Netzwerk Recherche

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Thomas Leif

Der Netzwerk Recherche macht sich für investigativen Journalismus stark. Nun ist der Verein selbst Recherchethema - und zwar das der Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen den ehemaligen Vorsitzenden des Vereins.

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Die finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Journalistenverein Netzwerk Recherche beschäftigen nun die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ermittelt wegen des Betrugs- und Untreueverdachts gegen den Gründer und ehemaligen Vorsitzenden des Journalistenvereins, Thomas Leif, sagte ein Sprecher der Behörde dem EPD und bestätigte damit einen Bericht der „Financial Times Deutschland“. Die Staatsanwaltschaft Bonn habe die Anzeige eines Rechtsanwalts gegen den SWR-Chefreporter an die zuständige Ermittlungsbehörde in Hessen weitergeleitet.

Das Netzwerk Recherche soll unter Leif unrechtmäßig 75.000 Euro Fördergelder für seine Jahrestagungen von Bundeszentrale für Politische Bildung erhalten haben. Der Verein hat das Geld inzwischen zurückgezahlt.

Der SWR teilte auf EPD-Anfrage mit, für den Sender seien die Aktivitäten der Staatsanwaltschaft kein Anlass, sich von seinem Mitarbeiter Leif zu distanzieren. Die Ermittlungen stünden nicht mit seinem Arbeitsverhältnis in Verbindung. Leif werde die Sendung „2+Leif“ weiter moderieren und den SWR über den weiteren Fortgang auf dem Laufenden halten. Der Reporter selbst wollte sich zunächst nicht näher zu den Ermittlungen äußern.

Leif war nach Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten Anfang Juli aus dem Vorstand von Netzwerk Recherche ausgeschieden. Er habe die Verantwortung für „mögliche Abrechnungsfehler“ übernommen, hieß es in einer Erklärung des Vorstands. Die restlichen Vorstandsmitglieder seien beauftragt worden, die Geschäfte bis zur Klärung aller Vorwürfe weiterzuführen. Voraussichtlich im Herbst will der Verein einen neuen Vorstand wählen. Leif hatte das Netzwerk 2001 gegründet und zehn Jahre ehrenamtlich für die Journalistenorganisation gearbeitet.

Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden musste am Donnerstag zunächst klären, ob sie für das Verfahren zuständig ist. Netzwerk Recherche hat seinen Sitz in Wiesbaden, die Bundeszentrale für Politische Bildung ist in Bonn angesiedelt.