Salzburger Festspiele

Darf Merkel dreimal dasselbe Premierenkleid tragen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte bei den Salzburger Festspielen drei Inszenierungen in zwei Tagen – und löst eine kleine Modedebatte aus.

Salzburger Sommer-Ritual: Zu Festspielzeiten flanieren Reich und Schön auf dem roten Teppich, Touristen zücken mit respektvollem Abstand die Kameras. Große Oper und große Politik, Kultur und Klatsch treffen aufeinander. Und Merkels Mode gerät in die Kritik.

Die Festgäste in Salzburg hatten dieses Jahr wirklich Pech. Die Stadt empfing ihre illustren Sommergäste nach strahlendem Auftakt am 27. Juli 2011 zum ersten Wochenende mit dem sprichwörtlichen Schnürlregen.

Es hieß Haltung bewahren, wenn das kühle Nass die Füße umspülte und die feuchten Sohlen auf dem Marmorboden rutschten. Doch Schauspielerin Sunnyi Melles und Unternehmerin Renate Thyssen-Henne meisterten den wetterbedingten Hürdenlauf zum Festspielhaus ebenso unfallfrei wie TV-Moderatorin Katja Burkard und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Merkel und das lila Kostüm

Merkel sorgte gleich auf doppelte Weise für Aufsehen an der Salzach. Nicht nur, dass sie an zwei Tagen die Premiere der Strauss-Oper „Die Frau ohne Schatten“, eine Probe zu Verdis „Macbeth“ und dann noch die Schauspiel-Uraufführung von Roland Schimmelpfennigs „Die vier Himmelsrichtungen“ besuchte – und damit einen wahren Kulturmarathon hinlegte.

Mit ihrem glänzenden lila Kostüm löste sie auch eine Debatte im Internet aus: Darf eine Kanzlerin dasselbe Outfit dreimal zur gleichen Gelegenheit tragen? Fotografen belegten mit Archivbildern, dass die Kombination der Kanzlerin bereits im Vorjahr sowie 2008 geglänzt hatte.

„In Zeichen der Sparsamkeit ein gutes Signal“, hieß es in einem Posting zum Thema, andere meinten, die Kanzlerin beweise „wenig modischen Spürsinn“.

Thielemanns exquisiter Klang

Extravaganter hatte sich da Star-Sängerin Anna Netrebko gezeigt, die zur ersten Opernpremiere am 27. Juli 2011 in einem schillernden, kristallbesetzten Kleid erschien – ihr erlaubte das Wetter noch einen effektvollen Auftritt im offenen Cabrio mit Partner Erwin Schrott am Lenkrad.

Künstlerisch boten die ersten Tage ein ebenso schillerndes sowie dichtes Programm, das den Festspielgästen vor allem eines abverlangte: Sitzfleisch. Dass sich das Durchhalten über vier Stunden reine Spielzeit hinweg bei der Strauss-Oper lohnte, darüber waren sich die Kritiker nur bei der Musik einig:

Exquisiter Sound der Wiener Philharmoniker unter Dirigent Christian Thielemann beglückte das Premierenpublikum. „Keine Inszenierung“ war dagegen noch eines der milderen Urteile über die szenische Einrichtung von Christof Loy.

Gespaltene Kritik zum Faust-Marathon

„Gigantisches Endspiel“ und „überwältigend“, aber auch „läppisch“: Der Faust-Marathon mit Teil I und II von Goethes Tragödie, den Nicolas Stemann auf die Bühne der Perner-Insel wuchtete, spaltete die Kritik.

Auch Vielschreiber und in dem Fall gleichzeitig Regisseur Roland Schimmelpfennig konnte mit der Uraufführung von „Die Vier Himmelsrichtungen“ am 30. August 2011 nicht alle Herzen für sich gewinnen: „Abgestürzt“, fanden etwa die „Salzburger Nachrichten“, während „Der Standard“ aus Wien ein „filigranes Meisterwerk“ sah.