoine de Saint-Exupéry geschrieben, gehört heute zu den beliebtesten Kinderbüchern. Es wurde verfilmt, vertont und unzählige Male auf die Bühne gebracht – selbst eine Oper „Der kleine Prinz“ gibt es schon. Doch was Regisseur Hans-Joachim Frank vom Theater 89 nun mit der Geschichte macht, ist etwas Besonderes. Er lässt sie auf einem Flugplatz spielen – von echten Piloten und Schauspielern.

Die Idee ist bestechend einfach: In der Geschichte geht es schließlich um einen notgelandeten Flieger, der in der Wüste auf den kleinen Prinzen trifft. Die Inszenierung auf dem Flugplatz Fläming Air in Zellendorf beginnt mit dem Auftauchen des Flugzeugs am Horizont. Musik setzt ein und heizt die Spannung an, bis die Cessna mit quietschenden Reifen die Landebahn berührt.

Dem Flugzeugeigentümer und Betreiber des Flugplatzes Rudi Hackel ist das Geräusch vertraut. „Wir haben doch schon viel tollere Sachen gemacht – an unseren Flugtagen und auch fürs Theater 89. Bei der Produktion ,It Works’ habe ich Flugblätter abgeworfen. Seitdem ist der Kontakt zum Theaterleiter Hans-Joachim Frank nicht abgerissen.“

Die Aufführung des Stücks „It Works!“ von Oliver Bukowski war vor 10 Jahren auf einem verlassenen Kasernengelände in Niedergörsdorf ein Theatercoup. Mehr als 100 Darsteller ließen satirisch überhöht Rituale der alten DDR lebendig werden, inklusive einer Parade zum 1. Mai mit Spruchbändern, Fahnen und vielen schweren Fahrzeugen. Es kamen so viele Zuschauer, dass das Stück auch in den folgenden Jahren gespielt werden konnte. Daran würde das Theater 89 nun mit seiner neuen Open-Air-Produktion gern anknüpfen.

Die Gruppe bringt nur relativ selten derart große Spektakel heraus. Dass sie in der Region fest verwurzelt ist, hat eher mit der Konstanz ihrer Arbeit zu tun. Sie präsentiert in Niedergörsdorf, ihrem zweiten Standort neben der Berliner Torstraße, jedes Jahr zwei bis drei neue Produktionen – in vielen Stücken dürfen Laiendarsteller aus der Region mitspielen. Der Regisseur und Theaterleiter Hans-Joachim Frank arbeitet mit Chören, Schulkindern und Trachtengruppen. Das bringt ihm viel Sympathie ein. Das Besondere am Theater 89 sei „die Nähe zu den Leuten“, sagt Flugplatzchef Rudi Hackel. Hier in dieser ländlichen Region werden die Menschen eher wenig mit Kunst und Kultur konfrontiert. Aber wenn man auf sie zu geht, nehmen sie das Angebot gern an.

40 Akteure sind diesmal dabei – ein Trachtenverein, zwei Chöre, die Jugendfeuerwehr Zellendorf und Flugplatzmitarbeiter, die bei einer großen Prozession die Requisiten tragen. Trotzdem wirkt die Produktion über weite Strecken verhalten. Nach der Notlandung des Flugzeugs tritt der kleine Prinz im weißen Overall an den Piloten heran und bittet ihn, ein Schaf zu zeichnen. Der Text, der vorab im Studio aufgezeichnet wurde, wird über Lautsprecher eingespielt. So ist trotz der teilweise recht großen Distanz der Zuschauer zum Spielgeschehen alles gut zu verstehen. Fest installierte Sitze gibt es nicht. Das Publikum folgt den Akteuren von Spielort zu Spielort. Vom Rollfeld geht es auf eine Wiese, wo der kleine Prinz auf einem acht Meter hohen Gerüst die Bewohner fremder Planeten trifft.

Danach wandert er zu einem Spielplatz und zu einer bunt beleuchteten Bühne, wo die Chöre und Trachtengruppen ihren Auftritt haben. Wenn die donnernde Musik verstummt, folgt Stille. Grillen zirpen, der Mond scheint – laute und leise Momente wechseln sich ab. Auf spektakuläre Action-Szenen hat Regisseur Frank verzichtet. Er setzt auf die Poesie des Textes und die Romantik des Flugplatzes in der Abenddämmerung.

THEATER 89, Spielort Flugplatz Fläming Air in Zellendorf. 033741-71304. Termine: 13./14. 19-21. und 26.-28. August, jeweils 21 Uhr.