Bezjak-Bildband

Provozierende Symbole sowjetischer Fremdherrschaft

Mit einem Bildband nähert sich Roman Bezjak konzeptionell der sozialistischen Architektur – und widmet sich der Kreativität von Plattenbauten.

"Ostblock-Bauten" gelten als grau, gesichtslos und einfach nur hässlich. Neben Fotograf Frédéric Chaubin , der das Spektakuläre in der Architektur sucht, und es dramatisch zu inszenieren weiß, betreibt unter anderem Roman Bezjak nun ein wenig Imagepflege.

Auch sein Bildband bietet eindrucksvolle und überraschende Einblicke in die sozialistische Architektur und zeigt, dass in so mancher "Platte" jede Menge Kreativität steckt.

Roman Bezjak wurde in Slowenien geboren und arbeitet heute als Professor an der Fachhochschule Bielefeld. Seine Herangehensweise an die sozialistische Architektur ist viel konzeptioneller und theoretischer als die von Chaubin.

Bezjaks Bilder sind auch abstoßend

Sein Bildband aus dem Hatje Cantz Verlag ist kleiner, die Fotos nicht so glänzend. Bezjak fotografiert seine "sozialistischen Freilichtmuseen" immer aus derselben Perspektive und demselben Abstand – was nicht mehr drauf passt, passt eben nicht drauf. Chaubin wählte gerne die Froschperspektive, wodurch die monumentalen Bauwerke noch größer wirken.

Trotzdem wirkt natürlich nicht alles, was in diesen beiden Bildbänden zu sehen ist, anziehend – manches ist sogar abstoßend.

Dass "Platte" nicht gleich "Platte" ist, wie Inka Schube, Kuratorin des Sprengel Museums in Hannover in Bezjaks Bildband schreibt, war zwar schon vorher bekannt – die Bildbände zeigen aber wie sehr sich die Platten unterscheiden konnten.

So gab es in der Slowakei eine ganz eigene Architekturschule, in Polen fühlte man sich den historischen Bausubstanzen verpflichtet und in den baltischen Staaten war "fast jeder Neubau ein provozierendes Symbol sowjetischer Fremdherrschaft".