Bestseller-Verfilmung

"Resturlaub" hat trotz Plattitüden Facebook-Freunde

Nach "Vollidiot" mit Oliver Pocher ist nun die zweite Verfilmung eines Tommy-Jaud-Buches zu sehen: In "Resturlaub" flieht ein Protagonist aus Franken.

Peter Greulich ist ein Mann Mitte Dreißig, der von allen immer noch Pitschi genannt wird. Seine Heimatstadt Bamberg hat er nie verlassen, wo er das Marketing für die hiesige Brauerei macht. Alles läuft in geregelten Bahnen. Als sein bester Freund heiratet und die eigene Freundin leise ihren Kinder- und Hausbauwunsch äußert, packt ihn die nackte Panik.

Statt mit der Clique wie jedes Jahr nach Mallorca zu fliegen, täuscht er einen Unfall vor und steigt heimlich in die nächste Maschine nach Argentinien. Im fernen Buenos Aires soll plötzlich alles anders werden, aufregender, unspießiger. Dort angekommen muss er feststellen, dass alles ganz anders ist, als er sich das von der oberfränkischen Provinz aus vorgestellt hat.

Klischees werden bedient

In der Verfilmung des Bestsellers von Tommy Jaud ( „Vollidiot“ ) ist das der Nährboden für einen Humor, der sich daraus speist, dass Frauenfiguren wahlweise nörgelig mit Quäkstimme oder nymphoman mit Übergewicht sind sowie aus dumpfen Ekelwitzen über Alkoholmissbrauch, Geschlechtsverkehr und körperliche Ausscheidungen. Statt mit Klischees zu spielen, werden sie bedient.

Lustig ist das in den seltensten Fällen. Regisseur Gregor Schnitzler, durch Benjamin von Stuckrad-Barres „Soloalbum“ bereits bestselleradaptionserprobt, reduziert den fränkischen Dialekt aus der Vorlage auf ein Minimum, ansonsten fällt ihm nicht viel mehr ein, als das Drehbuch wie eine platte Sketchrevue zu inszenieren. Ein Missverständnis ist auch die Besetzung:

Maximilian Brückner, seit fünf Jahren jüngster Tatort-Kommissar in Saarbrücken, wird oft „Lausbubencharme“ zugeschrieben, sein komödiantisches Talent übersteigt aber selten Volkstheaterniveau. Gedreht wurde in Bamberg und Buenos Aires, doch auch der Rest der Besetzung wurde konsequent weder mit fränkischen noch argentinischen Darstellern besetzt.

Keine Überraschungen

Die heiße Spanischlehrerin wird von einer Schweizerin gespielt (eine der wenigen soliden Leistungen), Pitschis Mitbewohner in Buenos Aires von einem Italoschweizer. Damit ist der Horizont des Films ziemlich gut abgesteckt.

Und so stellt auch Pitschi am wenig überraschenden Ende fest, dass die große weite Welt doch nichts für ihn ist und er im beschaulichen Bamberg alles hat, was er in Südamerika gesucht hat. Etwas zeigt dieser Film sehr schön, wenn auch unfreiwillig: Das Problem am Reisen ist, dass man sich immer selbst mitnehmen muss.

Und statt den inneren Schweinehund zu überwinden lautet das Jaud-Mantra vielmehr, den inneren Spießer zu akzeptieren. So wie die Bücher des Ex-TV-Comedy-Schreibers ein Publikum ansprechen, das sonst eher selten liest, ist der Film für Leute gemacht, die vom Kino nicht allzu viel erwarten.

Es steht zu befürchten, dass „Resturlaub“ trotzdem ein Hit wird. Auf Facebook hat der Film bereits über 8.000 Freunde. Und damit ist nach „Vollidiot“ mit Oliver Pocher wohl auch die Verfilmung des nächsten Jaud-Bestsellers unumgänglich: „Hummeldumm“ .